Was EZB-Chef Mario Draghi zu sagen hat ...

Was EZB-Chef Mario Draghi zu sagen hat ...

Die Europäische Zentralbank (EZB) kappt ihren Leitzins überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt mit. Am Finanzmarkt hatten zuletzt nur einige Investoren auf diesen Schritt spekuliert. Die EZB reagiert damit offenbar auf den jüngsten Rückgang der Teuerung in den 17 Euro-Ländern.

Die Inflationsrate war im Oktober auf 0,7 Prozent gefallen und lag damit deutlich unter der EZB-Zielmarke. Sie spricht von stabilen Preisen bei knapp unter zwei Prozent.

Den sogenannten Einlagesatz, zu dem Banken ihr Geld bei der EZB parken können, beließen die Währungshüter bei null Prozent. Der Satz, zu dem sich die Institute kurzfristig Geld bei der Zentralbank leihen, kappten die Notenbanker um ein Viertelpunkt auf 0,75 Prozent.

"Das ist eine Überraschung. Das war nicht unbedingt aus Kommentaren der EZB-Mitglieder herauszulesen", sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe zu Reuters. "Ich bin jetzt sehr gespannt auf die Begründung von Draghi." Am Finanzmarkt schmierte der Euro binnen Sekunden kräftig ab und fiel auf Kurse von deutlich unter 1,34 Dollar. Am Aktienmarkt ging es dagegen steil bergauf: Der Dax in Frankfurt zog auf das Rekordhoch von 9136 Punkten an. Der niedrigere Zins sorgt für billigere Liquidität im Finanzsystem der Euro-Zone, dass von den Investoren unter anderem an den Aktienbörsen untergebracht werden dürfte.

Nach dem Zinsschritt bleibt nun abzuwarten, ob Draghi zusätzliche Maßnahmen der Notenbank für Dezember in Aussicht stellt. Dann liegen der Zentralbank neue Prognosen für Inflation, Wachstum und Beschäftigung vor. Vor zwei Jahren hatte sie insgesamt eine Billion Euro ins Finanzsystem gepumpt. In den vergangenen Wochen war wiederholt darauf spekuliert werden, die EZB könne abermals zu diesem Instrument greifen. Konservativere Notenbanker - unter anderem aus Deutschland - haben wegen der denkbaren Nebenwirkungen jedoch Bauchschmerzen.

"Sehen keine Deflation auf uns zukommen"

Trotz der zuletzt niedrigen Inflation droht der Euro-Zone laut EZB-Chef Mario Draghi kein Preisverfall auf breiter Front. "Wir sehen insgesamt keine Deflation auf uns zukommen", sagte Draghi am Donnerstag nach der überraschenden Leitzinssenkung auf 0,25 Prozent. Es sei allerdings eine "längere Phase" niedriger Inflation zu erwarten. Danach werde sich diese schrittweise dem angestrebten Niveau annähern, fügte der Italiener hinzu. Details zu der erwarteten Preisentwicklung werde die EZB in den Konjunkturprognosen im Dezember vorlegen. Draghi räumte ein, dass der starke Rückgang der Inflation überraschend gewesen sei.

Dauerhaft fallende Preise gelten als Gift für die Konjunktur. Abschreckendes Beispiel ist Japan, das vor anderthalb Jahrzehnten in eine Deflation gerutscht ist. Dieser Teufelskreis aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen hemmt das Land bis heute. Die EU-Kommission geht wie Draghi nicht davon aus, dass der Euro-Zone ein ähnliches Schicksal droht: Die Brüsseler Behörde erwartet für die beiden nächsten Jahre eine Inflationsrate von rund anderthalb Prozent und zugleich eine anziehende Investitionstätigkeit.

Ein Viertel der EZB-Ratsmitglieder gegen Zinssenkung

Die überraschende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 0,25 Prozent war nach Informationen einer mit den Beratungen vertrauten Person sehr stark umstritten. "Gut ein Viertel der 23 EZB-Ratsmitglieder hat sich gegen den Zinsschritt in diesem Monat ausgesprochen", sagte der Insider, der nicht namentlich genannt werden wollte, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann habe die Opposition gegen den Kurs von EZB-Chef Mario Draghi angeführt, die Mehrheit habe dann aber für einen frühen Zinsschritt votiert. Einige aus der Gruppe um Weidmann hätten sich eine Zinssenkung im Dezember vorstellen können, wenn die bis dann vorliegenden Teuerungsdaten auf Deflationsgefahren hingewiesen hätten.

