ATX-Unternehmen: Weniger Profit, aber satte Vorstandsgagen

ATX-Unternehmen: Weniger Profit, aber satte Vorstandsgagen

Österreichs große börsennotierte Unternehmen haben 2014 laut einer Studie der Arbeiterkammer weniger Gewinn und Umsatz erzielt. "Während Umsätze, Betriebserfolg und Gewinne sinken, können sich Aktionäre und Manager auf ein krisenfestes Einkommen verlassen", so AK-Präsident Rudolf Kaske am Montag in einer Pressemitteilung. Die Industriellenvereinigung weist die Kritik zurück.

Die Umsätze der 18 untersuchten ATX-Unternehmen sanken laut AK 2014 um 7 Prozent auf 101,6 Mrd. Euro. Der Betriebserfolg (EBIT) ging um mehr als ein Drittel (37 Prozent) auf 3,4 Mrd. Euro zurück. Die Gewinne (Jahresüberschuss) brachen um 88,6 Prozent auf rund 546 Mio. Euro ein.

Während sieben Unternehmen ihr Ergebnis zum Teil deutlich verbessern konnten, hat es bei elf Unternehmen einen Rückgang gegeben, so die AK-Studie. Ein Drittel der Firmen schloss überhaupt mit Verlust, angeführt von den Banken und der Telekom Austria.

Die Dividenden seien mit rund 1,44 Mrd. Euro kumuliert auf hohem Niveau gewesen. Ausgeschüttet worden seien von jenen, die Dividenden zahlten, fast 80 Prozent der Gewinne. Im Jahr davor seien es nur rund 56 Prozent gewesen. Dabei fiel ins Gewicht, dass zuletzt Telekom, Wienerberger und Lenzing trotz Verlusten Dividenden zahlten. Seit 2012 seien fast 2.500 Vollzeitarbeitsplätze verloren gegangen.

Das durchschnittliche Vorstandsgehalt sei im Vorjahr bei 1,3 Mio. Euro gelegen. Weil bei der OMV bereits Beendigungsansprüche (Abfertigungen, Abfindungen bzw. Abschlagszahlungen) enthalten waren, kam an der Spitze der Gehaltspyramide Ex-OMV-Chef Gerhard Roiss (5,5 Mio. Euro) zu liegen. OMV-Finanzvorstand David C. Davies kam auf 2,9 Mio. Euro und Andritz-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Leitner auf 2,7 Mio. Euro. Von den zehn Spitzenverdienern deutlich weniger erhalten hat laut Studie nur Erste-Group-Chef Andreas Treichl (2,18 Mio. Euro).

AK: Manager verdienen zu viel

Kaske kritisiert, "dass die ATX-Unternehmen ein weiteres Mal deutlich von einer angemessenen und langfristig orientierten Vergütungskultur für das Management entfernt" sind und dass die herrschende Ausschüttungspraxis an die Substanz der Unternehmen und in letzter Konsequenz an die Substanz der Beschäftigten gehe. Vor dem Hintergrund "dieser offensichtlichen Schieflage und der hohen Arbeitslosenzahlen", fordert er, dass die - zuletzt vergleichsweise hart - erwirtschafteten Gewinne zielgerichtet für Investitionen und Beschäftigungserhalt eingesetzt werden.

Gefordert wird von AK und ÖGB eine Begrenzung der Managergehälter auf das maximal Zwanzigfache des mittleren Einkommens von Arbeitnehmern, das seien ohnehin mehr als 500.000 Euro im Jahr. Managementvergütungen sollten auf nachhaltige Unternehmensziele ausgerichtet sein und die variablen Teile auf maximal 50 Prozent des Fixgehalts beschränkt werden.

Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, wies die AK-Kritik zurück und erklärte heute in einer Pressemitteilung, es stimme nicht, "dass Manager bei uns überbezahlt wären". Das Gegenteil sei der Fall, "diese populistische Debatte ist damit in Österreich wirklich entbehrlich". Laut einer Studie des Wirtschaftsforums der Führungskräfte aus 2014 lägen österreichische Manager im europäischen Vergleich im unteren Drittel. Auch die Vergleiche der Vorstandsgehälter der Top-Konzerne mit den Durchschnittsgehältern in Österreich seien "bestenfalls zweifelhaft, "da gerade diese Unternehmen deutlich höhere Durchschnittsgehälter zahlten.

Ausschüttungen und Investitionen seien zudem kein Widerspruch: "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind konstante Ausschüttungen besonders wichtig, um Vertrauen und damit Investitionen und Arbeitsplätze im Land zu halten", so Neumayer.

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