Unternehmensanleihen statt Sparbuch – mit Sicherheit höhere Zinsen

Unternehmensanleihen statt Sparbuch – mit Sicherheit höhere Zinsen

Die Republik Österreich glänzt mit Geiz. Bei einer Staatsanleihe mit sechsjähriger Laufzeit werden die Anleger zurzeit mit 1,74 Prozent Zinsen abgespeist. Der Mineralölkonzern OMV bietet für nachrangige Schuldpapiere im gleichen Zeitraum 5,8 Prozent, also mehr als das Dreifache.

Und die OMV ist kein Einzelfall: In dieser Woche brachte conwert eine bis zum Jahr 2017 laufende Anleihe mit einem Kupon von 5,75 Prozent unter das Volk, die Immofinanz setzt mit einem Papier mit voraussichtlich 5,25 Prozent Zinsen nach. Kein Wunder, dass bei vielen Privatanlegern derzeit das Motto "Unternehmensanleihen statt Sparbuch“ lautet.

Doch klar ist auch, dass es für Unternehmensanleihen keine Einlagensicherung gibt. Zwar sind zum Glück Pleitefälle bei renommierten Unternehmen ein seltenes Phänomen. Ganz ausschließen kann man sie aber nicht. So sind zum Beispiel Anleihenbesitzer beim US-Autokonzern General Motors, das noch bis in die 80er-Jahre mit einer AAA-Bonitätsnote punktete, bei der Insolvenz im Jahr 2009 kräftig abrasiert worden. FORMAT zeigt, mit welchen Zinsen derzeit zu rechnen ist und warum es aus Gründen der Sicherheit eine gute Maxime ist, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Stichwort Sicherheit

Mit Unternehmenspapieren bester Bonität ist derzeit nicht viel zu holen, liegen doch die Renditen von europäischen AAA-Unternehmensanleihen im Schnitt nur etwa einen Prozentpunkt höher als jene sicherer Staatsanleihen. Wer bereit ist, auf der Risikoleiter weit nach oben zu klettern, wird dagegen entsprechend entlohnt. Bei Anleihen, die mit einem BB-Bonitätsrating nicht mehr als solides Investment zählen, sind rund sechs Prozentpunkte Zitterprämie möglich.

Alois Wögerbauer, Chef der 3Banken-Generali-Fonds, legt Anlegern solide Firmenpapiere nahe. Wögerbauer: "Die Tiefzinsphase wird noch einige Jahre dauern, weshalb Käufer sicherer Staatspapiere nach Abzug der Inflation auf einem Verlust sitzen bleiben. Dagegen sind mit einem Mix aus Unternehmensanleihen in den nächsten fünf, sechs Jahren vier Prozent Ertrag pro Jahr möglich.“

Bei der Einschätzung, ob die zahlreichen neuen Einzelemissionen aus Österreich eine gute Wahl sind, fallen die Urteile sehr unterschiedlich aus. Alexander Fleischer, Anleihenchef der Erste Sparinvest: "Viele Angebote, die sich an Kleinanleger richten, sind schlecht gepreist. Manche Investoren vertrauen einfach einem bekannten Namen und analysieren nicht die Details. Oft finden wir im Ausland Papiere mit ähnlichem Risiko, aber attraktiveren Renditen.“

Ganz anders denkt 3Banken-Generali-Experte Wögerbauer. So lässt es ihn kalt, dass die meisten heimischen Emittenten nicht einmal mit einem Rating aufwarten können. Wögerbauer: "Das bringt sogar Vorteile, weil die Unternehmen attraktive Kupons anbieten müssen. Das ist auch ein Grund, warum beim 3Banken-Unternehmensanleihenfonds derzeit 27 Prozent des Volumens in österreichische Anleihen investiert sind.“ Dazu zählen das im Mai begebene Papier des österreichischen Autozulieferers Miba ebenso wie die bis Ende 2017 laufenden Anleihen des Verpackungsspezialisten Constantia Flexibles oder die erwähnte neue conwert-Anleihe.

Liquiditätsmangel

Dennoch sollten Anleger berücksichtigen, dass ein Mix aus drei, vier oder fünf österreichischen Unternehmensanleihen dem Prinzip der breiten Streuung nicht gerecht wird. Bei den in der Tabelle auf Seite 80 angeführten Fonds erreicht die Zahl der Einzeltitel oft 100 Positionen und mehr. Fällt hier doch einmal ein Titel flach, ergibt das nur eine kleine Delle im Kurs. Außerdem sollten Privatanleger beachten, dass die Papiere heimischer Emittenten häufig beim zwischenzeitlichen Verkauf am Sekundärmarkt unter geringer Liquidität leiden. Das kann im Extremfall bedeuten, dass wochenlang kein einziger Handel erfolgt oder zumindest der Verkaufspreis gering ausfällt.

