Staatsanleihen-Abverkauf steht auf wackligen Beinen – so wie die Kunjunkturerholung auch

Staatsanleihen-Abverkauf steht auf wackligen Beinen – so wie die Kunjunkturerholung auch

Die Renditen von zehnjährigen deutschen Staatsanleihen sind am Montag bis auf 1,92 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit fast 17 Monaten, da die Anzeichen einer weltweiten Konjunkturverbesserung Spekulationen anheizten, dass die Federal Reserve im nächsten Monat ihr Bondkaufprogramm reduzieren wird. Doch die Euro-Peripherie schwächelt weiter – Rezession und Arbeitslosigkeit sprechen gegen steigende Bond-Renditen.

Zwar zeigten Daten aus der vergangenen Woche, dass der Euroraum im zweiten Quartal seine bisher längste Rezession hinter sich gelassen hat. Aber Italien und Spanien, die dritt- beziehungsweise viertgrößte Volkswirtschaft der Währungsgemeinschaft, wiesen jeweils eine Schrumpfung auf, auch liegt die Arbeitslosenquote in der Region auf einem Rekordhoch von 12,1 Prozent.

“Einige Indikatoren waren stark, aber in den nächsten Wochen und Monaten muss sich das noch erhärten”, sagt Werner Fey, Fondsmanager bei Frankfurt Trust Investment GmbH. “Dieser Trend könnte schwer zu halten sein und es könnte gewisse Enttäuschungen geben. Ich würde bei etwa zwei Prozent kaufen.”

Die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen sind am Montag auf den höchsten Stand seit dem 27. März 2012 geklettert, nachdem sie in der vergangenen Woche 20 Basispunkte gewonnen hatten, das stärkste Plus seit knapp zwei Monaten. Zuletzt lag die Rendite bei 1,86 Prozent.

Im Euroraum ist das Bruttoinlandsprodukt zwischen April und Juni um 0,3 Prozent gestiegen, nach einer Schrumpfung von 0,3 Prozent in den drei Monaten zuvor. In den sechs Quartalen bis Ende März war das BIP jeweils gesunken, die längste Schrumpfungsphase seit der Einführung des Euro im Jahr 1999. Zwar hat sich der Ausblick verbessert, jedoch dürfte die Wirtschaft laut den Prognosen von Ökonomen aus einer Bloomberg- Umfrage in diesem Jahr um 0,6 Prozent schrumpfen, verglichen mit einer erwarteten Jahreswachstumsrate von 1,6 Prozent für die USA.

Rezession in Spanien, Italien und Frankreich

Für Italien erwarten die Volkswirte einen BIP-Rückgang von 1,8 Prozent, bei Spanien und Frankreich rechnen sie mit einem Minus von 1,5 Prozent beziehungsweise 0,2 Prozent. Deutschland wird ihren Prognosen zufolge wohl um 0,4 Prozent wachsen und damit weniger als im vergangenen Jahr, als das BIP um 0,7 Prozent stieg.

“Das Wachstum wird anständig sein, aber nicht spektakulär”, sagt Michael Leister, leitender Stratege für festverzinsliche Papiere bei der Commerzbank AG in London, die bis Jahresende mit einem Rückgang der Zehn-Jahres-Renditen auf 1,80 Prozent rechnet. “Das impliziert eine Lockerungstendenz der Europäischen Zentralbank und etwas niedrigere Renditen.”

Die Rendite von Bundesanleihen wird bis Jahresende auf 1,78 Prozent sinken, lautet die Medianschätzung von 27 Analysten. Im Juli waren die Experten noch von einem Wert von 1,80 Prozent ausgegangen. Im zweiten Quartal nächsten Jahres sehen sie die Rendite bei zwei Prozent.

Sell-Off bei Gilts und Treasuries

Trotz eines Renditeanstiegs haben deutsche Bundesanleihen sich besser entwickelt als britische und US-amerikanische Bonds gleicher Laufzeit. Weltweit haben Staatsanleihen nachgegeben, weil Investoren eine Reduzierung der Stützungsmaßnahmen durch die Fed befürchten. Bunds haben in diesem Jahr bisher 2,4 Prozent verloren, wie aus den Bloomberg World Bond Indexes hervorgeht. Zum Vergleich: US-Treasuries haben 3,8 Prozent eingebüßt und britische Gilts 4,7 Prozent.

“Der Renditeanstieg ist auf die Annahme zurückzuführen, dass die Zentralbanken vor einem Ausstieg aus ihren Sondermaßnahmen stehen”, sagt Harvinder Sian, leitender Stratege für festverzinsliche Papiere bei Royal Bank of Scotland Group Plc in London. “Die Märkte fragen sich, ob die Sondermaßnahmen noch benötigt werden. Die europäische Wirtschaft bleibt in einem wackeligen Zustand, daher glaube ich nicht, dass die EZB früh die Zinsen erhöhen wird. Es gibt Grenzen, wie stark Länder wie Spanien und Italien wachsen können.” Der Stratege sagte, er “kann nicht sehr viele Investoren finden”, die auf Bundrenditen von längerfristig mehr als zwei Prozent spekulieren.

Ein von einigen Händlern verwendeter Momentumindikator zeigt, dass Bundesanleihen in den vergangenen Tagen überverkauft waren. Der Index für die relative Stärke in den vergangenen 14 Tagen lag für die zehnjährigen Renditen am Dienstag bei 73, nachdem er am Montag auf 78 geklettert war. Ein Wert über 70 signalisiert einen zu starken Anstieg. Letztmals hatte der Index die Marke von 78 am 24. Juni durchbrochen, anschließend folge eine dreiwöchige Rally bei Bundesanleihen.

“Wir sehen Versuche, die Renditen unter die psychologisch wichtige Marke von zwei Prozent zu drücken”, sagt Marius Daheim, leitender Stratege für Festverzinsliche bei der Bayerischen Landesbank in München. Er sieht die Rendite bei zehnjährigen Bunds bis Jahresende auf 1,70 Prozent fallen. “Die Erholung im Euroraum wird angesichts der jüngsten Daten nicht so glatt verlaufen wie einige meinen. Das könnte ein Realitätstest für das Renditeniveau sein.”

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