Russland: Die sagenhafte Anleihen-Rally

Russland: Die sagenhafte Anleihen-Rally

Risikofreudige ausländische Investoren sind in Russland bereits aktiv und haben mit ihren Käufen die Renditen der Staatspapiere auf Rekord-Tiefs gedrückt. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

Herzstück der Reform ist die Modernisierung des Handels. So werden Bond-Käufe und -Verkäufe zukünftig über Euroclear laufen. Der Konkurrent der Deutsche Börse -Tochter Clearstream ist der größte Transaktionsabwickler für Anleihen. Ende Dezember oder Anfang Januar soll es soweit sein.

Er habe zwar schon russische Bonds gekauft, sagt Fondsmanager Andrew Keirle von T. Rowe Price. Für eine Ausweitung seines Engagements warte er aber darauf, dass er seine Transaktionen über Euroclear abwickeln könne.

In den kommenden drei Jahren könnten zehn bis 20 Milliarden Dollar frisches ausländisches Geld in russische Schuldtitel fließen, prognostiziert Michael Mon, Portfolio-Manager beim Vermögensverwalter AllianceBernstein. Dies wäre im Vergleich zu 2012 eine Verdrei- bis Verfünffachung. Barclays-Anlagestratege Koon Chow ist noch optimistischer. Er rechnet allein bis 2014 mit einem Mittelzufluss von 25 bis 40 Milliarden Dollar.

Der Credit Suisse zufolge haben ausländische Anleger seit Jahresbeginn drei bis vier Milliarden Dollar in russische Staatsanleihen - sogenannte OFZ - gesteckt. Darüber hinaus hielten Hedgefonds Derivate auf diese Papiere im Volumen von fünf bis sieben Milliarden Dollar.

Vor diesem Hintergrund sind die Renditen für zehnjährige russische Papiere in den vergangenen Monaten um fast 200 Basispunkte auf aktuell 6,8 Prozent gefallen. Im Vergleich zu Bundesanleihen werfen sie aber immer noch deutlich mehr ab: Zehnjährige deutsche Staatspapiere kommen derzeit gerade einmal auf einen Gewinn von 1,396 Prozent - bei einer Inflationsrate von etwa zwei Prozent. "Wir erwarten für das kommende Jahr bei den zehnjährigen russischen Papieren einen Rendite-Rückgang um weitere 85 Basispunkte", sagt Barclays-Experte Koon.

Russland gering verschuldet

Für russische Anleihen spricht unter anderem die geringe Staatsverschuldung. Sie liegt bei etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Zum Vergleich: Die deutschen Schulden liegen bei rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung. Russland hat darüber hinaus eine Schuldenbremse beschlossen, die die Kreditaufnahme auf ein Prozent des BIP begrenzt. Im laufenden Jahr wird das Land voraussichtlich einen kleinen Haushaltsüberschuss erwirtschaften.

Aber: Die Staatseinnahmen hängen stark von der Entwicklung des Ölpreises ab. Für einen ausgeglichenen Haushalt muss der Preis für dieses wichtige Exportgut bis mindestens 2015 über 104 Dollar bleiben, prognostiziert das russische Finanzministerium. Um auch noch 2020 einen ausgeglichenen Etat zu erreichen, sei sogar ein Ölpreis von 119,50 Dollar notwendig. Derzeit kostet ein Barrel (Fass zu 159 Liter) der richtungsweisenden Nordsee-Sorte Brent etwa 110 Dollar.

Die Experten der Raiffeisen Bank weisen auf ein weiteres Problem hin, dass die OFZ-Nachfrage dämpfen könnte. Die Inflation, die im April auf ein Rekord-Tief von 3,6 Prozent gesunken war, ist inzwischen wieder auf sieben Prozent gestiegen. Sollten die Renditen der russischen Titel weiter zurückgehen, droht eine negative Real-Verzinsung. Darunter versteht man die Rendite abzüglich der Inflationsrate.

Dieser Effekt könnte aber durch eine Aufwertung des Rubel aufgefangen werden, betonen die Experten der Barclays Bank. Sie erwarten innerhalb der kommenden zwölf Monate einen Kursanstieg der russischen Währung zum Dollar um drei Prozent.

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

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