US-Notenbank wird QE3 aufmotzen

Bislang ist das Programm auf Hypothekenanleihen im Volumen von monatlich 40 Mrd. Dollar beschränkt. Wie aus einer Umfrage von Bloomberg News aus der vergangenen Woche hervorgeht, rechnen allerdings alle 21 Primärhändler mit einer Ausweitung des derzeitigen QE3-Programms.

US-Notenbank wird QE3 aufmotzen

Dahinter steht die Einschätzung, dass sich die Zunahme bei den neuen Arbeitsplätzen und das höhere Verbrauchervertrauen als nicht nachhaltig erweisen werden. Allerdings erwarten die Bondhändler noch keine neuen Maßnahmen auf der Fed-Sitzung am 23. und 24. Oktober.

Die Volatilität im Bondmarkt hält sich nahe des niedrigsten Werts seit 1988 - ein Zeichen, dass die Sicherheit der Treasuries bei Investoren immer noch gefragt ist. Hätte die Schwankungsanfälligkeit zugenommen, wäre dies ein Signal für Spekulationen auf eine Konjunkturbelebung nach den jüngsten Maßnahmen von US-Notenbankchef Ben S. Bernanke gewesen.

Zwar ist die Arbeitslosenrate im September mit 7,8 Prozent auf das niedrigste Niveau seit 2009 gesunken und das Verbrauchervertrauen erreichte ein Sechs-Monats-Hoch. Doch die Bondhändler sehen eine potenzielle Abschwächung, wenn der Kongress die sogenannte fiskalische Klippe - vorgeschriebene Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von 607 Mrd. Dollar, die am 31. Dezember beginnen - nicht abwenden kann.

Weniger Wachstum wegen "Fiscal Cliff"

Die Ökonomen von JPMorgan Chase & Co. haben ihre Prognose für das US-Wirtschaftswachstum im ersten und zweiten Quartal am 18. Oktober zurückgeschraubt. Sie rechnen nun damit, dass die fiskalische Klippe das US-Wachstum um einen Prozentpunkt schmälern wird. Das Haushaltsbüro des US-Kongresses geht von einer Wachstumsminderung um 0,5 Prozent für 2013 aus, wenn die Ausgabenkürzungen eintreten.

“Die Fed hat gesagt, sie sei unzufrieden mit dem Tempo der Konjunkturerholung, insbesondere mit der Verbesserung der Bedingungen am Arbeitsmerkt”, sagte Michael Gapen, Direktor US- Analyse bei Barclays Plc in New York und früher Ökonom der Federal Reserve in einem Telefoninterview am 17. Oktober. Die Fed “hat gesagt, sie will mehr tun, um eine stärkere Belebung in Gang zu setzen, und das solange bis sie die gewünschte Erholung erreicht hat”, ergänzte er.

Ende von "Operation Twist"

Die Erwartung weiterer Anreize steigt auch, weil die so genannte Operation Twist, in der die Fed kurzfristige Staatspapiere im Volumen von 667 Mrd. Dollar in Anleihen mit längerer Laufzeit umschichtet, um die Finanzierungskosten im Griff zu behalten, laut Plan am 31. Dezember endet. Als die Notenbank am 13. September ankündigte, sie werde Hypothekenanleihen kaufen, erklärte sie auch, sie werde so lange Geld in die Volkswirtschaft pumpen, bis eine anhaltende, nachhaltige Verbesserung am Arbeitsmarkt festzustellen sei.

Bank of America geht von einem Ankaufprogramm für Treasuries im Volumen von monatlich 45 Mrd. Dollar bis 60 Mrd. Dollar aus. Barclays erwartet, dass die Käufe bis Juni durchgeführt werden und einen Gesamtumfang von 270 Mrd. Dollar erreichen.

Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries lag am Montag bei 1,798 Prozent. Im Jahreshoch rentierten die Bonds am 20. März bei 2,4 Prozent. Damit haben die jüngsten Wachstumssignale weder die Bondhändler noch Bernanke davon überzeugt, dass die Wirtschaft wieder auf Kurs liegt.

“Falls wir ein paar gute Nachrichten zum Wachstum bekommen, würde ich doch nicht davon ausgehen, dass die Geldpolitiker auf hastige Art und Weise reagieren werden”, sagte William C. Dudley, Präsident der Federal Reserve von New York, am 15. Oktober in einer Rede.

Geringe Volatilität soll anhalten

Die Volatilität am Bondmarkt würde wahrscheinlich zunehmen, wenn die Händler erwarteten, dass die Fed bald mit den Bondkäufen aufhört. Stattdessen ist die Schwankungsanfälligkeit gesunken. Der MOVE Index von Bank of America Merrill Lynch, der auf den Preisen von Over-The-Counter-Optionen auf Anleihen mit einer Laufzeit von zwei bis 30 Jahren beruht, beendete die vergangene Woche mit einem Wert von 68,5. Das Jahreshoch am 15. Juni lag bei 95,4.

Die geringe Inflation ist ein weiterer Grund, warum die Volatilität niedrig ist und Händler der Meinung sind, dass die Fed Spielraum für weitere Anreize hat. Im August lag der Anstieg der Verbraucherpreise bei 1,6 Prozent im Jahresvergleich und damit unter dem Inflationsziel der Fed von zwei Prozent.

“Das definierende Merkmal des Treasuries-Marktes für die nächsten Monate wird die geringe Volatilität sein”, sagte Carl Lantz, Leiter Zinsstrategie bei Credit Suisse Group AG in New York am 17. Oktober in einem Telefoninterview. Die Ökonomen der Bank erwarten, dass die Fed im kommenden Jahr Treasuries im Volumen von monatlich 45 Mrd. Dollar ankaufen wird.