US-Banken horten Staatsanleihen

US-Banken horten Staatsanleihen

Spekulationen um das Aufwärtspotenzial der Treasuries werden vor dem Hintergrund der abkühlenden Konjunktur und Weltwirtschaftskrise stärker.

Die weltgrößten Anleihehändler haben der Federal Reserve im Juni im Schnitt 7,2 Mrd. Dollar (etwa 5,86 Mrd. Euro) pro Tag an Staatspapieren angeboten, 40,5 Prozent weniger als der Höchstwert von 12,1 Mrd. Dollar pro Tag im Oktober, wie von Bloomberg gesammelte Daten zeigen. Gleichzeitig haben die Finanzinstitute ihren Bestand beinahe verdoppelt.

“Die Leute sind nicht bereit, Treasuries zu verkaufen”, sagte Thanos Bardas, Geschäftsführer bei Neuberger Berman in Chicago am 28. Juni in einem Telefoninterview. “Die US-Zahlen sehen nicht gut aus. Der Arbeitsmarkt hat an Dynamik eingebüßt. Treasuries werden trotz der niedrigen Zinsen weiter Aufwärtspotenzial haben”, so Bardas weiter. Die Sorge um die US-Wirtschaft wurde am 6. Juli angeheizt, als der Bericht des US-Arbeitsministeriums zeigte, dass es am Arbeitsmarkt weniger Neueinstellungen gab als prognostiziert worden war.

Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, kündigte in einer Rede vom 6. Juli an, dass der IWF die globale Konjunkturprognose von ursprünglich 3,5 Prozent senken werde. Investitionen, Arbeitsmarkt und Industrie schwächelten in Europa, den USA, Brasilien, Indien und China, so Lagarde. “Der globale Ausblick wird etwas schwächer sein als wir noch vor drei Monaten angenommen haben. Und selbst diese niedrige Erwartung wird davon abhängen, dass die richtigen politischen Entscheidungen getroffen werden.”

Treasuries stiegen vergangene Woche, so dass die Zehnjahresrendite um zehn Basispunkte oder 0,1 Prozentpunkte fiel, wie Bloomberg Bond Trader Preise zeigen. Am Dienstag sank die Rendite des Zehnjahrespapiers um zwei Basispunkte auf 1,52 Prozent. Der diesjährige Höchstwert war am 20. März mit 2,4 Prozent erreicht worden. Der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag bei 3,8 Prozent. US-Anleihen haben in diesem Jahr inklusive reinvestierter Zinsen 2,3 Prozent eingebracht, angetrieben von einem 6,3-prozentigen Gewinn bei Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren.

“Am Markt ist Qualität gefragt”, sagt Larry Milstein, geschäftsführender Direktor des Staatsanleihenbereichs bei R.W. Pressprich & Co. in New York. “Die Fed und die Investoren versuchen, sich gegenseitig aus dem Markt zu drängen, und dieser Prozess heizt sich selbst an. Wir sehen einen Verdrängungseffekt, da es weiterhin eine Menge Nachfrage nach sicheren Anlagen gibt.”

Operation Twist läuft und läuft und läuft

Die Fed hat unter Präsident Ben Bernanke für 2,3 Billionen Dollar Treasuries und Hypothekenpapiere aufgekauft, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Juni hat die Zentralbank entschieden, das Programm Operation Twist auszuweiten, über das sie kurzfristige Papiere verkauft und mit diesen Einkünften längerfristige Anleihen erwirbt.

Während die US-Notenbank versucht, Treasuries aufzukaufen, haben die 21 Primärhändler ihr Engagement auf 109,2 Mrd. Dollar aus einer Netto Short-Position noch im September aufgestockt, wie die Fed mitteilte. Am 6. Juni war sogar ein Rekord von 136,4 Mrd. Dollar erreicht worden.

Demzufolge muss die Zentralbank jetzt mehr für weniger ausgeben. Ende Mai zahlte die Notenbank 31 Cents pro 1000 Dollar Nominalwert über dem Intraday-Marktpreis. Im März lag der Preis pro 1000 Dollar 94 Cent darunter, wie Primärhändler Credit Suisse Group AG mitteilte.

“Die Fed zieht eine gewisse Menge aus dem Markt”, sagt Ian Lyngen, Staatsanleihe-Stratege bei CRT Capital Group in Stamford, Connecticut, in einem Interview am 3. Juli. “Angesichts der Menge, die sie bereits hält, und dem Näherrücken des Ende der Spirale wird es schwierig werden zu argumentieren, dass das die Handelsmöglichkeiten dieser Papiere nicht irgendwie beeinflusst.”

Investoren rechnen in naher Zukunft nicht mit höheren Renditen. Der Merrill Option Volatility Estimate, ein Index zur Berechnung der Markterwartungen bezüglich der Zinsbewegungen, ist am 28. Juni auf 70,2 Basispunkte gefallen. Am 7. Mai war mit 56,7 der niedrigste MOVE-Wert seit 2007 erreicht worden.

Angesichts der Angst vor einer globalen Rezession haben die bedeutendsten Notenbanken am 5. Juli stimulierende Maßnahmen eingeleitet, um die Wirtschaft zu stärken. Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,75 Prozent gesenkt, die chinesische Notenbank hat den Zinssatz für einjährige Ausleihungen auf 0,31 Prozent herabgesetzt und die Bank of England hat ihr Programm für den Kauf von Anleihen mit weiteren 50 Mrd. Pfund (63 Mrd. Euro) ausgestattet.

Die US-amerikanische Notenbank ist mittlerweile der weltgrößte Besitzer von US-Staatspapieren mit einem Gesamtwert von 1,67 Billionen Dollar am 27. Juni, noch vor der chinesischen Notenbank mit 1,15 Billionen Dollar am Ende des ersten Quartals. “Wenn die Fed so weitermacht, wird sie sich gezwungen sehen, teurere Preise zu zahlen”, sagte Michael Cloherty, Chefstratege für den US-Bereich beim Primärhändler RBC Capital Markets in New York, in einem Telefoninterview vom 3. Juli. “Wenn man denkt, die Fed wird aggressiv aufkaufen, macht es das schwierig, auf sinkende Kurse zu setzen. Infolgedessen ist man zurückhaltend damit, große Mengen an irgendjemanden zu verkaufen”, so Cloherty.

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