Zuerst Aktien, dann Devisen und nun Anleihen: Euro-Bonds brechen ein

Zuerst Aktien, dann Devisen und nun Anleihen: Euro-Bonds brechen ein

Die Aussicht auf ein Ende der Geldschwemme in den USA hat am Donnerstag nicht nur die weltweiten Aktienmärkte erschüttert, auch den europäischen Staatsanleihen hat diese Entwicklung schwer zu schaffen gemacht. Allen voran gerieten die Bonds der Sorgenländer Spanien und Italien unter Druck. Aber auch deutsche Bundesanleihen mussten Federn lassen. Der Bund-Future - richtungsweisender Gradmesser für die gesamte Eurozone - brach um 1,49 Punkte auf ein Vier-Monats-Tief von 141,95 Zähler ein.

Für viele sei die Ankündigung von US-Notenbank-Chef Ben Bernanke, möglicherweise noch in diesem Jahr mit der Drosselung der Wertpapierkäufe zu beginnen und Mitte 2014 sogar ganz aufzuhören, überraschend gekommen, sagten Händler. "Die meisten hatten mit einem moderateren Beschluss gerechnet", erklärte ICAP-Stratege Philip Tyson. "Der Markt sieht das als den Anfang einer langen Phase der geldpolitischen Straffung."

Bernanke hatte bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung seinen Zeitplan von der Entwicklung der Wirtschaft und vor allem der Lage am Arbeitsmarkt abhängig gemacht. Einige Börsianer zweifeln, dass die US-Wirtschaft sich tatsächlich so positiv entwickeln wird. So verweisen die Analysten von Goldman Sachs darauf, dass ihre eigene Prognose für das Bruttoinlandsprodukt für das zweite Halbjahr 2013 einen halben Prozentpunkt unter der der US-Notenbank liege. "Auch unsere Arbeitsmarktprognosen sind weniger optimistisch", fügten die Analysten hinzu.

Noch läuft die Notenpresse

Die US-Notenbank Fed kauft derzeit monatlich für 85 Milliarden Dollar (63,4 Milliarden Euro) Staats- und Immobilienpapiere. Damit hat sie quasi die Notenpresse angeworfen, was sich positiv auf die Konjunktur auswirkt. Auch die Wirtschaft der Eurozone arbeitet sich nach einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Markit-Instituts unter Einkaufsmanagern langsam aus dem Konjunkturtal heraus. Dabei druckt die Europäische Zentralbank (EZB) bisher als einzige große Zentralbank noch keine neuen Banknoten.

EZB-Chef Mario Draghi hatte allerdings erst am Dienstag laut über eine weitere Zinssenkung und den Einsatz neuer unorthodoxer Instrumente im Kampf gegen die schwache Wirtschaft in der Eurozone nachgedacht. Allein die frühere Zusage Draghis, auf Anfrage eines Landes ein Anleihekaufprogramm (OMT) einzuleiten, hatte in den vergangenen Monaten zu einem Run auf die spanischen und italienischen Staatsanleihen geführt.

Gewinnmitnahmen auf breiter Front

Die Ankündigung Bernanke löste somit Gewinnmitnahmen auf breiter Front aus. Auch hatten die Anleger weniger Interesse an neuen spanischen Staatsanleihen als zuletzt. Die Regierung in Madrid nahm jedoch problemlos bei den Anlegern für zehn Jahre Kredite über vier Mrd. Euro auf. Obwohl Spanien den Investoren höhere Renditen als zuletzt zahlen musste, sahen Händler keinen Grund zur Panik. Spanien habe schließlich bereits mehr als die Hälfte der Gelder aufgenommen, die es für das laufende Jahr noch brauche, erklärte ein Börsianer.

Dennoch brachen die Kurse der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen um über zwei volle Punkte ein, was die Rendite auf 4,80 von 4,53 Prozent am Vorabend trieb. Doch auch die Renditen der entsprechenden deutschen Bundesanleihen schnellten in die Höhe auf 1,67 von 1,56 Prozent. Viele Anleger warfen auch ihre US-Anleihen aus den Depots, sodass die Rendite auf 2,45 von 2,31 Prozent stieg.

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