Warum die Notenbanken mehr Schaden als Nutzen bringen...

Warum die Notenbanken mehr Schaden als Nutzen bringen...

Angesichts der zumeist nur schleppenden Erholung und desinflationärer Tendenzen, gekoppelt mit hohen Arbeitslosenquoten, müssen die Notenbanker ihre Politik des Billiggeldes fortsetzen oder sogar intensivieren - und das Risiko eingehen, dass ihre Maßnahmen mehr Schaden als Nutzen bringen: Deflationäre Tendenzen gepaart mit Preisblasen.

Fallende Preise für alles Mögliche von Benzin bis Kaffee sind eigentlich eine gute Nachricht für die Verbraucher. Aber eine Desinflation erschwert Kreditnehmern die Rückzahlung ihrer Schulden sowie Gewinnsteigerungen bei Unternehmen.

Größer wird die Gefahr, wenn die Desinflation zu einer Deflation wird. Denn dann verzögern Haushalte neue Anschaffungen in Erwartung weiter fallender Preise. Und Unternehmen schieben Investitionen und Neueinstellungen hinaus, weil die Nachfrage nach ihren Produkten austrocknet.

“Es gibt definitiv einen Hauch von Desinflation, der sich weltweit festigt”, sagte Robert Sinche, globaler Stratege von Pierpont Securities Holdings LLC in Stamford, Connecticut, im Interview mit Bloomberg Radio am 5. November.

Federal Reserve Chairman Ben S. Bernanke und seine Kollegen bei den anderen Zentralbanken versuchen, die deflationären Gefahren zu bannen, indem sie ihre Volkswirtschaften durch niedrige Leitzinsen und geldpolitische Impulse stützen. Sie setzen darauf, dass die steigenden Aktien- und Hauspreise das Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima stärken und so zu mehr Wachstum und Inflation führen.

Zu viel Liquidität

Angesichts der zumeist nur schleppenden Erholung und desinflationärer Tendenzen, gekoppelt mit hohen Arbeitslosenquoten, müssen die Notenbanker ihre Politiken fortsetzen oder sogar intensivieren - und das Risiko eingehen, dass ihre Maßnahmen mehr Schaden als Nutzen bringen.

“Es gibt eine Menge Liquidität”, die nun zu einer “Asset-Inflation und letztendlich Preisblasen führt”, sagte Nouriel Roubini, Chairman von Roubini Global Economics LLC, im Interview mit Bloomberg Television am 7. November.

Der wirtschaftliche Erfolg der aggressiven Zentralbank-Maßnahmen hält sich in Grenzen. Der IWF verringerte im Oktober seine Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem und dem kommenden Jahr um jeweils 0,2 Prozentpunkte.

Gleichzeitig führt die extrem expansive Geldpolitik zu steigenden Vermögenswerten und treibt die Hauspreise von Kanada über Australien und Schweden bis nach China an - auf ein Niveau, das sich als nicht nachhaltig erweisen könnte. Einige Währungshüter aus den USA zeigten sich bereits angesichts der teureren Häuser, Agrarflächen und Anleihen besorgt.

Inflation – die niedrigste Rate seit dem Zweiten Weltkrieg

Die weltweite Inflationsrate wird in diesem Jahr 2,8 Prozent betragen - das wäre das niedrigste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg, erwartet Bruce Kasman, Chefökonom von JPMorgan Chase & Co. in New York. Trotz aller Zinssenkungen und Bondaufkäufe, verfehlen etwa zwei Drittel der 27 von Morgan Stanley beobachteten Notenbanken bei ihren Inflationszielen die avisierte Marke oder sehen Preissteigerungen am unteren Ende ihres Bandes.

“Wir haben in den letzten Monaten den Aufbau deflationärer Spannungen gesehen”, sagte Laurent Freixe, Executive Vice President des weltgrößten Nahrungsmittelherstellers Nestlé SA am 17. Oktober in einer Telefonkonferenz.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Anleger vergangene Woche mit einer Zinssenkung auf das Rekordtief von 0,25 Prozent überrascht, um nach den Worten von Präsident Mario Draghi die Gefahr einer “längeren” Phase niedriger Inflation zu bekämpfen. Die Jahresteuerung im Euroraum war auf ein Vierjahrestief bei 0,7 Prozent gefallen - deutlich unter der EZB-Preisstabilitätsnorm von unter, aber nahe an zwei Prozent.

In den USA liegt die Teuerung bereits seit Mai 2012 unter dem Fed-Ziel von zwei Prozent. Der PCE-Index für die persönlichen Konsumausgaben - das favorisierte Preismaß der US- Notenbank - stieg im September um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr - das ist der gleiche Stand wie im April, als das niedrigste Niveau seit Oktober 2009 erreicht wurde.

Vertreter der Fed haben wiederholt beteuert, ihren Leitzins nahe Null zu belassen, bis die US-Wirtschaft an Fahrt gewinnt und die Inflationsrate wieder anzieht - auch wenn in der US- Notenbank derzeit erwogen wird, die Anleihekäufe von monatlich 85 Mrd. Dollar schrittweise zurückzufahren.

Und auch in Japan bleiben die Geldschleusen wohl weiter offen. Nach Aussage des stellvertretenden Gouverneurs der Bank of Japan, Kikuo Iwata, wird die Notenbank weitere Assets aufkaufen, bis eine Inflationsrate von zwei Prozent erreicht wird. Die japanischen Verbraucherpreise hatten ohne Berücksichtigung von frischen Lebensmitteln im September 0,7 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen - nach einem Dutzend Jahren Deflation ein kleiner Erfolg massiver BoJ-Geldspritzen.

Schwellenländer steigen in den Billiggeld-Wettlauf ein

Außerdem hat eine Reihe von Schwellenländern seit September ihre Geldpolitik gelockert. Dazu zählen unter anderem Israel, Chile, Ungarn, Sri Lanka, Peru und Mexiko.

Diese Maßnahmen der Zentralbanken haben die Kurse an den Aktienmärkten befeuert, da Anleger höhere Erträge suchen als bei Staatsanleihen. Der japanische Nikkei 225 Stock Average ist in diesem Jahr um 40 Prozent in die Höhe geschnellt. Der MSCI World Index, der sowohl die Märkte von Schwellenländern als auch von Industriestaaten erfasst, legte um 19 Prozent zu.

Auch die Hauspreise ziehen an: Der S&P/Case-Shiller Index für Immobilienwerte in 20 US-Städten lag im August 12,8 Prozent über dem Vorjahr - das ist der stärkste Zuwachs seit Februar 2006. Die britischen Hauspreise legten im Oktober den neunten Monat in Folge zu und die deutschen Wohnwertsteigerungen haben sich seit 2010 auf durchschnittlich mehr als 25 Prozent belaufen.

“Wir haben wirklich wieder blasenartige Märkte gesehen”, sagte Laurence D. Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock Inc., am 29. Oktober bei einer Podiumsdiskussion in Chicago.

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