Zwei Billionen Euro Schulden: Italien steht vor dem Kollaps – der Euro an der Kippe

Zwei Billionen Euro Schulden: Italien steht vor dem Kollaps – der Euro an der Kippe

Italien als Domino-Stein für die Euro-Zone: Das Finanzministerium in Rom muss dringend neue Investoren im In- und Ausland finden, um den auf zwei Billionen Euro angewachsenen Schuldenberg finanzieren zu können.

"Die Zukunft der Euro-Zone wird nicht in Paris oder Berlin, in Frankfurt oder Brüssel entschieden", sagt EZB-Direktor Jörg Asmussen. "Es entscheidet sich in Rom." Ob das am Ende gut ausgeht für die Währungsunion, hängt auch davon ab, ob Rom neue Geldgeber auftun kann. Fakt ist: Die italienischen Banken können den mit zwei Billionen Euro verschuldeten Staat nicht mehr lange finanzieren. Wie lange, das hängt von der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Und die hat Italien vorsorglich aufgefordert, seine finanziellen und ökonomischen Probleme zu lösen.

Auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise hat die EZB zweimal Kredite mit dreijähriger Laufzeit zu unschlagbar günstigen Konditionen an die Banken im Euro-Raum vergeben, die im Fachjargon LTRO heißen. Die italienischen Institute haben das billige Geld in Höhe von 255 Milliarden Euro in die wesentlich höher verzinsten Staatsanleihen ihres Landes gesteckt und damit ansehnliche Gewinne erzielt. Im August hielten sie Papiere im Wert von 397 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie Ende 2011.

Eine heimliche Aufforderung?

Im Januar und Februar 2015 müssen sie nun ihre LTRO-Kredite an die EZB zurückzahlen. Ob es eine neue Geldspritze der Zentralbank geben wird, ist offen. Hinzu kommt, dass die EZB die Qualität der Anlagen unter die Lupe nimmt, auf denen die Banken sitzen. Sie will dadurch verdeckte Risiken aufdecken, bevor sie die Überwachung der Banken übernimmt. Ihre Aufseher könnten erwägen, den Bestand an Staatsanleihen offenzulegen und zu einem Abbau dieser Positionen raten. Denn das Beispiel Griechenland hat gezeigt, dass Staaten ihre Schulden nicht immer vollständig zurückzahlen. "Wir fragen uns, ob die größten Nutzer von LTRO, die damit besonders stark in Staatsanleihen engagiert sind, einen informellen Hinweis erhalten haben, ihr Engagement zu reduzieren", schreiben die Analysten von Morgan Stanley.

Italiens Staatsdefizit ist - verglichen mit anderen Krisenländern - moderat. Es soll schon im kommenden Jahr unter der EU-Obergrenze von drei Prozent liegen. Das Problem ist der Schuldenstand: Er beträgt 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nur in Griechenland ist er noch höher. Für den Staat bedeutet das, jährlich eine riesige Summe auslaufender Kredite an seine Gläubiger zurückzuzahlen und gleichzeitig neue Kreditgeber zu finden.

Wenn die heimischen Banken nicht mehr wie gewohnt zuschlagen, ist Rom auf andere Geldgeber angewiesen. Die Denkfabrik Prometeia geht davon aus, dass vor allem private Haushalte und ausländische Investoren angesprochen werden müssen, um die für 2014 geplanten Platzierungen von Staatsanleihen in Höhe von etwa 65 Milliarden Euro unter Dach und Fach zu bringen. "Der Bankensektor wird schwerlich dazu in der Lage sein, diese Summe zu stemmen", heißt es in der Analyse.

Denn der steckt wegen der Rezession selbst in der Krise, muss seine Kapitalausstattung verbessern, schließt Hunderte Filialen, streicht 19.000 Jobs und verleiht ohnehin schon weniger Geld. Investiert haben die Institute vor allem in italienischen Bonds. Diese machen nach Schätzungen der Prometeia-Analysten etwa zehn Prozent der Bankvermögen aus - doppelt so viel wie 2007. 22 Prozent der italienischen Staatsschulden werden von den heimischen Banken gehalten. Das ist zwar weniger als das Niveau von Spanien, wo die dortigen Banken 39 Prozent der Schulden halten. Allerdings ist Italien mehr als doppelt so hoch verschuldet wie Spanien.

Zuletzt griffen auch Anleger aus Libyen zu

Ende 2011 und noch einmal Mitte 2012 stiegen die Zinsen für italienische Bonds gefährlich hoch. Erst das Versprechen der EZB, alles für den Erhalt des Euro zu tun, drückte die Refinanzierungskosten für den Staat wieder auf verträgliche Niveaus. Ausländische Investoren meldeten sich zurück, trotz der politischen Unwägbarkeiten in Rom. Fast zwei Drittel der im Oktober aufgelegten siebenjährigen Anleihen gingen an ausländischen Anleger, darunter welche aus dem Libanon, aus Malta, Litauen und Libyen. Dieser Trend muss sich Experten zufolge fortsetzen: "Es ist dringen notwendig, dass ausländische Investoren mehr italienischen Bonds erwerben", sagte Analystin Chiara Manenti von Intesa Sanpaolo. Diese halten nur etwa ein Drittel oder 690 Million Euro an italienischen Staatsschulden. Mitte 2011 waren es noch mehr als 800 Milliarden.

Das Finanzministerium sucht außerdem nach finanzkräftigen Italienern. Dazu hat sie eine vierjährige Anleihe aufgelegt, die einen Inflationsschutz bietet. Diese hat unter dem Namen BTP Italia immerhin schon 44 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült. Noch in diesem Woche soll sie aufgestockt werden, was weiter zehn Milliarden Euro an Erlösen bringen könnte.

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