Was EZB-Chef Mario Draghi zu sagen hat...

Was EZB-Chef Mario Draghi zu sagen hat...

Notenbank-Chef Mario Draghi ließ am Donnerstag in Frankfurt nach einer Sitzung des EZB-Rats wenig Bereitschaft für eine baldige Leitzins-Senkung erkennen, obwohl die Währungshüter nach seinen Worten bereits über diese Möglichkeit diskutiert haben.

"Unsere Geldpolitik bleibt so lange wie nötig konjunkturstimulierend, vor allem, weil wir den Banken jederzeit so viel Geld zur Verfügung stellen, wie sie benötigen."

Vor der traditionellen monatlichen Pressekonferenz mit Draghi hatte der EZB-Rat den Schlüsselzins für die Banken in der Euro-Zone - wie von den allermeisten Ökonomen erwartet - den achten Monat in Folge bei 0,75 Prozent belassen. Das ausbleibende Signal für mindestens eine weitere Zinssenkung in den nächsten Monaten, auf das einige Investoren gesetzt hatten, sorgte am Devisenmarkt zunächst für eine deutliche Aufwertung des Euro über die Marke von 1,31 Dollar. Diese wurde aber von der Erkenntnis gebremst, dass es im EZB-Rat offenbar einige Befürworter einer noch laxeren Geldpolitik gegeben hatte.

Keine Ansteckung durch Italien

Draghi sagte, von Italien gingen trotz der überaus schwierigen Regierungsbildung keine zusätzlichen Belastungen für die Euro-Zone aus. "Die Märkte sind nach einiger Aufregung unmittelbar nach der Wahl wieder ungefähr da, wo sie vor der Wahl waren. Die Märkte verstehen, dass wir in Demokratien leben", sagte er. "Die Ansteckung anderer Länder ist diesmal unterblieben, anders als es vielleicht vor eineinhalb Jahren gewesen wäre." Ein gutes Zeichen für das zuletzt wieder gestiegene Vertrauen an den Finanzmärkten sei auch, dass immer mehr Banken Teile der langfristigen Hilfskredite vorzeitig tilgten.

Für die Wirtschaft der Euro-Zone erwartet Draghi zwar noch ein hartes Jahr und in Summe sogar eine etwas schlimmere Rezession als ursprünglich erwartet. Allerdings dürfte seiner Einschätzung nach der Wind bald drehen. "Der Pfad der wirtschaftlichen Erholung bleibt unverändert und auch die Inflationserwartungen stimmen mit unseren mittelfristigen Zielen überein", begründete er, warum sich die Notenbanker letztlich gegen eine Zinssenkung entschieden. 2014 rechnen die Ökonomen der EZB wieder mit Wirtschaftswachstum in der Währungsunion - allerdings nur mit einem mageren Plus von einem Prozent.

Zinsspekulationen dürften bleiben

Analysten und Ökonomen werteten die Aussagen Draghis als Enttäuschung für diejenigen Anleger, die auf eine Zinssenkung oder wenigstens ein entsprechendes Signal spekuliert hatten: "Die Hoffnungen der Anleger ruhen derzeit auf den Notenbanken und offenbar haben sich einige einfach mehr versprochen", sagte Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Rainer Sartoris von der Privatbank HSBC Trinkaus in Düsseldorf glaubt, dass die Hoffnung auf noch niedrigere Zinsen bleiben wird: "Die Zinssenkungsfantasie dürfte noch lange nicht aus dem Markt verschwinden, denn immerhin ist die Möglichkeit von den Notenbankern ja diskutiert worden."

Auch außerhalb der Euro-Zone setzen Investoren weiter auf die Feuerkraft der Zentralbanken. Vor der Zinsentscheidung der EZB hatten die Pendants in Japan und Großbritannien zwar ihren geldpolitischen Kurs jeweils bestätigt. Experten erwarten jedoch, dass in Japan nach dem in wenigen Tagen anstehenden Wechsel an der Spitze die Notenpresse bald noch deutlich schneller rotieren wird. Regierung und künftige Notenbankführung wollen mit massiven Anleihe-Käufen die seit mehr als einem Jahrzehnt andauernde Wirtschaftsmisere endlich beenden. Auch in Großbritannien zeichnet sich ab, dass die Bank von England in den kommenden Monaten der lahmenden Konjunktur einen neuen Stimulus verpassen könnte.

Im Folgenden die wichtigsten Zitate aus der Pressekonferenz:

Zinssenkung

"Wir haben über die Möglichkeit gesprochen. Es gab eine Diskussion. Der vorherrschende Konsens war, die Zinssätze unverändert zu lassen.

"Der Pfad der wirtschaftlichen Erholung bleibt unverändert und die Inflationserwartungen stimmen mit unseren mittelfristigen Zielen überein."

Inflation

"Die Inflationserwartungen in der Euro-Zone bleiben fest verankert. Sie stimmen überein mit unserem mittelfristigen Ziel einer Inflationsrate von unter zwei, aber nahe zwei Prozent. Alles in allem erlaubt uns das, weiter einen akkomodablen geldpolitischen Ansatz zu verfolgen."

Preisrisiken

"Die Risiken für unseren Preis-Ausblick bleiben mittelfristig ausgeglichen. Der Preisdruck sollte begrenzt bleiben angesichts der schwachen Wirtschaftsentwicklung in der Euro-Zone."

OMT

"Die Regeln des OMT sind, wie sie sind. Der Ball liegt alleine im Feld der Regierungen, ich habe das immer wieder gesagt. Es bleibt beim OMT, es ist in Kraft. Es ist eine sehr effektive Fangleine, und sie existiert. Aber sie kennen die Regeln."

Italien

"Die Märkte sind nach einiger Aufregung unmittelbar nach der Wahl wieder ungefähr da, wo sie vor der Wahl waren. Die Märkte verstehen, dass wir in Demokratien leben. (...) Die Ansteckung anderer Länder ist diesmal unterblieben, anders als es vielleicht vor eineinhalb Jahren gewesen wäre. Das ist ein positives Zeichen."

LTRO-Rückzahlungen

"Die Rückzahlungen spiegeln das in den vergangenen Monaten gestiegene Vertrauen am Finanzmarkt wider."

Konjunkturerholung

"Die notwendigen Bilanz-Anpassungen im öffentlichen und privaten Sektor werden weiter auf der ökonomischen Aktivität lasten. Zum Ende dieses Jahres sollte sich die Wirtschaft schrittweise erholen, unterstützt von einer wachsenden globalen Nachfrage und unserer Geldpolitik."

"Der EZB-Rat sieht weiterhin Abwärtsrisiken für den wirtschaftlichen Ausblick der Euro-Zone. Unser geldpolitischer Ansatz bleibt akkomodabel im Sinne einer vollständigen Liquiditätsversorgung. Wir verfolgen die Konditionen am Geldmarkt und ihren möglichen Einfluss auf unseren geldpolitischen Ansatz und die Funktionsfähigkeit, unsere Geldpolitik in die Wirtschaft zu tragen, sehr genau."

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