Warum Großbritannien gegen Deutschland keine Chance hat

Warum Großbritannien gegen Deutschland keine Chance hat

Kreditausfallversicherungen (Credit-Default Swaps, CDS) auf britische Staatsanleihen, so genannte Gilts, haben sich seit dem 1. November um 76 Prozent verteuert, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Das ist der stärkste Anstieg unter den 67 von Bloomberg erfassten Staaten.

Die Swaps kosten derzeit etwa 10,5 Basispunkte mehr als Versicherungen für deutsche Bundesanleihen. Im vergangenen Juni hatten die britischen CDS 34,5 Basispunkte weniger gekostet als die CDS auf Bunds. Steigende CDS-Preise signalisieren ein abnehmendes Vertrauen der Investoren.

Noch im vergangenen Jahr galten die britischen Bonds als die sichersten unter den großen Ländern der Region. Marktteilnehmer befürchteten, dass die Eurozone zerbrechen und Deutschlands Kosten für die Rettung angeschlagener Euro-Staaten explodieren würden. Diese Einstellung änderte sich, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) beispiellose Schritte unternahm, um die Währungsunion zu erhalten - so sollten beispielsweise Bonds hilfsbedürftiger Mitgliedsstaaten durch die Notenbank aufgekauft werden können. Einen Rückschlag für Großbritannien stellte zudem die Herabstufung der Bonität durch Moody’s Investors Service dar.

“Während sich die Welt bei Europa insgesamt mittlerweile etwas wohler fühlt, bewegt sich Großbritannien in die entgegengesetzte Richtung. Sein Status als sicherer Hafen ist gefährdet”, sagt Arif Husain, Direktor europäische Festverzinsliche bei AllianceBernstein in London, im Telefoninterview. “Die Herabstufung spiegelt alle anderen Faktoren wider, vor allem das geringe und langsame Wachstum.”

Die Herausforderungen für Großbritannien seien tief verwurzelt und schwierig zu bewältigen, warnte Schatzkanzler George Osborne am 25. Januar. Im vierten Quartal 2012 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent, wie das Statistikbüro in London am 27. Februar mitteilte. Sollte es im ersten Quartal 2013 erneut abwärts gehen, wäre dies die dritte Rezession auf der Insel seit Anfang 2008.

Moody’s entzog den Briten am 22. Februar die Spitzen- Bonitätsnote “Aaa” und verwies dabei auf die anhaltend schwache Wirtschaft und deren potenzielle Auswirkungen auf das Sparprogramm der Regierung. Standard & Poor’s und Fitch Ratings haben angekündigt, dass sie dem Land unter Umständen ebenfalls das Top-Rating wegnehmen werden.

Financial Repression in GB

Großbritannien hat lediglich die Hälfte der Wirtschaftsleistung zurückgewonnen, die während der Rezession der Jahre 2008 und 2009 verloren gegangen war. Hintergründe: Die Inflation steigt stärker als die Einkommen, die Regierung senkt die Ausgaben und die Nachfrage aus der angeschlagenen Eurozone - dem wichtigsten Abnahmemarkt für die Briten - sinkt.

Während sich die Volkswirtschaften Deutschlands, der USA und Kanadas auf den Stand vor der Rezession erholt haben, lag das Bruttoinlandsprodukt der Briten im vierten Quartal noch etwa drei Prozent darunter. Damit macht das Land seinen längsten Rückgang in Friedenszeiten seit 1920 durch, sagt das National Institute of Economic and Social Research.

Mittlerweile ist es teurer, britische Staatsanleihen zu versichern, als Bonds von Ländern wie Finnland, Dänemark, Deutschland und Österreich.

Weltweit gesehen zählen die CDS für Gilts allerdings immer noch zu den günstigsten überhaupt. Die Wahrscheinlichkeit für einen Ausfall wird bei weniger als fünf Prozent gesehen. Auch im Vergleich zu vielen europäischen Staaten kommen die Briten aufgrund ihrer eigenen Währung gut weg, sagt Padhraic Garvey, Strategie-Chef für Industrieländer-Bonds bei ING Groep NV in Amsterdam.

Trotz der steigenden CDS-Preise “wird das Ausfallrisiko Großbritanniens am Markt aber immer noch als gering angesehen”, bestätigt auch Ketish Pothalingam, Vermögensverwalter bei Pacific Investment Management Co. (Pimco), dem Verwalter des weltgrößten Anleihefonds. Pimco ist eine Tochtergesellschaft des deutschen Versicherers Allianz. Das Land profitiere von “seiner eigenen Währung und Notenbank”, erläutert er.

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