Warum der Euribor fällt und fällt und fällt…

Warum der Euribor fällt und fällt und fällt…

Die EZB ist expansiv, so expansiv, dass sogar der ohnehin bereits rekordtiefe Leitzins noch einmal nach unten wandern könnte. Die Folge: Der Dreimonats-Euribor, der als Basis für den Großteil der variablen Kredite dient, rasselt von Rekordtief zu Rekordtief – aktuell steht er bei 0,187 Prozent, zur Freude der Kreditnehmer, zum Graus der Banken.

Der Dreimonats-Zins, den sich Banken nach eigenen Aussagen gegenseitig für kurzfristige Kredite verrechnen, fällt. Alles andere wäre in der Tat eine Überraschung: Denn das letzte EZB-Meeting hat gezeigt, dass der Euro-Leitzins sein Tief vielleicht noch nicht erreicht hat. EZB-Chef Mario Draghi sagte, eine Zinssenkung sei diskutiert worden, auch wenn der Konsens letztendlich war, den Leitzins unverändert zu belassen.

"Draghi hat betont, dass negative Einlagezinsen eine Option sind, und dass die Nutzung dieses Tools angesichts der pessimistischen Konjunkturprognosen der Notenbank wahrscheinlicher wird", analysiert Chris Clark, Zinsstratege bei ICAP. Eine Zinssenkung ist also durchaus drin, und das hat auch den Euribor nochmal südwärts gedrückt. Die Eurozone-Konjunktur wird 2013 laut EZB-Prognose um 0,3 Prozent schrumpfen, im September war die Notenbank noch von einem BIP-Plus von 0,5 Prozent ausgegangen.

Für Kreditnehmer – vor allem für Private – bleibt also bis auf Weiteres alles beim Alten: Der Euribor fällt und das sollte sich auch in einer niedrigeren Zinslast niederschlagen. Im Normalfall werden die Kreditzinsen vierteljährlich neu berechnet, beim Sechsmonats-Euribor eben alle sechs Monate – und ergeben sich aus dem Euribor und einem Aufschlag (der Marge), den die Banken verrechnen. Liegt der Aufschlag etwa bei 75 Basispunkten würden jährlich aktuell Zinsen von 0,937 Prozent auf den Kredit anfallen. Je nach Aufschlag wird's also recht mager für die Banken.

Niedrigere Zinslast für alle Privaten

Entsprechend sollte jeder, der auf einem Euribor-Kredit sitzt, auch ein Auge auf die Zinsen haben, die er für den Kredit berappen muss. Sollten Sie nicht Hand in Hand mit dem Euribor fallen, der übrigens auf format.at täglich aktuell abzulesen ist, geht irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu.

FORMAT fragte jedenfalls bei der RLB NÖ Wien nach, wie sie mit der Situation umgehen – und ob sie die Zinsen der variablen Kredite dem Euribor-Verfall entsprechend auch tatsächlich senken: "Auch, wenn sich der Dreimonats-Euribor auf einem sehr tiefen Niveau befindet, wird von uns in bestehende Kreditverträge nicht eingegriffen. Das heißt, die Kunden profitieren von diesem historisch tiefen Niveau. Die Anpassung erfolgt vertragsgemäß meist zum Vierteljahr", erklärt Pressesprecher Peter Wesely. Zu Deutsch: Wer bei der RLB NÖ Wien einen bestehenden Kreditvertrag auf Basis des Dreimonats-Euribors hat, der sollte in den vollen Genuss der günstigen Zinsen kommen. Wichtig: Muss auch so sein, steht im Konsumentenschutzgesetz!

Bei Neuverträgen dürften es die Kunden etwas schwerer haben, sich die supergünstigen Zinsen zu sichern. Zumindest gibt sich Wesely diesbezüglich etwas zurückhaltender: "Bei Neuverträgen werden die Konditionen nach den Kriterien Bonität des Kunden und Art und Umfang der Finanzierung – beispielsweise hypothekarisch besichert – individuell in beidseitigem Einvernehmen vertraglich fixiert." Allerdings, bietet die RLB NÖ Wien laut Weseley aktuell ergänzend zum neuen Kreditvertrag Instrumente an, die das niedrige Zinsniveau langfristig absichern.

Was, wenn der Euribor negativ wird?

Katja Fries, Finanzierungsexpertin der Erste Bank, bestätigt: "Wenn die Basis der Dreimonats-Euribor ist, werden die Zinsen entsprechend angepasst. Die Marge ist bei Privatkunden fix und darf laut Konsumentenschutzgesetz nicht geändert werden. Bei Firmenkunden ist es indes grundsätzlich möglich." Fraglich ist, was passiert, sollte der Euribor ins Minus rutschen. Fries dazu: "Wir glauben es nicht, aber ausschließen kann man es auch nicht." Wahrscheinlich dürfte ein solches Extremszenario aber in der Tat nicht sein, da sich der Euribor ja aus den Angaben der Banken ergibt – und dass sich die Banken untereinander Negativzinsen für Kredite verrechnen, scheint unlogisch. Sollte es aber wider Erwarten doch passieren, dann weiß Fries: "Wenn der Euribor ins Minus rutscht, verrechnen wir den Aufschlag als Zinsen für die Kredite."

Schade: Dass die Kreditnehmer vielleicht irgendwann ähnlich wie Deutschland oder Österreich sogar Zinsen fürs Schuldenmachen erhalten, anstatt sie selbst zu bezahlen, dazu wird es also nicht kommen. Aber immerhin: Euribor auf Null ist drin und somit historisch rekordtiefe Zinsen.

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