"Die USA haben den Banken die Pistole angesetzt"

Sonntag, pünktlich um 12 Uhr Mittag, wurden die Ergebnisse des Stresstests der Europäischen Zentralbank veröffentlicht. FORMAT-Redakteurin Angelika Kramer hatte Bank Austria CEO Willibald Cernko kurz vor der Zeugnisverteilung der EZB zum Interview getroffen. Cernko über seine Hoffnungen und Erwartungen für den europäischen Bankensektor nach dem Stresstest und weshalb die Banken der USA heute besser gestellt sind als die Europas.

"Die USA haben den Banken die Pistole angesetzt" "Die USA haben den Banken die Pistole angesetzt"

Am Österreichischen Nationalfeiertag, Sonntag, dem 26. Oktober, gab die EZB das Ergebnis ihres Banken-Stresstests bekannt. Unter den geprüften Instituten waren auch sechs aus Österreich. BAWAG PSK mit BAWAG Holding, Erste Group, Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich-Wien mit Raiffeisen Holding, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG, RZB mit Raiffeisen-Landesbankenholding und die ÖVAG Volksbanken-Kreditinstitutsgruppe. Auch die zur italienischen UniCredit gehörende Bank Austria wurde geprüft. Bank Austria CEO Willibald Cernko vor der Veröffentlichung des EZB-Stresstests im Interview mit FORMAT-Redakteurin Angelika Kramer.

Format: Herr Cernko, am Sonntag werden die Stresstest-Ergebnisse der EZB veröffentlicht. Sind Sie schon nervös?
Cernko: Aus meiner Körpersprache können Sie schließen, dass ich sehr entspannt bin.

Format: Was erwarten Sie generell vom Ergebnis?
Cernko: Ich bin gespannt, wie die Öffentlichkeit das Ergebnis aufnehmen wird: Wird es uns gelingen, damit das Vertrauen zu den europäischen Banken wiederherzustellen oder wird es viele Experten geben, die den Test als zu wenig streng abtun? Das wird spannend.

Format: Sie klingen etwas skeptisch. Sind Sie nicht überzeugt, dass dadurch das Vertrauen in die Banken gestärkt wird?
Cernko: Stimmt, aus Erfahrung heraus bin ich skeptisch, aber letztlich glaube ich schon, dass damit das Vertrauen in den europäischen Bankensektor gesteigert werden wird.

Format: Wie ist der Stresstest in Ihrem Institut abgelaufen?
Cernko: In unserem Haus ist alles sehr professionell, wenn auch sehr aufwendig abgelaufen.

Format: Sehen Sie es als Aufgabe der europäischen Bankenaufsicht, dass es weniger Banken geben soll?
Cernko: Die Marktbereinigung im Bankensektor sollte nicht das Primärziel sein. Die Konsolidierung kommt ohnehin durch veränderte Rahmenbedingungen und verändertes Kundenverhalten zustande. Aber natürlich wird es so sein, dass die eine oder andere Bank die strengeren Regularien nicht überlebt.

Format: Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie viele Banken weniger wird es in zehn Jahren in Europa geben?
Cernko: Klar ist, dass die Filialpräsenz stark zurückgehen wird. In fünf bis zehn Jahren werden bis zu 50 Prozent des Filialnetzwerks verschwinden. Davon bin ich überzeugt. Die Zahl der Banken ist viel schwerer abzuschätzen. Aber es wird wohl Geschäftsmodelle geben, die nicht überlebensfähig sind. Hier wird auch der Stresstest helfen.

Format: Was machen die USA im Bankengeschäft besser?
Cernko: Die US-Administration ist viel radikaler gegenüber Banken vorgegangen: Sie hat Banken die Pistole angesetzt und gefordert, dass sie ihr Eigenkapital binnen weniger Tage erhöhen. Gelang das nicht, ist die Bank vom Markt verschwunden oder der Staat ist eingestiegen. In Europa war man viel zögerlicher. Es galt das Motto: "Too little, too late". Und man darf nicht vergessen, dass die USA ein investitionsfreundliches Klima kreiert haben, während in Europa immer nur die Senkung der Defizite im Vordergrund stand. Was langfristig der bessere Weg ist, wird sich zeigen. Aktuell stehen die USA, auch bei der Vergabe von Neukrediten, viel besser da als Europa.

Format: Ihr Kollege Rothensteiner (Walter Rothensteiner, Generaldirektor Raiffeisen Zentralbank) hat gemeint, die strengen Kapitalvorschriften würden eine Kreditvergabe an Unternehmen unmöglich machen. Stimmt das?
Cernko: Für unser Haus gilt: Wir würden sehr gerne mehr Kredite vergeben. Wir haben so viel Kapital, dass wir uns die Kreditvergabe leisten können. Aber die Nachfrage ist einfach nicht da. Hier ist die Politik gefordert. Für eine vernünftige Standortpolitik zu sorgen. Denn klar ist: Real- und Finanzwirtschaft sind siamesische Zwillinge, die aufeinander angewiesen sind.

Format: Hat sich das Gesprächsklima zwischen Banken und der Politik wieder verbessert?
Cernko: Erste vernünftige Gespräche hat es noch unter Finanzminister Spindelegger gegeben, die unter seinem Nachfolger Schelling nahtlos fortgesetzt wurden. Wir haben aufgezeigt, dass wir bei allen Belastungen wie Bankensteuer und der künftigen Dotation des Resolutions- und Einlagensicherungsfonds kaum Gewinne schreiben können. Aber wenn wir die Kosten des Kapitals nicht mehr verdienen können, wird es kritisch. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der Politik in den nächsten Monaten schrittweise eine Lösung finden werden.

Lesen Sie das ganze Interview in der aktuellen Ausgabe von FORMAT (Nr. 43/2014)
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