Spanien und das Defizit – ist es zu hoch, dann "gute Nacht"

Spanien und das Defizit – ist es zu hoch, dann "gute Nacht"

Mit Spannung warten Anleger und Ratingagenturen auf die Veröffentlichung des spanischen Haushaltsdefizits im Jahr 2012. Die Daten, die in diesem Monat bekannt gegeben werden, gelten als Lackmustest für das erste Amtsjahr des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy.

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob es Rajoy mit seinen fünf Runden an Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen im vergangenen Jahr - als Spanien einem Hilfsantrag gefährlich nahe kam - gelungen ist, die Finanzierungslücke im Haushalt einzudämmen.

Während die Finanzierungskosten im Zehn-Jahres-Bereich seit ihrem Hoch im Juli um mehr als 200 Basispunkte zurückgekommen sind, stufen zwei der drei größten Ratingagenturen spanische Staatsanleihen noch immer knapp über “Ramsch‘‘-Niveau ein. Im Falle einer weiteren Herabstufung könnten spanische Schuldpapiere für einige Anleger zu riskant werden.

‘‘Spaniens Haushaltsdefizit ist auschlaggebend’’, sagte Harvinder Sian, leitender Anleihestratege von Royal Bank of Scotland in London, in einem Telefoninterview. ‘‘Eine Zahl nahe und natürlich höher als acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2012 wird das Risiko von Rating-Abstufungen erhöhen. Obwohl wir es nahe 7,5 Prozent erwarten, haben die Regionen in den letzten paar Jahren späte Überraschungen geliefert.’’

Von Bloomberg News im Januar befragte Ökonomen gehen davon aus, dass Spanien für das vergangene Jahr ein Defizit von acht Prozent des BIP ausweisen wird. Das entspricht der Erwartung der EU-Kommission, allerdings wäre dies schlechter als die ursprünglich anvisierten 6,3 Prozent.

Moody’s Investors Service und Standard & Poor’s stufen spanische Staatsanleihen mit den Bonitätsnoten ‘‘Baa3’’ beziehungsweise ‘‘BBB-’’ ein - jeweils der niedrigsten Stufe im Bereich ‘‘Investment Grade’’. Bei Fitch Ratings wird Spanien eine Stufe höher mit ‘‘BBB’’ bewertet, der Ausblick für die Ratings ist - wie auch bei Moody’s - negativ. Sollten die Bonitätsnoten des Landes auf ‘‘Ramsch‘‘-Niveau abgestuft werden, könnte Spaniens Marktzugang erschwert werden.

‘‘Eine Herabstufung auf ein Niveau unter ’Investment Grade’ wäre ein ernsthafter Rückschlag’’, sagte der europäische Zinsstratege Peter Schaffrik von RBC Capital. ‘‘Es gibt eine hohe Anzahl an Konten, die Spanien einfach nicht mehr halten würden, was zu höheren Renditen führt.’’

Im Juli war die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von Spanien auf den Höchststand von 7,75 Prozent gestiegen. Dank der Zusage von EZB-Präsident Mario Draghi, alles in seiner Macht stehende zur Verteidigung des Euro zu unternehmen, und der Einrichtung eines unbegrenzten EZB-Anleihekaufprogramms, gingen die Renditen wieder zurück. Zuletzt rentierten zehnjährige Schuldpapiere mit 5,41 Prozent.

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