Wie der Geldmarkt in China in die Krise stürzte

Wie der Geldmarkt in China in die Krise stürzte

Welche Faktoren führten zu dem Engpass:

Hauptursache war der Kampf der chinesische Marktaufsicht gegen Währungsspekulationen. Schon Ende April nahm die zuständige Behörde Banken bei ihren Devisengeschäften stärker an die Kandare. Sie setzte den Instituten engere Grenzen für Wetten auf eine Aufwertung der Landeswährung. So wollte sie die durch Spekulationen ausgelöste Kapitalschwemme eindämmen, die den Wert des Yuan in die Höhe trieb. Im Mai und Juni führten die strengeren Regeln dann zu einem drastischen Rückgang der Bankgeschäfte am Devisenmarkt, was den Geldfluss austrocknete.

Dem Markt Liquidität raubten zudem strengere Regelungen bestimmter Geschäfte zwischen den Instituten sowie im Umgang mit einigen Finanzprodukten. Die Geldhäuser mussten dafür seit Jahresanfang verstärkt auf ihr eigenes Kapital zurückgreifen.

Schließlich spielten auch saisonale Faktoren eine Rolle, durch die - für die Institute unerwartet stark - die Liquiditätsnachfrage stieg. So brauchten Firmen Geld zur Überbrückung von Einnahmeausfällen während der Urlaubszeit sowie für die Zahlung einer aufgeschobenen und nun aber fällig gewordenen Unternehmenssteuer.

Warum duldet die Zentralbank den Engpass?

In gewissem Sinne ist die Krise von der Notenbank hausgemacht. Sie flutete den Markt nicht länger mit Geld, um die Banken ihre Abhängigkeit drastisch vor Augen zu führen. Die regulative Maßnahme sollte die Institute dazu bewegen, sich wieder stärker auf traditionelle Einlagen zu verlassen und weniger auf Geldspritzen der Zentralbank zu setzen. Die Notenbank hat den Instituten also eine Lektion erteilen wollen.

Was signalisieren die Reaktionen der Notenbank?

Sie zeigen, dass die Zentralbank ein Exempel statuieren wollte - aber letztlich nicht zulasten des Wirtschaftswachstums. So ließ der von ihrem Politikwechsel ausgelösten Krise in den ersten zwei Wochen ihren Lauf. Doch am Dienstag glättete sie dann die Wogen: Sie erklärte, einigen Banken unter die Arme gegriffen zu haben und dies auch notfalls wieder zu tun. Die durch die verzweifelte Suche nach Liquidität innerhalb der Branche in die Höhe getriebene Kreditzinsen sanken wieder. Experten gehen davon aus, dass die Notenbank negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum fürchtet.

Wie kann die Zentralbank die Probleme lindern?

Nach dem allzu risikofreudige Geldhäuser von der Notenbank einen Schuss vor den Bug bekommen haben, sorgen die Währungshüter inzwischen wieder für einen stärkeren Kapitalfluss. So kündigten sie Unterstützung für jene Banken an, die die Realwirtschaft bedienen. Mit einer ganzen Reihe von Offenmarktgeschäften kann die Notenbank die Schleusen wieder öffnen. Schließlich kann sie die Vorgaben für die Mindesteinlagen senken, die Banken bei ihr hinterlegen müssen. Langfristig dürfte sie den Geldhäusern regulatorisch engere Ketten anlegen, um künftig zu riskante Geschäfte zu verhindern - und Strafaktionen wie zuletzt überflüssig zu machen.

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