Ratingprojekt: Agenturen liegen bei Italien falsch

Ratingprojekt: Agenturen liegen bei Italien falsch

Während Moody's Italien zuletzt von "A3" auf "Baa2" herunterstufte, bewertet das unabhängige Ratingprojekt INCRA die Lage weit positiver. Die Analyse von INCRA: Italiens Note wäre in der gängigen Ratingskala ein AA. Bei Moody'y liegt das Italien-Rating nur noch zwei Stufen über dem Niveau, das Papiere als spekulative Anlagen wertet.

Deutschland, Frankreich, Italien, Brasilien und Japan: Diese fünf Lander wurden vom Ratingprojekt INCRA in einer Studie durchleuchtet: Frankreich, das heut von Moody's heruntergestuft wurde - findet sich bei INCRA insgesamt auf Rang zwei wieder. Anders als im Urteil der großen kommerziellen Rating-Agenturen schneidet auch Italien mit einer Bewertung, die im gängigen Schema der Note AA entspräche, relativ gut ab. Am schwächsten wird das hoch verschuldete Japan eingestuft.

Trotzdem sieht INCRA auch bei Frankreich Reformbedarf: "Makroökonomisch sind die französischen Daten nicht so schlecht. Aber man muss sehen, dass die angegangenen Reformmaßnahmen nicht in die richtige Richtung gehen", sagte die Projektleiterin Annette Heuser am Dienstag in Berlin. Die Bertelsmann Stiftung stellte dort ihre Machbarkeitsstudie für eine erste unabhängige und nicht gewinn-orientierte Ratingagentur vor. Frankreich erhielt darin die Note AA+ und liegt damit nur knapp unter der Einstufung Deutschlands, das die Topnote AAA hält. Frankreichs Bewertung sei zwar nach wie vor solide. Doch könne wegen der steigenden Schuldenlast und der Herabsetzung des Rentenalters die Bewertung sinken, warnte die Bertelsmann Stiftung.

INCRA als Reaktion auf Kritik an führenden Ratingagenturen

Das Konzept für eine internationale, nicht-gewinnorientierte Ratingagentur (INCRA) wurde von der Bertelsmann Stiftung angestoßen. Es stellt eine Reaktion auf die teils heftige Kritik an den kommerziellen, den Markt dominierenden Agenturen Moody's, Standard & Poor's sowie Fitch und deren Rolle bei der tiefen Finanzkrise 2008/2009 dar. Die vorgestellten Ratings werden von den Initiatoren als "Praxistest" für ein Konzept bezeichnet, das auch international, etwa von der G20-Gruppe der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer, vorangetrieben werden sollte.

Die "INCRA"-Experten verwendeten für ihre Länderratings neben den gängigen finanziellen und ökonomischen Indikatoren weitere vorausschauende Kriterien. Konkret geht es etwa um die Güte des Krisenmanagements der Staaten, die Investitionen in und die Erschließung von zukünftigen Ressourcen. Auch die Reformfähigkeit der Staaten ist ein wichtiges Kriterium. Damit wird der Kanon der Bewertungsmaßstäben für die Urteile zur Länderbonität erweitert.

Das an Deutschland verliehene bestmögliche Bonitätsurteil trägt nach Angaben der Autoren der Tatsache Rechnung, dass das Land bislang am besten von allen Mitgliedern der Euro-Zone deren Krise gemeistert habe. Einschränkend verweisen die Experten aber darauf, dass der Spitzenplatz bei der Bonität durch weitere gesellschaftspolitische Reformen langfristig abgesichert werden müsse. Verwiesen wird auf die demografischen Risiken, die hohe Gesamtverschuldung von über 80 Prozent der Wirtschaftsleistung und die hohen Eventualverbindlichkeiten im Rahmen der Haftung für kriselnde Eurostaaten von über 300 Milliarden Euro.

Die relativ gute Bewertung Italiens wird unter anderem mit der hohen Qualität des Krisenmanagements in dem Land begründet. Das vergleichsweise schwache Urteil für Japan ist vor allem eine Folge der Mega-Verschuldung des Landes von fast 230 Prozent.

Hintergrundbericht zum Ratingprojekt INCRA

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