Volkswagen polstert seine Reserven auf – ohne Hintergedanken

Volkswagen polstert seine Reserven auf – ohne Hintergedanken

Volkswagen, Europas größter Autobauer, sammelte am Mittwoch 1,2 Milliarden Euro durch die Ausgabe einer weiteren Wandelanleihe bei Investoren ein. Mit dem Geld solle das weitere Wachstum finanziert werden, unter anderem im Finanzdienstleistungsgeschäft, erklärte der Wolfsburger Konzern.

Konkrete Übernahmepläne stehen nach Informationen aus dem Umfeld des Zwölf-Marken-Imperiums nicht dahinter. Vielmehr reagiert Volkswagen nach eigenen Angaben auf den Hunger internationaler Investoren nach Anlagemöglichkeiten mit vergleichsweise hoher Rendite.

Zur Strategie von Volkswagen gehöre es, jederzeit mit ausreichend Kapital versorgt zu seien. Dazu sei ein solides Polster nötig, teilte der Konzern mit. Ein konkretes Projekt steckt nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld nicht dahinter. VW sorge vor. "Das Ziel ist die Absicherung unserer vorteilhaften Liquiditätsposition, der gesunden Finanzstruktur sowie unseres auch im Wettbewerbsvergleich positiven Ratings", erläuterte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Volkswagen verfügte nach mehreren Zukäufen Ende März im Autogeschäft noch über ein Liquiditätspolster von 10,6 Milliarden Euro. Gemessen an Pötschs Ansprüchen ist das jedoch nicht ausreichend. In früheren Zeiten hatte VW fast das Doppelte auf der hohen Kante. Volkswagen steckt derzeit viel Geld in die Umstellung der Fabriken auf das neue Baukastensystem und in neue Automodelle. Gleichzeitig baut der Konzern die Produktion rund um den Globus aus und stampft in China mehrere Werke aus dem Boden.

Auch das Geschäft mit Finanzdienstleistungen baut Volkswagen derzeit aus. Der Finanzarm des Konzerns hatte sich unlängst mit dem Versicherungskonzern Allianz verbündet, um gemeinsam Autoversicherungen anzubieten.

Bereits die vorangegangene Anleihe hatte Spekulationen über weitere Übernahmen ausgelöst, obwohl Pötsch schon damals als Grund die Aufstockung der Reserven angeführt hatte. Vor den Übernahmen des Sportwagenbauers Porsche, des Motorrad-Herstellers Ducati und der Aufstockung der Anteile an dem Lkw-Bauer MAN hatte Volkswagen schon einmal 21 Milliarden Euro in der Kasse.

Die Konditionen der neuen Pflichtwandelanleihe sind die gleichen wie bei der im November begebenen 2,5-Milliarden-Anleihe. Der Kupon beträgt 5,5 Prozent. Die Zeichner erhalten zum Ende der Laufzeit 2015 Volkswagen-Vorzugsaktien. Die im Dax gelistete Vorzugsaktie verlor deutlich an Wert, weil die Anteilseigner bei der Wandlung der Anleihe eine Verwässerung befürchten müssen.

VW-Großaktionär Katar zieht mit

Volkswagen-Großaktionär Katar beteiligte sich an der Emission, ließ aber das Volumen offen. Das Emirat ist mit 17 Prozent der Stimmrechte drittgrößter VW-Eigner nach der Porsche Automobil Holding SE mit knapp 51 Prozent und dem Land Niedersachsen mit 20 Prozent. Die US-Investmentbank J.P. Morgan garantiert 500 Millionen Euro der Anleihe.

Bei den Ratingagenturen helfen die Emissionen dem expansiven Konzern auf jeden Fall. Denn Pflichtwandelanleihen, die am Ende in Aktien getauscht werden, gelten bei ihnen als Eigenkapital. Sollten die Agenturen Moody's oder Standard & Poor's Volkswagen unter eine bestimmte Schwelle herunterstufen, sehen die Bedingungen sogar eine frühzeitige Umwandlung in Aktien vor

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