Ratingagenturen - "Es gibt sie, weil man sie haben muss, nicht weil die Leute an sie glauben"

Ratingagenturen - "Es gibt sie, weil man sie haben muss, nicht weil die Leute an sie glauben"

Französische Staatsanleihen, die in einem Jahr oder später fällig werden, haben seit der Herabstufung von “AAA” auf nun “AA+" am 13. Januar 7,4 Prozent zugelegt. Sie haben sich damit besser entwickelt als Bonds aus “AAA“-Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder Australien, belegen Indizes von Bank of America Merrill Lynch.

Statt zu steigen, sind die Renditen der zehnjährigen Frankreich-Bonds stärker gefallen als die Bundesanleihen oder Treasuries, die in turbulenten Zeiten als sicherer Hafen gelten.

Die Entwicklung Frankreichs zeigt, dass Investoren die Analyse der Ratingfirmen mit Blick auf die weltgrößten Volkswirtschaften als irrelevant ansehen. Auch die Anleihen Österreichs, das gleichzeitig abgestuft wurde, entwickelten sich besser als mit “AAA” eingestufte Länder und für die USA sackten die Finanzierungskosten nach der Herabstufung durch S&P ebenfalls ab.

Etwa in der Hälfte der Fälle entwickeln sich die Renditen auf Staatsanleihen bei einer veränderten Ratingbewertung in eine andere Richtung als die neue Note nahegelegt hätte, zeigt die Auswertung von 314 Hochstufungen, Abstufungen und Ausblick-Änderungen seit 1974 durch Bloomberg.
“Ratingfirmen verlieren ihre Glaubwürdigkeit”, sagt Shinji Kunibe, leitender Portfoliomanager für Festverzinsliche bei Nissay Asset Management. “Länder wie Frankreich mit einer AA-Bewertung werden als absolut sicher wahrgenommen.”

Hollande - das Maß aller Dinge?

Als S&P Frankreich im Januar zusammen mit acht weiteren Euro-Ländern abstufte, lautete die Begründung, dass die Entscheidungsträger in der Region die Schuldenkrise nicht in den Griff bekämen. Die Refinanzierungskosten einiger Länder könnten erhöht bleiben, hieß es.
Dazu kam es bei Frankreich allerdings nicht. Stattdessen konnte sich Präsident Francois Hollande, der im Mai gewählt worden war, über stetig sinkende Kosten freuen.

Dabei hatte er eine Verlagerung weg von einem Sparkurs und hin zu einer stärkeren Förderung des Wachstums propagiert. Er stellt derzeit 60.000 Schullehrer ein, hat den Mindestlohn um zwei Prozent erhöht und bereitet eine Steuer in Höhe von 75 Prozent für Staatsbürger vor, die mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen. Ab 2013 sollen dann die Staatsausgaben eingefroren werden.

Die Rendite zehnjähriger französischer Bonds sackte am 3. August auf das Rekordtief von 2,002 Prozent ab, verglichen mit 3,08 Prozent zum Zeitpunkt der Herabstufung durch S&P. Zehnjährige Bunds fielen gleichzeitig nicht ganz so stark: von 1,77 Prozent am 13. Januar auf 1,25 Prozent am 3. August. Die Rendite vergleichbarer US-Treasuries sank um weniger als 40 Basispunkte.

Aufwand für Schuldendienst sinkt

Dank der niedrigeren Kreditkosten muss Frankreich auch weniger zahlen, um seine Schulden zu bedienen. Die Summe sinkt in diesem Jahr auf 47,4 Mrd. Euro, verglichen mit zuvor erwarteten 48,8 Mrd. Euro, erklärte das Finanzministerium. Im Vorjahr lagen die Ausgaben Frankreichs für den Schuldendienst bei 46,3 Mrd. Euro.

Der Renditeaufschlag französischer Bonds gegenüber deutschen Staatsanleihen beträgt lediglich noch 60 Basispunkte - am 13. Januar waren es noch 131 Basispunkte. Mit dieser Maßzahl werden am Markt Risiken eingeschätzt. Kreditausfallversicherungen (Credit-Default Swaps, CDS) für französische Bonds sackten am Montag auf 96 Basispunkte ab, den niedrigsten Wert seit dem 22. Juli 2011. Beim Downgrade hatten sie noch bis zu 223 Basispunkte gekostet.

Buhmänner der Finanzkrise

Die größten Investoren vertrauen den Ratingfirmen nicht mehr, nachdem sie für das Anfachen der größten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre mit verantwortlich gesehen werden, sagt der frühere Chef für strukturierte Produkte bei S&P. Dabei haben die Firmen seit mehr als einem Jahrhundert mitbestimmt, welche Kosten auf Staaten und Konzerne bei Finanzierungen zukommen.

“Es gibt sie, weil man sie haben muss, nicht weil die Leute an sie glauben”, sagte David Jacob, der im Dezember von der Ratingagentur gefeuert wurde, im Interview mit Bloomberg News im Juni.

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