Rating halten um jeden Preis? Was uns Finnland zeigt

Rating halten um jeden Preis? Was uns Finnland zeigt

Die Bemühungen Finnlands, sein stabiles AAA-Rating zu bewahren und die Finanzierungskosten niedrig zu halten, sind wenig erfreulich für die Unternehmen des nordeuropäischen Landes. Sie müssen nach eigenen Angaben Stellen streichen, während der Rest Europas sich von der Krise erholt.

Die Regierung in Helsinki hängt ihre Erholungshoffnungen an eine restriktive Haushaltspolitik. Das größte Hindernis für Finnland ist jedoch die fehlende Diversifizierung der Industrie, kritisiert Tiina Helenius, Chefvolkswirtin bei Svenska Handelsbanken AB in Helsinki.

Nach dem langsamen Niedergang des Konzerns Nokia Oyj, der früher Garant für Wachstum und Stellen in der finnischen Volkswirtschaft war, tut sich das nördlichste Euro-Mitglied schwer damit, neue Industrien als Ersatz aufzutun. In den vergangenen sechs Wochen haben mehr als ein Dutzend finnische Unternehmen ihre Gewinnprognosen reduziert, zudem wollen Eckpfeiler der Schwerindustrie wie Outotec Oyj Hunderte von Stellen streichen.

“Die Schwierigkeiten beruhen auf Finnlands industrieller Struktur”, erläutert Helenius. “Die weltweiten Industrie- und Investitionszyklen sind die wichtigsten Antriebsfaktoren in unserer Volkswirtschaft. Leider haben sie sich nicht so gut wie in der Vergangenheit entwickelt.”

Finnlands wirtschaftliche Probleme deuten darauf hin, dass Staaten, die den Schwerpunkt auf ein sparsames Haushalten legen, einen Anstieg der Verschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt riskieren. Ministerpräsident Jyrki Katainen warnte im September, dass die Staatsverschuldung im nächsten Jahr trotz einer Reihe von Haushaltskürzungen erstmals das Limit der Europäischen Union von 60 Prozent des BIP übersteigen werde.

Finnland ist zwar das Land der Eurozone mit dem besten Rating, aber die Volkswirtschaft des Landes wird in diesem Jahr stärker schrumpfen als die 17 Länder umfassende Währungsunion. Der Internationale Währungsfonds erwartet einen Rückgang des finnischen BIP um 0,6 Prozent, verglichen mit einem Minus von 0,4 Prozent in der Eurozone. Die Arbeitslosenquote stieg im September auf 7,6 Prozent, nach 7,1 Prozent im Vormonat, wie das nationale Statistikamt am Dienstag mitteilte. Die Exporte lagen laut Daten der Zollbehörde im August elf Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, wobei der Absatz von Maschinen, forstwirtschaftlichen Gütern, Stahl und Medikamenten am stärksten zurückging.

Die Probleme der finnischen Industrie rühren teilweise daher, dass sie es verpasst hat, die wachsende chinesische Nachfrage nach Konsumgütern zu nutzen, wie Kim Gorschelnik, Leiter Aktienanalyse bei Tapiola Bank Oyj in Helsinki, erläutert. “Die Unternehmen sind sehr abhängig vom Wachstum und den Infrastrukturprojekten in China”, sagt Gorschelnik. “Die Verschiebung der chinesischen Nachfrage von Investitionsgütern hin zu Konsumgütern trifft die Börse Helsinki ziemlich hart.”

Laut Angaben der Zollbehörde machen Konsumgüter gerade einmal zehn Prozent der finnischen Exporte aus, während Investitionsgüter auf 29 Prozent kommen. Die verbleibenden 61 Prozent teilen sich in Rohstoffe und Energieprodukte auf. In Schweden und Deutschland liegt der Anteil der Konsumgüter an den Exporten mindestens doppelt so hoch, erläutert Volkswirtin Helenius.

Die Erfahrung, die Finnland jetzt macht, dürfte ein warnendes Beispiel dafür sein, wie schnell sich das Blatt in einer Volkswirtschaft wenden kann. Helenius zufolge haben die Finnen es versäumt, rechtzeitig in Wachstumsbranchen zu investieren. “Das Problem liegt darin, dass unsere Industrie vielleicht nicht genug in Produkterneuerung und Innovation investiert hat”, führt sie aus. “Als viele finnische Unternehmen vor der Finanzkrise sehr erfolgreich den Boom in Schwellenländern ausgenutzt haben, hat das vielleicht dazu geführt, dass viele Firmen Dinge wie Produktdifferenzierung, Entwicklung und die Schaffung neuer Geschäftsfelder vernachlässigten.”

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