Warum Monti einen Hilfsantrag stellen sollte ...

Warum Monti einen Hilfsantrag stellen sollte ...

Italiens Ministerpräsident Mario Monti sollte aus dem gleichen Grund ein Rettungspaket beantragen, aus dem sein spanischer Kollege Mariano Rajoy dies ablehnt. Weil dem Land dadurch nämlich eine Zwangsjacke verpasst würde. Diese Einschätzung vertritt eine Reihe von Unternehmenslenkern und Investoren.

Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen ist um 128 Basispunkte gesunken, seit Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, am 2. August erstmals signalisierte, die Zentralbank werde möglicherweise Anleihen finanziell angeschlagener Staaten aufkaufen und dadurch Druck von Monti nahm.

“Die Haltung der EZB hat zu einer Erleichterungs-Rally geführt. Aber wenn man aus der guten Stimmung einen Nutzen ziehen will, muss man nach vorne schauen und mehr tun als das, was der Markt erwartet”, sagt Nicola Marinelli, Vermögensverwalter bei Glendevon King Asset Management in London. “Jetzt unter den Rettungsschirm zu schlüpfen, wäre für Italien eine geschickte Strategie. Denn es würde das politische Risiko nach den Wahlen verringern, wenn sie sich jetzt zu speziellen Zielen und Reformen verpflichten würden”, führt er aus. Montis Experten-Regierung steht im April vor Parlamentswahlen.

Risikofaktor Wahl

Meinungsumfragen signalisieren, dass Italien nach den Wahlen entweder ein Parlament ohne klare Mehrheitsverhältnisse bekommt, oder eine Regierung, die Montis Haushaltspolitik nicht unterstützt. Trotz der vierten Rezession seit 2001 liegt Italien auf Kurs, sein Haushaltsdefizit dieses Jahr in die für die Europäische Union geltenden Grenzen zu bringen und 2013 mit dem Abbau der zweitgrößten Staatsverschuldung innerhalb der EU zu beginnen.

Die Differenz zwischen den Renditen dreijähriger spanischer und italienischer Staatspapiere hat sich seit dem 7. September, einen Tag nachdem Draghi Einzelheiten seines Bondkaufprogramms bekannt gab, um 30 Basispunkte auf 84 Basispunkte ausgeweitet. Der größere Spread signalisiert, dass Investoren Italien für kreditwürdiger halten als Spanien. Noch zum Jahresanfang war die dreijährige italienische Rendite um 237 Basispunkte höher als die spanische.

Giorgio Squinzi, Leiter des italienischen Industrieverbands Confindustria, sprach sich am 13. September dafür aus, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, die nicht nur die derzeitige Regierung und das derzeitige Parlament binde, sondern auch diejenigen, die nach den Wahlen im Frühjahr nachfolgten.

Sowohl Monti als auch Rajoy, der vor zehn Monaten die Regierung in Spanien übernahm, haben bekräftigt, dass ihre Länder derzeit nicht vorhätten, um Hilfen zu ersuchen. Rajoy hat seinem Land die härtesten Haushaltskürzungen seit über 30 Jahren auferlegt und sah seither seine Popularität schwinden. Spanien hat indes ein Rettungspaket für seine Banken im Volumen von 100 Mrd. Euro beantragt. Die spanischen Finanzierungskosten an den Geld- und Kapitalmärkten liegen höher als diejenigen Italiens.

Politische Kosten teilen

Würden die beiden Länder gemeinsam Bondkäufe durch die EZB beantragen, könnte das dazu beitragen, die politischen Auswirkungen abzufedern. “Spanien ist auch gefährdet und eine koordinierte Intervention mit Italien zusammen würde zu einer Teilung der politischen Kosten der Initiative führen”, sagt Luigi Zingales, Professor für Finanzwissenschaften an der Booth School of Business der University of Chicago. Zudem würde dies eine Erleichterungs-Rally auslösen, weil die Investoren überzeugt werden, dass der “Anti-Spread-Mechanismus” funktioniere. Außerdem würde Monti auch der nachfolgenden Regierung einen Gefallen tun, führte er aus.

“Die Investoren fangen endlich an, zu erkennen, dass Italien sich in viel besserer Verfassung befindet als Spanien”, sagt Mario Spreafico, als Chief Investment Officer für die Kapitalanlagen bei Schroders Private Banking in Mailand verantwortlich. Der einzige Grund, weshalb Italien so hart von der Wirtschaftskrise getroffen wurde, sei, dass es von denjenigen, die gegen den Euro wetten, als Spekulationsobjekt benutzt worden sei, ergänzte er. “Selbst wenn Spanien ein Rettungspaket beantragen würde, erwarte ich nicht, dass Italien nachfolgt”, sagt er.

Vorschlag von Monti

Indes war es Monti, der den Vorschlag der Bondkäufe durch die EU auf den Tisch brachte. Die EU müsse handeln, um sicherzustellen, dass Länder, die ihre Finanzen sanierten, mit tragfähigen Finanzierungskosten belohnt würden, argumentierte er.

Die Auslösung von Bondkäufen wäre für Monti wohl der beste Weg, um zu verhindern, dass die Finanzierungskosten Italiens seine Bemühungen zum Ausgleich des Haushalts und zum Abbau der Staatsverschuldung gefährden. Angesichts einer restlichen Amtszeit von nur noch sechs Monaten, wäre ein Rettungspaket auch sein politisches Vermächtnis.

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