Warum die Fed vielleicht doch nicht so rasch auf die Bremse tritt...

Warum die Fed vielleicht doch nicht so rasch auf die Bremse tritt...

Bislang gehen Investoren davon aus, dass die Fed ihre Wertpapierkäufe ab September drosselt und damit den Anfang vom Ende des sogenannten "Quantitative Easing" (QE) einläutet. "Das ist angesichts der aktuellen Unsicherheit, die wir an den Märkten beobachten, eine sehr schwierige Entscheidung für die Fed", betont Douglas Borthwick, Geschäftsführer von Chapdelaine Foreign Exchange in New York. Er gehe davon aus, dass sich der Markt auf eine Verschiebung bis Dezember einstellt.

Auch Finanzmarkt-Experte Stephen Jen vom Hedgefonds SLJ Macro Partners rechnet nicht mit einem Schnellschuss. "Ich glaube nicht, dass die Fed das Gefühl hat, unbedingt handeln zu müssen." Schließlich könnte ein Militärschlag gegen Syrien den Ölpreis weiter in die Höhe treiben. "Und er ist derzeit nicht gerade niedrig", fügt Jen hinzu.

Ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) der richtungsweisenden Ölsorte Brent aus der Nordsee kostet aktuell etwa 115 Dollar. Die Analysten der Societe Generale (SocGen) halten den Anstieg auf ein Rekordhoch von 150 Dollar für möglich, sollte der Syrien-Konflikt auf andere Staaten des Nahen Ostens übergreifen und den Rohöl-Nachschub stören. Und eine Verteuerung dieses wichtigen Rohstoffs hätte unabsehbare Folgen für die Weltwirtschaft.

"Fiskalklippe" reloaded

Für einige Börsianer ist der Etatstreit in den USA weit besorgniserregender als die Syrien-Krise. Die Republikaner im Kongress wollen als Gegenleistung für die Anhebung der Schuldengrenze Kürzungen bei Sozialprogrammen durchsetzen. Finanzminister Jack Lew lehnt dies jedoch ab. Ohne Anhebung der Schuldengrenze dürfen die USA keine neuen Kredite aufnehmen. Damit droht der weltgrößten Volkswirtschaft im September die Zahlungsunfähigkeit. Im Jahr 2011 hatte das Gezänk um die Schuldenobergrenze zur Folge, dass die USA ihre Top-Bonitätsnote "AAA" verloren.

"Wenn die Debatte hitziger wird und aus Sicht der Fed die Verbraucherstimmung dämpft, könnte sie eine deutlich geringere Drosselung ankündigen als ursprünglich geplant", prognostiziert Marktstratege Quincy Krosby von Prudential Financial. "Das größte Hindernis für eine Straffung der Geldpolitik ist aber die Tatsache, dass die US-Konjunktur bislang nicht die nachhaltige Erholung zeigt, die sich die Fed erhofft", betonen die Volkswirte des Research-Hauses Cornerstone Macro in einem Kommentar. Aus diesem Grund warten Anleger gespannt auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag kommender Woche. Analysten sagen für August die Schaffung von 175.000 neuen Jobs voraus, nach einem Plus von 162.000 im Vormonat.

Ab wann und wie stark dreht die Fed den Geldhahn zu?

Die Beschäftigung gilt als ein Eckpfeiler für die Beurteilung der Konjunkturaussichten. Die Fed will der US-Wirtschaft so lange unter die Arme greifen, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent von derzeit 7,4 Prozent gefallen ist.

Bislang kauft die Fed zur Ankurbelung der Konjunktur monatlich Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf. US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte angekündigt, den Geldhahn ab Jahresende allmählich zuzudrehen, sofern sich die US-Konjunktur weiter erholt. Von Reuters befragte Analysten sagen voraus, dass der Offenmarktausschuss, der die US-Geldpolitik bestimmt, bei seiner Sitzung Mitte September eine Drosselung der Käufe um 15 Milliarden Dollar beschließen wird.

Verschiebung würde Börsen nur kurzzeitig beflügeln

Aber selbst wenn sich die Fed dazu entschließen sollte, die Finanzmärkte unverändert stark mit billigem Geld zu fluten, wären die positiven Effekte für die Börsen nur von kurzer Dauer, warnt Alan Ruskin, Chef-Devisenstratege der Deutschen Bank. Vor allem in den Schwellenländern steige vielmehr das Risiko von Kursturbulenzen.

Wegen der Spekulationen auf eine nachlassende Geldflut aus den USA hatten Investoren verstärkt Geld aus Staaten wie Indien, Brasilien oder der Türkei abgezogen. Deren Währungen fielen daraufhin teilweise von einem Rekordtief aus das Nächste. Eine nachhaltige Erholung wäre nur dann zu erwarten, wenn die Fed die Drosselung der Wertpapierkäufe für längere Zeit aufschiebt, sagt Ruskin weiter. "Das wird aber nicht passieren."

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

Anleihen

Die Deutsche Börse beteiligt sich an einem Dating-Portal für Anleihenhändler

Die Diskontairline Ryanair will eine Anleihe zur Finanzierung neuer Flugzeuge ausgeben.
#Ryanair
 

Anleihen

Ryanair nimmt Kurs auf die Börse: Anleihe zur Finanzierung neuer Jets

Deutschlands zweitgrößte Airline hat eine Anleihe aufgestockt, um die Schrumpfkur bezahlen zu können
#Air Berlin
 

Anleihen

Air Berlin holt sich 75 Millionen