Schuldenmachen für Österreich so billig wie noch nie

Schuldenmachen für Österreich so billig wie noch nie

Die Republik als Krisengewinnler – Österreich musste für seine Schulden noch nie so niedrige Zinsen zahlen wie derzeit. Am Dienstag fielen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen auf 1,893 Prozent. Zum Vergleich: Griechische Anleihen hielten bei einem Zinssatz von 24,861 Prozent, spanische bei 6,817 %.

Europa driftet weiter auseinander – zumindest was die Zinsen betrifft, welche die Euro-Länder für ihre Schulden zahlen müssen. Während angeschlagene Länder wie Griechenland Zinsen in Höhe von fast 25 % in Kauf nehmen müssen, sinken die Renditen für Euro-Länder, in deren vermeintliche Sicherheit Anleger flüchten, auf die tiefsten Niveaus seit Jahrzehnten. So zahlte Österreich zuletzt auf zweijährige Anleihen sogar einen „Negativzins“ – soll heißen Investoren mussten etwas drauflegen um ihr Geld hier zu parken. "Dass wir Geld dafür bekommen, dass Anleger ihr Geld zwei Jahre bei uns parken, ist erfreulich", erklärte die Finanzministerin Maria Fekter am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz laut APA. Der Zins signalisiert den Preis für das Risiko, "daher freut es mich, dass Anleger Österreich als risikolos sehen".

Zinsen für Staatsschulden: Um 210 Millionen € weniger als 2011

Tatsächlich zahlte Österreich in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres für Zinsen und Spesen deutlich weniger, als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Laut dem aktuellen Überblick über das laufende Budget wurden um 210,5 Millionen € weniger gezahlt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Auch bei den langfristigen Zinsen zahlt Österreich, ebenso wie Deutschland oder andere EU-Kernländer wie Frankreich, so niedrige Zinsen wie nie zuvor. Am Dienstag rentierten Österreichs zehnjährige Anleihen auf einem neuen Tiefststand von 1,893 Prozent. Im Juni lagen die Zinsen für langfristige staatliche Schuldverschreibungen bei 2,18.

Schuldenmachen so billig wie nie zuvor

Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 sank die Rendite langfristiger staatlicher Schuldverschreibungen kontinuierlich. 2009 musste Österreich noch 4,29 % in Kauf nehmen, 2008 sank die Rendite für langfristige staatliche Schuldverschreibungen auf 4,25 %, 2009 waren es dann nur mehr 3,92 % und 2010 gar nur mehr 3,16. Lediglich im Jahr 2011 verzeichnet die entsprechende Statistik einen Anstieg auf 3,29 %. Seit Jänner dieses Jahres geht es aber rapide bergab: Von 3,12 (Jänner) auf 2,18 % im Juni. Übersetzt heißt das nichts anderes, dass das Schuldenmachen für die Republik derzeit so günstig ist wie nie zuvor. OeNB:Renditen langfristiger staatlicher Schuldverschreibungen im internationalen Vergleich

Innerhalb der Eurozone finanzierten sich im Juni nur Deutschland (1,43 %), die Niederlande (1,93 %) und Finnland 1,77 % (für langfristige Schuldverschreibungen) noch günstiger als Österreich. Deutlich teurer war die Finanzierung hingegen für Portugal (Juni-Wert: 10,56 %), Griechenland (27,70 %) oder Irland (7,21 %).

Die Märkte geben es und nehmen es

Auch wenn Österreich derzeit auf der Butterseite der Krise gelandet ist, zeigt der Fall Irland, wie schnell es gehen kann, dass Investoren ihr Geld abziehen und die Renditen in die Höhe schnalzen. In den Jahren zwischen 2000 und 2007 rentierten langfristige Schuldverschreibungen Irlands meist unter dem Niveau der österreichischen. 2004 etwa lagen die Renditen für irische Staatsanleihen bei 3,94 %, jene Österreichs bei 4,07 %. Sogar Deutschland (4,06%) musste in diesem Jahr höhere Zinsen in Kauf nehmen als die kleine Insel im Atlantik. Nur wenige Jahre und etliche Bankenrettungspakete später mussten die Iren unter den Euro-Schutzschild schlüpfen und am Höhepunkt sogar einen Zinssatz von 9,38 % (2011) in Kauf nehmen. Das auch Österreich vor Banken-Ausruitschern nicht gefeit ist, zeigen die Fälle Hypo-Alpe-Adria, Kommunalkredit und ÖVAG.

Eurobonds würden Schulden teurer machen

Das extrem günstige Zinsniveau erklärt auch, warum sich Länder wie Deutschland beim Thema Eurobonds taub stellen. So günstig wie in der aktuellen Krise hat Deutschland seine Schulden seit den 80er Jahren nicht mehr bedienen können. 1980, am Beginn der auf der OeNB-Seite veröffentlichten Aufzeichnungen, rentierten langfristige staatliche Schuldverschreibungen Deutschlands bei 8,49 % - im Juni 2012 bei 1,43 %.

1999 als der Euro als Buchgeld eingeführt wurde, lag die Bandbreite, die die Eurostaaten für ihre langfristigen Schuldverschreibungen zahlen mussten zwischen 4,43 % (Deutschland) und 6,30 % (Griechenland). Sieben Jahre davor 1992 zahlten die Griechen noch 24,01 %, während deutsche Anleihen bei 7,85 % rentierten, österreichische bei 8,17 %. Insofern hat sich heute 20 Jahre später wenig verändert. Mit dem einzigen Unterschied, dass sich der deutsche und österreichische Staat im Jahr 2012 deutlich günstiger finanzieren, als vor 20 Jahren.

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