Bankenabgabe: "Die denkbar schlechte Weichenstellung“

Seit 2011 kämpfen Österreichs Finanzinstitute gegen die verhasste Bankensteuer. Nun soll Erste-Group-Chef Andreas Treichl an die Verhandlungsfront. Im Interview warnt er vor einer weiteren Kreditklemme.

Bankenabgabe: "Die denkbar schlechte Weichenstellung“

Erste-Group-Chef Andreas Treichl


640 Millionen Euro Bankenabgabe mussten die heimischen Kreditinstitute 2014 berappen.

Format: Herr Treichl, ab 2016 müssen die Banken weitere 360 Millionen Euro in den EU-Abwicklungs- und den Einlagensicherungsfonds zahlen. Schaffen Sie bis dahin eine Modifikation der österreichischen Bankenabgabe?

Treichl: Die heimische Politik hat bei der Einführung der Bankenabgabe klar gesagt, dass diese bei Einführung europäischer Regeln entsprechend angepasst werden wird. Auf diesen Umstand weisen wir als Banken in Gesprächen mit der Politik hin.

Wie konkret wollen Sie die derzeit 640 Millionen Euro schwere Bankenabgabe reduzieren?

Es geht nicht um eine Reduktion der Belastungen für die heimische Kreditwirtschaft. Es geht darum, eine weitere substanzielle Belastung, die der heimischen Wirtschaft schaden wird, zu verhindern. Ab 1. Jänner 2016 müssen die beiden EU-Fonds gespeist werden. Die dafür notwendigen Beiträge wollen wir von der bestehenden Bankensteuer begleichen.


360 Millionen Euro kommen 2016 an Abgaben für den EU-Abwicklungs. und Stabilitätsfond hinzu.

Und wenn ihnen das nicht gelingt?

Wenn es zu keiner Änderung kommen sollte, haben die österreichischen Banken nächstes Jahr allein aus den beiden Titeln Bankensteuer und Sicherungsfonds eine zusätzliche Belastung von einer Milliarde Euro. Diese Milliarde weniger Eigenkapital reduziert die Kreditvergabefähigkeit der österreichischen Banken um zwölf bis 13 Milliarden Kredite, die jedenfalls nicht vergeben werden können. In einer Phase, in der wir alle darum kämpfen sollten, Investitionen anzukurbeln, um so die Arbeitslosigkeit zu senken, ist das eine denkbar schlechte Weichenstellung.


13 Milliarden Euro weniger Kredite pro Jahr können die Banken wegen dieser Belastung vergeben.

Lesen Sie den ganzen Artikel in Format Nr. 38/2015
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