Warum sich der spanische Wunschtraum nicht erfüllt...

Spanien kann bei realistischer Betrachtung nicht darauf hoffen, dass sich der Renditeaufschlag spanischer Staatspapiere gegenüber deutschen Bundesanleihen auf 200 Basispunkte verringert.

Warum sich der spanische Wunschtraum nicht erfüllt...

Diese Auffassung vertritt das ehemalige Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank, Nout Wellink, der im Übrigen Probleme bei der Durchführung des Anleihekaufprogramms der Notenbank erwartet.

Wenn der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy sich vorstelle, “dass die Differenz zu den Deutschen höchstens 200 Basispunkte beträgt, dann macht er einen Fehler”, sagte der ehemalige niederländische Zentralbankchef Wellink am vergangenen Freitag gegenüber Bloomberg TV. 200 Basispunkte erschienen ihm zu hoffnungsvoll, sagte er.

Spanien zögert immer noch, ein Hilfegesuch zu stellen. Ohne ein solches Gesuch kann die EZB ihr sogenanntes OMT-Programm zum Ankauf der Staatsanleihen von Mitgliedsländern nicht aktivieren. Rajoy hatte am 6. November erklärt, Spanien müsse wissen, wie stark seine Kreditkosten fallen würden wenn es einen Rettungsantrag stellen würde. Er deutete bei dieser Gelegenheit an, dass er einen Rückgang um die Hälfte des derzeitigen Spreads auf 200 Basispunkte bevorzugen würde.

“Soweit ich es verstehe, will die EZB das Auseinanderbrechen des Systems verhindern, und es gibt auch noch andere Risiken”, sagte Wellink. “Diese Risiken zeigen sich in den unterschiedlichen Zinssätzen.”

Nach Wellinks Einschätzung hat das OMT-Programm “sehr zur Beruhigung der Märkte beigetragen”, allerdings hoffe er, dass es nicht aktiviert werden muss. Wende man dieses Instrument in der Praxis an, dann sei mit Problemen bei der Durchführung zu rechnen.

Harte Haltung

EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, dass die Notenbank die Anleihekäufe unverzüglich einstellen würde, sobald ein Land sich nicht an eingegangene Verpflichtungen halte. Nach Draghis Darstellung sollen auch keine Anleihen gekauft werden solange die Troika aus Europäischer Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds die Fortschritte des betreffenden Landes nicht abschließend bewertet haben.

“Es sagt sich leicht, dass man die Intervention in dem Augenblick einstellt, in dem die Troika in der Hauptstadt landet, aber es ist schwieriger, vorherzusagen, ob man dieses Versprechen einhalten kann, denn man weiß nicht, was während dieser Zeit geschieht”, sagte Wellink, der über zehn Jahre lang Mitglied des EZB-Rats war.