Warum sich Goldman Sachs und Hugo Chavez so gut verstehen...

Die Renditen in Venezuela sind etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt bei Schwellenländer-Bonds. Die Papiere haben seither insgesamt 681 Prozent zugelegt, was einer Jahresrate von 14,7 Prozent entspricht.

Warum sich Goldman Sachs und Hugo Chavez so gut verstehen...

Investoren von OppenheimerFunds bis hin zu Goldman Sachs haben an dieser Wertsteigerung partizipiert. Sie zählen darauf, dass Chavez einen Teil der Öl-Einnahmen abzwackt und damit regelmäßig seinen Zahlungen nachkommt. Während seiner Amtszeit haben sich so viele Investoren aus dem Land zurückgezogen, dass die Kreditkosten im Schnitt über zwölf Prozent gelegen haben und damit vier Prozentpunkte höher als in der Gruppe der Entwicklungsländer - er hat allerdings noch nie eine Bond-Zahlung verpasst.

“Das ist ein wirklich ausgezeichnetes einkommensstarkes Investment mit hohem Gesamtertrag für ein Portfolio”, sagt Sara Zervos, Managerin für Schwellenländeranleihen bei OppenheimerFunds in New York. Die Firma verwaltet 176 Mrd. Dollar (130 Mrd. Euro) und investiert seit mehr als zehn Jahren in venezolanische Bonds. “Chavez hat für sein Land nicht viel Gutes getan, aber er verfolgt das Ziel, die Bonds zu bedienen. Wir haben die gleichen Interessen.”

Chavez-Krankheits-Rally

Die Verschlechterung des Gesundheitszustands des 58- Jährigen hat mit dazu beigetragen, dass die Bonds in den vergangenen zwölf Monaten um 41 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Hoch hochgeschnellt sind. Am Markt wird darauf spekuliert, dass eine Nachfolgeregierung einige seiner politischen Initiativen rückgängig machen wird, durch die die Ölproduktion gedrosselt worden war. Venezuela verfügt über die weltgrößten Öl-Reserven.

Chavez, Verbündeter des früheren kubanischen Präsidenten Fidel Castro, hat Landwirtschaftsbetriebe und Energiekonzerne verstaatlicht, und Preisgrenzen für Produkte von Zahnpasta bis Toilettenpapier eingeführt. Er fördert zudem Unternehmen, in denen Arbeitnehmer am Entscheidungsprozess beteiligt sind. Im Jahr 2003 führte er Devisenkontrollen ein und hat die Landeswährung Bolivar seither viermal abgewertet. Mehr als 50 Devisen-Broker wurden 2010 geschlossen, und wer auf dem Schwarzmarkt handelt, dem droht eine Haftstrafe.

Diese Politik hat dazu geführt, dass es zu Engpässen bei allen möglichen Gütern gekommen ist, von Strom angefangen über Zucker und hin zu Rindfleisch. Gleichzeitig verzeichnet das Land die weltweit dritthöchste Inflationsrate und die Bond-Renditen schnellen hoch. Anleihe-Investoren, die die venezolanischen Bonds mit Bewertungsabschlägen gekauft haben, wurden belohnt.

Ölpreis hilft

Chavez konnte es sich nicht zuletzt dank der steigenden Ölpreise leisten, den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Der Preis für ein Barrel Rohöl schnellte von 12 Dollar in 1998 auf derzeit etwa 97 Dollar hoch. Die Regierung wird in diesem Jahr mit Öl-Exporten etwa 81 Mrd. Dollar einnehmen - das ist das das Zehnfache der fälligen Anleihezinsen und Tilgungen, geht aus Zahlen von Citigroup Inc. hervor.

Die Netto-Staatsverschuldung ist mit 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich niedriger als das Median-Niveau vergleichbarer Länder, das bei 36 Prozent liegt, sagt Standard & Poor’s.

“Die Lage verschlechtert sich zwar, Venezuela wird aber weiterhin seine Anleihen bedienen”, sagt Sam Finkelstein, Schwellenland-Bondsmanager bei Goldman Sachs Asset Management in New York. “Es müsste deutlich schlimmer werden, damit ein Ausfall wahrscheinlicher wird.” Finkelstein investiert seit mehr als 15 Jahren in venezolanische Bonds.

Chavez hat Bonds zwar als Werkzeug der USA bezeichnet, um Venezuela auszubeuten, gleichzeitig aber stets die Verpflichtungen erfüllt. Und das selbst als ein Streik 2003 die Öl-Industrie für drei Monate lahmlegte und die Wirtschaft in dem Jahr um 7,6 Prozent schrumpfen ließ.

Diese Zahlungen erfolgen nach Ansicht von Simon Nocera, einem früheren Volkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), auch deswegen, weil die Gläubiger sonst die Öl- Lieferungen des Landes beschlagnahmen lassen könnten. Und diese sorgen für 50 Prozent der Staatseinnahmen Venezuelas. Die Bond- Investoren könnten auch erwirken, dass venezolanische Vermögenswerte im Ausland eingefroren werden, wie beispielsweise Raffinerien und die US-Tankstellenkette Citgo Petroleum Corp., die zum staatlichen Ölkonzern Petroleos de Venezuela SA (PDVSA) gehört.

“Chavez haut auf die Pauke, aber er wird sich niemals dazu hinreißen lassen, zu sagen, dass die Anleihen umgeschuldet werden”, sagt Nocera, der jetzt Chief Investment Officer bei Lumen Advisors LLC ist. “Denn er weiß, wenn er das täte, kann er das einzige Produkt nicht mehr verkaufen, das sein Überleben garantiert. Wir müssen uns also keine Sorgen machen.”