Was Barack Obama mit dem US-Anleihenmarkt zu tun hat...

Was Barack Obama mit dem US-Anleihenmarkt zu tun hat...

Zumindest wenn sie dem Muster der letzten 48 Jahre folgen. Denn die Vorstellung, dass die Demokraten ausgabenfreudig und schlecht für Anleihen sind, während die Republikaner als “Defizitfalken” gelten, wird am 10,8 Billionen Dollar schweren Markt für US-Treasuries auf den Kopf gestellt.

Seit der Demokrat Lyndon B. Johnson den Republikaner Barry Goldwater bei den Präsidentschaftswahlen 1964 geschlagen hat, ist die Rendite der zehnjährigen Anleihen in dem Monat nach einem Wahlsieg der Demokraten um rund 40 Basispunkte gesunken, während sie nach dem Wahlsieg der Republikaner im Schnitt um 19 Basispunkte zulegte. Das geht aus Daten von Bloomberg hervor. Wird dies übertragen auf die im Haushaltsjahr 2012 ausgegebenen US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit im Volumen von 264 Mrd. Dollar, dann macht das bis zur Fälligkeit der Anleihen einen Unterschied von 15,6 Mrd. Dollar an Zinsbelastungen aus.

“Es ist die natürliche Erwartung, dass die Demokraten weniger unternehmensfreundlich sind und weniger positiv für Aktien", erklärte Zinsstratege Brett Rose von Citigroup in New York am 9. Oktober in einem Telefoninterview. Er hat Wahlen und die Folgen ihres Ausgangs auf Anleihen untersucht hat. Das “steht im Einklang mit niedrigeren Renditen. Republikaner sind unternehmensfreundlich, was zu höheren Aktienkursen und höheren Treasury-Renditen führt.”

Nach der Wahl von Obama vor vier Jahren, inmitten der schlimmsten Finanzkrise seit der Depression der 1930er Jahre, fiel die Rendite zehnjähriger Stataspapiere innerhalb des ersten Monats um 128 Basispunkte - der stärkste Rückgang. Nach dem Wahlsieg des Republikaners Ronald Reagan im Jahr 1980 waren sie um 64 Basispunkte gestiegen - ihr stärkster Anstieg. Seit 1964 betrug die Rendite unter den Regierungen der Demokraten im Schnitt 5,74 Prozent und unter Führung durch die Republikaner 7,46 Prozent.

Einer Gallup-Umfrage unter registrierten US-Wählern zufolge wird es dieses Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben. Von den am 12. Oktober 3050 befragten Wählern würden 48 Prozent für Obama stimmen und 46 Prozent für Romney.

Es gibt noch andere Einflussfaktoren

Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass die Parteizugehörigkeit des US-Präsidenten nicht allein für die Entwicklung an den Anleihemärkten verantwortlich war. Kriege, Haushaltsdefizite, wirtschaftliche Spannungen und die Geldpolitik der Notenbank haben die Anleihen seit 1964 maßgeblich beeinflusst.

Als der Demokrat Johnson das Amt des Präsidenten nach der Ermordung von John F. Kennedy im November 1963 übernahm, sorgten vor allem die Staatsausgaben im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg dafür, dass das Haushaltsdefizit von anfangs noch 4,8 Mrd. Dollar auf 25,2 Mrd. Dollar in die Höhe schoss. Die Renditen stiegen bis Januar 1969 auf sechs Prozent, von vier Prozent am Anfang seiner Amtsperiode.

Mit steigenden Inflationsraten hatten die Regierungen der Republikaner Richard M. Nixon und Gerald R. Ford zu kämpfen. Im Jahr 1974 erreichte die Jahresteuerung 12,3 Prozent, auch wegen der Ölkrise. Damals stand Arthur Burns an der Spitze der US- Notenbank, der auf den steigenden Preisdruck nur zögerlich reagierte.

Als der Demokrat Jimmy Carter von 1977 bis 1981 an der Macht war, erhöhte der damalige US-Notenbankchef Paul Volcker den Leitzins um insgesamt sechs Prozentpunkte auf 20 Prozent im Jahr 1980. Damit sollte die Inflation eingedämmt werden, die mittlerweile 14,8 Prozent betrug.

Während der folgenden Amtszeit von Reagan stand Volcker noch immer an der Spitze der Fed. Die Rendite zehnjähriger Treasuries fiel von ihrem Hoch bei 15,8 Prozent im Jahr 1981 auf neun Prozent im Jahr 1989.

Bill Clinton als "Wirtschafts-Musterpräsident"

Eine reibungslosere Präsidentschaft hatte der Demokrat Bill Clinton. Hintergrund war der Wirtschaftsaufschwung, der auch durch die entstehende Blase bei den Technologiewerten begünstigt wurde. Die Rendite zehnjähriger Treasuries war auf etwa fünf Prozent gesunken, als Clinton im Jahr 2001 das Amt verließ. Der Haushaltsüberschuss belief sich zwischen 1998 und 2001 im Schnitt auf 139,7 Mrd. Dollar im Jahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 hatten die USA einen Fehbetrag von 1,09 Billionen Dollar angehäuft.

Unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush, der von 2001 bis 2009 im Amt war, fielen die Renditen von 5,3 Prozent auf das damalige Rekordtief von 2,04 Prozent im Dezember 2008 - kurz nachdem der Zusammenbruch von Lehman Brothers Holdings Inc. die Rezession im Lande vertiefte.

In den letzten Jahren wurden die Kurse der US- Staatsanleihen besonders stark von der Geldpolitik beeinflusst. Seit dem Jahr 2007 hat die Federal Reserve ihren Leitzins schrittweise nahe null gesenkt und Bonds im Wert von 2,3 Billionen Dollar aufgekauft, um die Wirtschaft anzukurbeln. Am 13. September hat die Fed zudem angekündigt, monatlich hypothekenbesicherte Anleihen im Umfang von 40 Mrd. Dollar zu kaufen. Die Rendite zehnjähriger Treasuries fiel von etwa fünf Prozent im Jahr 2007 auf 1,66 Prozent in der vergangenen Woche und lag am Mittwoch bei 1,80 Prozent.

In diesem Umfeld ist es fraglich, ob die Anleihekurse auf die Präsidentenwahl so reagieren werden wie bisher. “Die Geschichte ist in dieser Situation keine gute Richtschnur, weil wir uns in einer Phase befinden, in der die Geldpolitik auf unkonventionellen Maßnahmen beruht”, sagte Finanzprofessor Darrell Duffie von der Stanford University in Stanford, Kalifornien. “Wir sollten keine traditionell historische Reaktion erwarten.”

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