Bitcoin im freien Fall

Die lange Zeit für die Abwicklung digitaler Geschäfte gehandelte als "Ersatzwährung" ist abgestürzt: Fast 50 Prozent Kursverlust wurden allein in den vergangenen 60 Tagen verzeichnet. Die digitale Währung, vor der Finanzaufseher wegen heftiger Kursschwankungen permanent warnen, ist in der Dauerkrise - trotz mühsamer Anstrengungen einiger Lobbyisten Bitcoin gutzureden. Neue Hoffnungen gibt es durch Facebook und Pinterest.

Bitcoin im freien Fall

New York. Die Digitalwährung Bitcoin schwächelt heftig - zumindest, was den Kursverlauf angeht. In den vergangenen zwei Monaten hat sich ihr Wert fast halbiert. Am Wochenende fiel der Preis pro Coin erstmals seit Ende 2013 unter 300 Dollar (238 Euro). Davon lässt sich die Anhängerschaft aber nicht aus der Ruhe bringen.

"Das ist nur eine Momentaufnahme, es wird rasch wieder nach oben gehen", meint Nick Spanos. Er ist einer der Gründer des Bitcoin Centers, einer Info- und Lobbyeinrichtung im New Yorker Finanzdistrikt. "Ich habe jeden Tag mit Leuten von Goldman Sachs und anderen Investmentbanken zu tun, die sich für Bitcoins interessieren."

Als Lobbyist muss Spanos versuchen, Zweifel an der Krypto-Währung zu zerstreuen. Andere Beobachter sind weniger optimistisch. "Erinnert sich noch jemand an Bitcoins? - es geht ihnen schrecklich", kommentierte Joe Wiesenthal vom Tech-Blog "Business Insider" am Wochenende. "Charts können nicht hässlicher aussehen", lästerte er über den Kursverlauf seit Juli.

Wo steht das Projekt des freien Geldes, das unabhängig von Staaten, Zentral- und Geschäftsbanken funktioniert, nun wirklich? "Die Leute realisieren, dass Bitcoins zwar geeignet sind, den Zahlungsverkehr effizienter zu machen, aber nicht die großen Währungen wie den Dollar ablösen werden", sagt Steven Englander, Chefstratege der Citigroup-Devisenabteilung.

Rückzug von Crash-Theoretikern und Spekulanten

Mit anderen Worten: Crash-Theoretiker, die Absicherung gegen einen System-Kollaps suchen, verlassen den Markt. Dafür spricht auch der parallel erfolgte Preisverfall bei Gold, das ebenfalls als Krisenschutz gilt. Nachdem die Bitcoin-Blase Ende 2013 bei mehr als 1150 Dollar platzte, haben sich auch viele Spekulanten zurückgezogen. Indessen wächst und gedeiht die Infrastruktur des virtuellen Geldprojekts.

Automaten, an denen Bitcoins mit etablierten Währungen wie Euro oder Dollar gekauft werden können, verbreiten sich rasant. Mittlerweile gibt es etwa 20 Firmen, die sogenannten Bitcoin-ATM herstellen. Über 120 davon finden sich inzwischen weltweit. Eine der Maschinen steht im Lifestyleladen "Flat128" im schicken New Yorker West Village. Das Geschäft läuft super, sagt Besitzerin Elizabeth DuBois: "Pro Tag wird der Automat etwa 10 bis 20 Mal genutzt."

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Kein Wunder, dass die Unternehmen der Branche von einer Krise weit entfernt sind. Die auf virtuelle Geldbörsen spezialisierte Firma Blockchain schloss am Wochenende mit 30 Mio. Dollar die bisher größte Finanzierungsrunde der Szene ab. Die Kollegen von Coinbase haben die bekannten Silicon-Valley-Finanziers Andreessen Horowitz im Rücken, die bereits bei Facebook oder Pinterest richtig lagen.

Coinbase arbeitet mit PayPals Sparte BrainTree zusammen, um Bitcoins als Zahlungsmittel zu integrieren. Damit könnte sich die Tür zur boomenden Sharing Economy (systematisches Ausleihen und Teilen) für die digitale Währung weit öffnen - denn Braintree wickelt den Geldverkehr ab für Trendfirmen wie den Bettenvermittler Airbnb, den Fahrdienst Uber oder den Restaurant-Reservierer OpenTable.