Stabilitätsanker USA: In den Augen der Investoren nicht umzubringen

Die Positionen internationaler Investoren nähern sich dem Wert von 3 Billionen Dollar. Attraktiv werden Investments in der US-Währung durch die Krise in Europa, die den Euro belastet, und die Abwertung des Yen in den vergangenen Monaten.

Stabilitätsanker USA: In den Augen der Investoren nicht umzubringen

In den drei Monaten bis Ende März stieg das Volumen an Treasuries, das die US-Notenbank Federal Reserve im Auftrag ausländischer Zentralbanken hält, um 63,5 Mrd. Dollar auf 2,95 Billionen Dollar. China, der größte ausländische Gläubiger der USA, erwarb über die vier Monate bis Ende Januar die meisten Treasuries seit 2011.

Trotz des US-Haushaltsstreites sind die Staatsanleihen des Landes bei den Anlegern im Ausland gefragt. Das trägt dazu bei, dass die Renditen der Treasuries niedrig bleiben, obwohl die Federal Reserve seit 2008 mehr als 2,5 Billionen Dollar in das Finanzsystem gepumpt hat.

“Die USA ragen als Hort relativen Wachstums sowie Stärke und Stabilität heraus”, sagt Wan-Chong Kung, Anleihefondsmanager bei Nuveen Asset Management in Minneapolis. “Die großen Katastrophen wurden vermieden.”

Dabei beschränkt sich die Nachfrage aus dem Ausland nicht auf die Zentralbanken. Insgesamt hielten ausländische Investoren im Januar ein Rekordvolumen an Treasuries von 5,62 Billionen Dollar, wie Daten des Finanzministeriums zeigen. Nach einem Anstieg von zusammen 0,9 Prozent im November und Dezember legten die ausländischen Positionen im Januar 0,8 Prozent zu.

"Wachstumsmotor der Welt"

“Die Anleger betrachten die USA als den Wachstumsmotor der Welt”, erläutert George Goncalves, Leiter Zinsstrategie bei Nomura Holdings Inc., einem der 21 Primärhändler, die direkt Geschäfte mit der Fed machen. “Man kann die USA nicht abschreiben. Diese ausländischen Zentralbanken werden nicht weggehen, sie fühlen sich mit der Lage in Amerika wohl.”

Das Bruttoinlandsprodukt der USA wird zum Jahresende wahrscheinlich mit einer Jahresrate von 2,6 Prozent wachsen, wie aus einer Bloomberg-Umfrage unter Volkswirten hervorgeht. Für die Länder der G-10-Gruppe rechnen Ökonomen laut einer separaten Umfrage mit einem Wachstum von 1,97 Prozent.

In den vergangenen Wochen haben die Kurse der Treasuries zugelegt, gestützt vom Sicherheitsbedürfnis der Anleger nach dem Rettungspaket für Zypern. Die Rendite der zehnjährigen Papiere ist vergangene Woche um acht Basispunkte gesunken auf 1,85 Prozent, zeigen Daten von Bloomberg Bond Trader. Am 8. März hatte die Rendite mit 2,08 Prozent noch ein Hoch für dieses Jahr erreicht.

China kauft wieder Treasuries

China tritt erneut als Käufer auf, nachdem das Land seine Bestände über mehr als ein Jahr abgebaut hat. Von Oktober bis Ende Januar hat das Land Treasuries für 110,9 Mrd. Dollar gekauft und hält jetzt 1,26 Billionen Dollar.

Die Käufe Chinas dürften von Sorgen getrieben sein, dass der Wert der zwei größten Konkurrenten des Dollars - Euro und Yen - als Reservewährungen sinkt, sagt Michael Cheah, Fondsmanager bei SunAmerica Asset Management in Jersey City, New Jersey. Mit Zypern hat das fünfte Mitglied der Eurozone ein Rettungspaket beantragt. Der Yen ist seit Mitte September um rund 18 Prozent abgerutscht, da Ministerpräsident Shinzo Abe die japanische Notenbank zum Gelddrucken ermutigt, um die Deflation im Land zu beenden. Der Euro hat seit Anfang 2009 laut den Bloomberg Correlation-Weighted Indexes rund 21 Prozent verloren.

Strategen von Bank of America Merrill Lynch gehen davon aus, dass die Federal Reserve in diesem Jahr Treasuries im Volumen von 540 Mrd. Dollar kaufen wird, und dass die Positionen ausländischer Anleger, die 2012 um 566,4 Mrd. Dollar stiegen, mindestens um das gleiche Volumen zulegen werden. Das bringt die erwartete Nachfrage der beiden größten Abnehmer von US- Staatsanleihen auf 1,106 Billionen Dollar oder 123 Mrd. Dollar mehr, als die Strategen an Netto-Neuemissionen der USA erwarten.

“Entscheidend für die Renditen der Treasuries ist das Verhalten dieser zwei größten Anleger im Markt der internationalen Investoren und der Fed”, konstatiert Shyam Rajan, Zinsstratege bei Bank of America Merrill Lynch in New York. “Wenn sie so weiter kaufen wie bisher, haben wir immer noch einen Angebotsengpass.”