Wer wird neuer Fed-Chef?

Wer wird neuer Fed-Chef?

Als Top-Favoriten auf das mächtige Amt gelten Bernankes Stellvertreterin Janet Yellen und Ex-Finanzminister Larry Summers. Wählt Obama seinen alten Vertrauten Summers, droht Widerstand im Senat: Der frühere Harvard-Präsident gilt zwar als brillanter Ökonom, aber auch als Wegbereiter der großen Immobilienkrise.

Zudem werden ihm chauvinistische Züge nachgesagt, da er Frauen eine Ader für Naturwissenschaften abspricht. Mit der Nominierung Yellens könnte Obama ein anderes Signal setzen und Geschichte schreiben: Noch nie in der fast hundertjährigen Geschichte der Notenbank stand eine Frau an der Spitze der Fed.

"Ich denke Yellen ist gesetzt", sagt Amerika-Chefvolkswirt Evariste Lefeuvre von der Investmentbank Natixis. So wie er denken viele Ökonomen, bei denen sich Reuters nach den Chancen der potenziellen Nachfolger Bernankes erkundigt hat. Rund zwei Drittel der Befragten setzen auf die Arbeitsmarktexpertin. Diese Kompetenz bedeutet ein echtes Pfund in der jetzigen Lage, in der die mit einem Mandat zur Förderung der Vollbeschäftigung beauftragte Notenbank allmählich Fortschritte erzielt.

Anders als stärker an Preiswertstabilität orientierte Geldpolitiker - sogenannte Falken - gehört die Ökonomin zum Lager der Tauben, das eher auf Konjunkturanreize setzt. Die wichtige Notenbank-Konferenz in Jackson Hole Ende des Monats, auf der Bernanke mit Abwesenheit glänzt, bietet ihr eine Bühne, sich in Szene zu setzen. Doch die scheue Notenbankerin drängt es nicht ins Scheinwerferlicht: Sie begnügt sich mit einer Moderationsrolle.

Mit der Nominierung Yellens würde Obama ein Zeichen geben, dass die Notenbank noch stärker als bisher auf eine Politik des billigen Geldes setzt. Kritiker geben aber zu bedenken, dass dies an den Märkten Befürchtungen auslösen könnte, dass die Fed mit ihrer Geldschwemme höherer Inflation Vorschub leistet.

Summers gilt vielen als rotes Tuch

Summers ließ in der Diskussion über die Dosierung der Fed-Konjunkturspritzen Anfang des Jahres durchblicken, dass er diese nicht als Allheilmittel für die Wirtschaft sieht: "Sie stärken die Güterwirtschaft nicht so kräftig, wie viele denken." Summers, dem ein autoritärer Arbeitsstil nachgesagt wird, gilt vielen als rotes Tuch. In einem Brief an Obama legte eine Gruppe von Demokraten im US-Senat dem Präsidenten die Kandidatin Yellen ans Herz. Obama reagierte verschnupft auf den Vorstoß seiner Parteifreunde und ließ aus dem Urlaub wissen, er brauche "Freiraum" bei der Nominierung des Bernanke-Nachfolgers.

Gegner sehen Summers als Wegbereiter der Finanzkrise, die 2007 mit dem Platzen der Immobilienblase über die Weltmacht hereinbrach. Als Finanzminister unter Präsident Bill Clinton hatte er in den 1990er Jahren daran mitgewirkt, dass der Derivatemarkt unreguliert blieb. Ausgerechnet undurchsichtige Produkte aus diesem Bereich erwiesen sich als Brandbeschleuniger der Krise. Zudem kreiden Kritiker Summers an, dass er das Trennbankensystem beseitigte und Geldhäusern mit Privatkundeneinlagen den Weg zu riskanten Geschäften ebnete.

Obama schätzt Summers wegen seiner Rolle beim Eindämmen der Krise, für die er als Chef-Wirtschaftsberater des Präsidenten von der Fachwelt gute Noten erhielt. Er ist ein Insider des Politikbetriebs: "Im Gegensatz zu Yellen kennt er sich im Regierungsbezirk Washington bestens aus", so Fed-Beobachter Johnny Bo Jakobsen.

Frauenquote wohl kein Thema

Dennoch dürfte dem kantigen Ökonom Widerstand im Senat entgegenschlagen, sollte er nominiert werden. Denn die US-Parlamentskammer muss den Vorschlag des Präsidenten bestätigen. Mit der Berufung Yellens könnte Obama auf Nummer sicher gehen: Ihre Nominierung zur Vizechefin der Fed ging reibungslos über die Bühne.

Obama hat angesichts der heiklen Personalentscheidung um Bedenkzeit gebeten und will erst im Herbst das Geheimnis lüften, wen er auf den Fed-Chefposten hievt. Dass ihn dabei nicht unbedingt die Frauenquote in Führungspositionen umtreibt, macht ein verbaler Lapsus deutlich: Als der Präsident jüngst die Top-Kandidaten als "großartig" würdigte, verhaspelte er sich bei Yellen und nannte sie "Mister", bevor er ein "Miss" folgen ließ. Auch wenn es sich nur um einen verbalen Ausrutscher handelt, macht er eines deutlich: Yellen ist keine Vertraute Obamas.

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