Bankenverband hält EZB-Zinssenkung für gefährlich

Die Zinssenkung der EZB hat nach Einschätzung des deutschen Privatbanken-Verbandes allenfalls geringe Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Euro-Zone. Auch mit einer nennenswerten Belebung der Kreditvergabe in den Euro-Krisenländern sei nicht zu rechnen, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, am Donnerstag. "Mittel- bis längerfristig nehmen allerdings die Risiken der Niedrigzinspolitik weiter zu - insbesondere die Gefahr von falschen Risikoeinschätzungen, verzerrten Investitionsentscheidungen und Vermögenspreisblasen."

Zitate von Draghi bei der Pressekonferenz

Im Folgenden einige Zitate aus der Pressekonferenz von EZB-Präsident Mario Draghi nach der Sitzung der EZB vom Donnerstag:

@Euro-Kurs:

"Wie ich es viele Male gesagt habe, ist der Wechselkurs kein Ziel für die Geldpolitik der EZB. Er ist wichtig für Preisstabilität und Wachstum, aber hat sicherlich bei der heutigen Diskussion keine Rolle gespielt."

@Mögliche Senkung des Einlagezinses:

"Wir sind technisch darauf vorbereitet, und es ist Teil unseres Arsenals."

@Zinsniveau noch nicht auf Tiefpunkt:

"Wir haben die untere Grenze noch nicht erreicht. Wir haben eine ganze Reihe von Instrumenten, die wir aktivieren können, bevor wir die untere Grenze erreichen. Im Grundsatz könnten wir sogar den Leitzins weiter senken, und deswegen sind wir noch nicht dort angekommen."

@Deflation:

"Wenn wir mit Deflation einen sich selbst erfüllenden Verfall der Preise einer Vielzahl von Gütern und in einer großen Zahl von Ländern meinen, dann sehen wir das nicht kommen."

@Entwicklungen an den Geldmärkten:

"Wir beobachten die Bedingungen am Geldmarkt und ihre möglichen Auswirkungen auf unsere geldpolitische Haltung weiterhin genau. Wir sind bereit, alle zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen. In diesem Kontext haben wir heute beschlossen, unsere Haupt-Refinanzierungsoperationen so lange wie nötig, aber mindestens bis zum 7. Juli 2015 zu einem festen Zinssatz abzuhalten und an der Vollzuteilung festzuhalten."

@Zinsausblick:

"Nach der heutigen Zinssenkung hat der EZB-Rat den Zinsausblick vom Juli überprüft und bestätigt. Er geht davon aus, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen oder einem niedrigen Niveau bleiben werden."

@Inflation:

"Eine derartige Konstellation deutet darauf hin, dass wir vor einer längeren Periode mit geringer Inflation stehen, auf die ein sukzessiver Anstieg der Teuerung bis auf knapp zwei Prozent folgt."

@Zinssenkung:

"Diese Entscheidungen stehen im Einklang mit unserem Zinsausblick vom Juli 2013, wenn man sich die jüngsten Anzeichen für einen rückläufigen Preisdruck in der Euro-Zone ansieht, angesichts einer Teuerungsrate von weniger als einem Prozent."

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

Anleihen

Die Deutsche Börse beteiligt sich an einem Dating-Portal für Anleihenhändler

Die Diskontairline Ryanair will eine Anleihe zur Finanzierung neuer Flugzeuge ausgeben.
#Ryanair
 

Anleihen

Ryanair nimmt Kurs auf die Börse: Anleihe zur Finanzierung neuer Jets

Deutschlands zweitgrößte Airline hat eine Anleihe aufgestockt, um die Schrumpfkur bezahlen zu können
#Air Berlin
 

Anleihen

Air Berlin holt sich 75 Millionen