Spanien – "Es wird einen Schneeballeffekt bei den Schulden geben"

Dazu kommt die sich verschärfende Rezession, die die Bemühungen, das zweitgrößte Haushaltsdefizit in der Eurozone einzudämmen, vereitelt. Entsprechend gegen Experten davon aus, dass Spanien auch 2013 das Defizitziel verfehlen wird. Außerdem sind aktuell die zehnjährigen Finanzierungskosten Spaniens immer noch zu hoch und langfristig nicht haltbar...

Spanien – "Es wird einen Schneeballeffekt bei den Schulden geben"

Am Dienstag erreichte die Rendite der zehnjährigen Spanien-Bonds ein Achtwochenhoch, nachdem sie von einem Euro-Ära-Rekord im Juli um mehr als zwei Prozentpunkte gefallen war. Die Rezession hat Spanien bereits das fünfte Jahr in Folge im Griff und bremst Ministerpräsident Mariano Rajoys Anstrengungen aus, Sparmaßnahmen durchzusetzen und das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen.

“Es wird einen Schneeballeffekt bei den Schulden geben, weil die Rate nicht niedrig genug ist, um eine Verschlechterung” beim Verhältnis von Verschuldung zu Bruttoinlandsprodukt zu verhindern, erklärte Axel Botte, Stratege bei Natixis Asset Management in Paris. “Spanien wird wahrscheinlich seine Defizitziele verfehlten. Die Renditen sind immer noch recht hoch.”

Im laufenden Jahr muss Spanien nach Einschätzung von Zinsstratege Justin Knight von der UBS in London durchschnittlich jeden Monat 10 Mrd. Euro an Anleihen auflegen. Am 22. Januar beschaffte das Land über die Emission einer zehnjährigen Anleihe 7 Mrd. Euro, wobei die Rendite bei rund 5,4 Prozent lag. Für den 7. Februar sind Emissionen mit Laufzeiten bis 2015, 2018 und 2029 angekündigt.

Die spanische Regierung hat bereits signalisiert, dass sie das Ziel einer Reduzierung des Haushaltsdefizits im vergangenen Jahr auf 6,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes wohl verfehlt hat. Für dieses Jahr sind 4,5 Prozent angepeilt.

Schwierige Monate

“Das werden einige schwierige Monate für Spanien, die Finanzierungskosten sind nicht so niedrig, dass sie in ihren Bemühungen nachlassen könnten”, sagte Owen Callan, Analyst bei Danske Bank in Dublin. “Vom politischen Standpunkt aus ist es wahrscheinlich günstig genug, dass sie weiter Bonds auflegen können und nicht um Kredithilfe bitten müssen. Langfristig ist es aber wahrscheinlich nicht haltbar, wenn man die Wachstumsraten in Spanien betrachtet.”

In den drei Monaten bis Ende Dezember ist das spanische BIP um 0,7 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Quartal gefallen, wie das Nationale Statistikamt in Madrid am 30. Januar mitteilte. Damit fiel die Kontraktion stärker aus als die 0,6 Prozent, die die spanische Zentralbank am 23. Januar prognostizierte. Für das Gesamtjahr 2012 lag die spanische Wirtschaftsleistung 1,37 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Für dieses Jahr erwarten Volkswirte einen Rückgang des BIP in Spanien von 1,5 Prozent, während sie in der Euroregion nur ein Minus von 0,1 Prozent sehen.

“Die spanische Wirtschaft ist noch lange nicht über den Berg, und das wird die Volatilität erhöhen und könnte die Renditen wieder nach oben treiben”, erklärte Michiel de Bruin, Leiter Euro-denominierte Staatsanleihen bei F&C Group in Amsterdam. “Die spanischen Renditen dürften ziemlich volatil bleiben, sie haben deutlich von der Jagd nach Rendite und den reduzierten Extremrisiken profitiert. In den nächsten Monaten werden wahrscheinlich die Fundamentaldaten in den Blick rücken.”