"Ufert die Staatsschuld aus, steigt letztlich die Inflation"

Zentralbanken könnten ihre Glaubwürdigkeit mit Bezug auf den Kampf gegen die Inflation verlieren, wenn sie versuchen, strukturelle Schwächen in der Wirtschaft auszugleichen. Davor hat Jens Weidmann, der Chef der deutschen Bundesbank und Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), gewarnt.

"Ufert die Staatsschuld aus, steigt letztlich die Inflation"

“Je länger die Zentralbank versucht, die strukturelle Wachstumsschwäche mit geldpolitischen Mitteln zu übertünchen, desto unglaubwürdiger wird sie in Bezug auf das Preisstabilitätsziel”, erklärte Weidmann in einer Rede beim Institute for Law and Finance in Frankfurt. “Dies kann dann zu steigenden Inflationserwartungen und schließlich zu Inflation führen.”

Weidmann erklärte weiter, dass eine steigende Verschuldung zu Inflation führen und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen könne. “Ufert die Staatsschuld immer weiter aus, steigt letztlich auch die Inflation”, erläuterte Weidmann. “Aber selbst im Vorfeld einer solchen Spirale ergeben sich aus einer steigenden Staatsverschuldung Gefahren für die Preisstabilität.”

Weidmann vs. Draghi

Weidmann hatte als einziges Mitglied des EZB-Rates gegen den Bondkaufplan von EZB-Chef Mario Draghi - den OMT-Plan (geldpolitische Outright-Geschäfte) - gestimmt. Weidmann kritisierte, der Bondkaufplan sei zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse und warnte vor dem Risiko, der OMT-Plan könne die Inflation anschieben.

Draghi bekräftigte vor kurzem, dass die EZB bereit sei, das Programm zu aktivieren, sobald ein Land wie beispielsweise Spanien die Voraussetzungen erfülle - also ein Hilfsersuchen beim Euro-Rettungsfonds stelle und entsprechende Konditionen akzeptiere.