Warum Comeback der Euro-Krise nicht unwahrscheinlich ist

Warum Comeback der Euro-Krise nicht unwahrscheinlich ist

“Die Auswirkungen einer Rücknahme der Bondkäufe durch die Fed lassen sich quantifizieren, aber für die Risiken in Europa ist das sehr schwierig”, sagt Andrew Sheets, Leiter europäische Kreditstrategie bei Morgan Stanley in London.

Die von EZB-Präsident Mario Draghi im Juli 2012 abgegebene Zusicherung, “alles Nötige” zur Verteidigung des Euro zu tun, hat zu einem Bondkaufprogramm namens Outright Monetary Transactions (OMT) geführt. Das bisher nicht in Anspruch genommene Programm hat dazu beigetragen, die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen von ihrem Euro-Ära-Hoch von 7,75 Prozent nach unten zu drücken. Die spanischen Fremdkapitalkosten belaufen sich derzeit auf 4,43 Prozent, gegenüber einem 2013-Tief von 4,04 Prozent im Mai, da Spekulationen über eine Reduzierung der Bondkäufe durch die Fed die Bondrenditen weltweit nach oben getrieben haben.

Sheets sieht eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent, dass die Schuldenkrise erneut ausbricht und verweist in diesem Zusammenhang auf Marktpreise wie Indizes für Kreditausfallswaps, mit denen Investoren sich gegen Zahlungsausfälle absichern.

Italiens Regierung wackelt, Spanien ist beinahe Junk

Die italienische Regierungskoalition, zu der auch die Partei Popolo della Libertà von Silvio Berlusconi gehört, wackelt, da die Verurteilung des früheren Ministerpräsidenten wegen Steuerbetrugs zu seinem Ausschluss aus dem Parlament führen könnte.

Standard & Poor’s stuft Spanien, wo die Regierung in einen Korruptionsskandal verstrickt ist, mit der niedrigsten Note der Kategorie Investmentgrade mit negativem Ausblick ein. Fitch Ratings bewertet das Land mit “BBB”, zwei Stufen über Junk, und ebenfalls mit einem negativen Ausblick.

Griechenland wird unterdessen ein neues Hilfsprogramm benötigen, um seine Schulden tragbar in den Griff zu bekommen, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Dienstag.

“Es ist sehr schwer zu sagen, dass Spanien nicht herabgestuft wird, dass die italienische Regierung halten wird oder dass OMT aktiviert wird”, erklärte Sheets. Die Renditen von zehnjährigen italienischen Bonds, die derzeit bei etwa 4,27 Prozent liegen, sind am 25. Juli des vergangenen Jahres bis auf 6,71 Prozent geklettert, was in der Nähe eines Euro-Ära-Rekords von 7,48 Prozent vom November 2011 liegt.

Geld wird aus den Schwellenländern und der Euro-Peripherie abgezogen

Die Aussicht, dass die US-Währungshüter ihre Bondkäufe reduzieren und einen Renditeanstieg in der weltgrößten Volkswirtschaft zulassen werden, schmälert die Bereitschaft der Anleger, risikoreichere Papiere zu halten, berichtet Myles Bradshaw, Fondsmanager bei Pimco in London.

“Durch die Normalisierung der Zinsen in den Kernländern wird Geld aus den Schwellenländern und der Euroraum-Peripherie abgezogen”, sagt Bradshaw. “Die Manager haben weniger Anreiz, sich auf der Risikoskala nach unten und in die Peripherie zu begeben, so dass es für die Peripherie schwieriger wird, Kapital anzuziehen.”

Gabriel Sterne, Ökonom bei Exotix Ltd. in London, sieht eine Wahrscheinlichkeit von eins zu fünf, dass Griechenland im kommenden Jahrzehnt aus dem Euroraum ausscheiden wird. Die Verantwortlichen im Lande “hoffen auf eine billige Erholung”, schrieb er in einer Mitteilung an Anleger. “Wir sind pessimistischer, da es so viele negative Risiken gibt, so dass einige von diesen sich einstellen dürften.”

Bradshaw von Pimco ist der Meinung, dass die griechischen Schulden nicht tragbar sind. Möglicherweise gelte das auch für die portugiesischen. Er erwartet eine “sehr moderate, langsame Erholung, keine Boomphase.” Angesichts einer rekordhohen Arbeitslosenquote von 12,1 Prozent im Euroraum ist er besorgt, dass die sparmüden Wähler ihre Stimme populistischen Parteien geben werden, “um eine schnelle Lösung über Maßnahmen zu erreichen, die auf lange Sicht nicht wirksam sind.”

Plausible Gründe für ein Euro-Krisen-Comeback

Zwar geht das Basisszenario von Morgan Stanley nicht von einer Wiederkehr einer akuten Krise aus, doch gebe es “plausible Gründe, warum die Euroraum-Krise wieder aufflackern” könne, so Sheets. Die Bonitätseinstufungen von “fast allen” Staaten der Währungsunion seien mit einem negativen Ausblick versehen, die Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt dürfte voraussichtlich steigen und die Arbeitslosigkeit 2014 noch über weite Strecken hoch bleiben.

Allerdings werden die Maßnahmen, die die europäischen Staats- und Regierungschefs bereits getroffen haben oder planen sowie die Initiativen der EZB und die Entwicklung in Richtung einer Bankenunion wohl verhindern, dass einzelne Ereignisse außer Kontrolle geraten, so Bradshaw.

“Investoren verschließen die Augen vor den Risiken nicht”, sagt er. “Den Verantwortlichen ist es gelungen, das Risiko zu senken, dass ein Staat den Zugang zu den Märkten verliert und innerhalb weniger Wochen zahlungsunfähig wird. Das wird nicht passieren.”

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