Fonds setzen dagegen prinzipiell auf leicht wiederverkaufbare Papiere und werfen einen Blick über den Tellerrand hinaus. So wurde zum Beispiel Georg Nitzlader, Fondsmanager des Raiffeisen-Euro-Corporates, beim Papier der spanischen Telekomgesellschaft Telefónica mit Laufzeit bis September 2017 (ISIN XS050187894), bei dem die Rendite aktuell bei 6,5 Prozent liegt, fündig. Nitzlader: "Telefónica ist nur zu 40 Prozent von spanischen Kunden abhängig, zahlt aber wesentlich mehr als die Deutsche Telekom, die auch in einigen Problemmärkten tätig ist.“

Mit 4,3 Prozent Rendite ist bei der bis Oktober 2016 laufenden Unternehmensanleihe des italienischen Getränkekonzerns Campari (ISIN XS0457848272) zwar weniger zu holen, dafür hängt das Geschäft der Italiener nur wenig am Gängelband der konjunkturellen Entwicklung. Nachdem sich die Prognosen für das europäische Wirtschaftswachstum immer weiter eintrüben, sollten vorsichtige Anleger generell zu Papieren aus defensiven Sektoren wie etwa der Nahrungsmittelbranche oder aus dem Sektor nicht zyklischer Konsumgüter greifen.

So sind etwa im 3Banken Unternehmensanleihen-Fonds Anleihen des weltweit tätigen Kommunikations- und Entertainmentkonzerns Vivendi aus Frankreich ebenso vertreten wie Papiere des russischen Erdgaskonzerns Gazprom, des global tätigen Managementconsulters Cap Gemini oder der weltweit zweitgrößten Einzelhandelskette Carrefour.

Während die aktuellen Renditen dieser Anleihen zwischen drei und vier Prozent liegen, winkt bei europäischen Bankanleihen deutlich mehr Ertrag - im Schnitt beträgt der Risikoaufschlag zu sicheren Staatsanleihen rund 5,5 Prozent. Dennoch sollten Anleger gut abwägen, ob sich das Risiko lohnt. Tugrul Kolad, Fondsmanager des Pioneer Austria Euro Corporate Bond: "Auch wenn Finanzinstitute von Staaten gerettet werden können, bleibt das Problem der Qualität der Bilanzen. Im Gegensatz dazu ist das Risiko von Unternehmensanleihen außerhalb des Bankensektors überschaubar.“

Skepsis hegt Fondsmanager Kolad auch bei Anleihen von Autoherstellern und Versorgern. Kolad: "Versorger sind ähnlich wie Banken sehr stark von politischen Entscheidungen abhängig. Das zeigt etwa der Schwenk in der deutschen Energiepolitik.“

Fonds à la carte

Was mit Euro-Unternehmensanleihenfonds längerfristig zu holen ist, zeigt etwa der Lombard Odier Euro Responsible Corporate Bond der Schweizer Privatbank Lombard Odier. In den vergangenen drei Jahren erzielte er eine Gesamtrendite von 32 Prozent beziehungsweise 10,7 Prozent per annum. Bester Fonds einer österreichischen Bank ist der Apollo Euro Corporate Bond der Capital Bank mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von 8,9 Prozent seit Juni 2009. Diese Werte sind zwar nützlich beim Fondsvergleich, werden aber angesichts der tief gesunkenen Zinsen in Zukunft wohl generell niedriger ausfallen.

Vor dem Kauf eines Fonds lohnt sich nicht nur der Check der in der Vergangenheit erzielten Gewinne, sondern auch der Vergleich der Zusammensetzung der Depots. So ist zum Beispiel der Raiffeisen-Euro-Corporates derzeit eher konservativ unterwegs und hält nur fünf Prozent Bankanleihen, wohingegen der Espa Bond Euro Corporates offensiver agiert und 45 Prozent Finanztitel hält.

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

Anleihen

Die Deutsche Börse beteiligt sich an einem Dating-Portal für Anleihenhändler

Die Diskontairline Ryanair will eine Anleihe zur Finanzierung neuer Flugzeuge ausgeben.
#Ryanair
 

Anleihen

Ryanair nimmt Kurs auf die Börse: Anleihe zur Finanzierung neuer Jets

Deutschlands zweitgrößte Airline hat eine Anleihe aufgestockt, um die Schrumpfkur bezahlen zu können
#Air Berlin
 

Anleihen

Air Berlin holt sich 75 Millionen