Wer im Jänner Griechen-Anleihen kaufte verdiente 2012 rund 80%

Wer im Jänner Griechen-Anleihen kaufte verdiente 2012 rund 80%

Mutige Investoren, die im Januar 2012 griechische Ramsch-Anleihen gekauft haben, sind dafür kräftig belohnt worden. Sie verdienten im Verlaufe des Jahres 20 Mal so viel wie jene Investoren, die auf deutsche Staatsanleihen samt Top-Bonitätsnote setzten.

Griechische Staatsanleihen haben im zu Ende gehenden Jahr eine Rendite von rund 80 Prozent gebracht - verglichen mit 3,7 Prozent bei Bundesanleihen, wie Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch zeigen (Stand: 21.12.).

Es ist demnach das erste Jahr seit 2009, in dem Investoren mit Bonds aus Griechenland überhaupt Geld verdienen konnten. Und 2012 erzeugte das größte Plus seit 1998, als Merrill mit der Erhebung der Daten begann. Nicht enthalten in den Daten sind die Anleihen-Rückkäufe dieses Monats.

Europäische Staats- und Regierungschef hatten noch vor ein paar Monaten davor gewarnt, dass Griechenlands Verbleib in der Eurozone bei den damals laufenden Wahlen auf dem Spiel steht. Denn jene Parteien des Landes, die sich gegen das ausgehandelte Rettungspaket stellten, konnten immer mehr Wähler auf ihre Seite ziehen. Die aus den Wahlen hervorgegangene Koalitions-Regierung versprach, die von Griechenland eingegangenen Verpflichtungen als Gegenleistung für Hilfe einzuhalten. Das wiederum senkte das Risiko dafür, dass das angeschlagene Land aus dem gemeinsamen Währungsraum austritt. Die Regierung senkte die Gehälter und Renten, und sie hob die Steuern an. Die Wirtschaft des Landes befindet sich auf einem Schrumpfkurs.

“Ein Großteil der Rally basierte auf Fundamentaldaten, nur eben keine konjunkturellen Fundamentaldaten”, sagt Volkswirt Gabriel Sterne vom Exotix Ltd., einem Broker in London. “Die Fundamentaldaten waren viel mehr die Anreize für Europa, Griechenland aus der Eurozone herauszuwerfen - die von vielen Leuten deutlich überschätzt worden waren.”

Standard & Poor’s (S&P) hatte die Griechenland-Bonitätsnote kurz vor Weihnachten sogar wieder angehoben, nachdem das Anleihe-Rückkaufprogramm des Landes erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die Ratingagentur verwies dabei auf den “starken” Willen der Regierungen der Eurozone, Griechenland in der gemeinsamen Währungsunion zu halten.

S&P erhöhte das Rating von “Selective Default” auf “B- ”, wobei der Ausblick mit “stabil” festgelegt wurde - was weitere Ab- oder Heraufstufungen für die nächste Zeit wahrscheinlicher macht. Die neue S&P-Note gehört zwar immer noch in die “Ramsch”-Klasse, ist allerdings das höchste Rating, welches das Land seit Juni 2011 bei S&P hatte.

Die griechische Wirtschaft befindet sich bereits seit fünf Jahren in der Rezession. In diesem Jahr wird sie wahrscheinlich um 6 Prozent und in 2013 um 4,2 Prozent schrumpfen, wie aus einer Prognose der Europäischen Kommission hervorgeht. Rund 25 Prozent der Griechen haben keinen Job, und unter Jugendlichen liegt die Arbeitslosenquote bei 56 Prozent - das ist der höchste Wert in der Europäischen Union.

“Was gerade in Griechenland passiert, ist keine Rezession, es ist eine große Depression”, sagt Tassos Anastasatos, ein führender Volkswirt bei Eurobank Ergasias SA in Athen. Das Land müsse etwas unternehmen, um den Export anzuregen. Ein Mangel an Stabilität bei den Steuerregelungen hemme zugleich ausländische Investitionen, fügt er hinzu.

Trotz dieses Umfeldes: Nicht nur die Anleihen beenden das Jahr positiv, sondern auch der Aktienmarkt von Griechenland. Der Athens Stock Exchange Index kommt für 2012 auf seinen ersten Jahresgewinn seit 2009 - bis Ende vergangener Woche war er schon um fast 30 Prozent vorangekommen.

Jedoch kündigte das nach Marktwert größte Unternehmen des Landes, Coca Cola Hellenic Bottling Co. SA an, dem Handelsplatz den Rücken kehren zu wollen. Stattdessen sollen die Aktien künftig in London gelistet werden. Als Grund nannte die Firma das instabile Steuer-Umfeld.

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