Österreich lässt sich von Negativzinsen nicht verführen

Die Republik Österreich lässt sich durch die negativen Zinsen für kurzfristige Anleihen nicht dazu verleiten, ihr Schuldenmanagement umzustellen und mehr Geld kurzfristig aufzunehmen, erklärt Martha Oberndorfer, Chefin der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA).

Österreich lässt sich von Negativzinsen nicht verführen

"Ein solches Vorgehen würde das Risiko erhöhen und außerdem weiß man nie, was die Zinslandschaft tun wird."

Derzeit würde die Republik (bei einer Neuemission) sogar zwei Jahre laufende Anleihen praktisch geschenkt bekommen, die bis zu einem Jahr laufenden "Bills" sind durch die Bank negativ verzinst. Die kurzfristige Finanzierung soll "im einstelligen Prozentbereich bleiben", sagte Oberndorfer in Alpbach zur APA. Die durchschnittliche Laufzeit aller Schuldtitel des Bundes beläuft sich derzeit auf 8,9 Jahre. Per Ende Juli beträgt die Bundeschuld 184,1 Mrd. Euro.

Niedrige Zinsen sind ZEichen der Verunsicherung

Aber auch die langfristigen Zinsen (10 Jahre) sind mit 2,1 Prozent so niedrig wie seit Menschengedenken nicht. "Das ist einerseits ein Phänomen, das die Verunsicherung der Märkte zeigt, andererseits schauen sich die Märkte Daten wie Wettbewerbsfähigkeit oder Arbeitslosigkeit genauer an und das ist gut für Österreich." Bei der Kennzahl der Wirtschaftsleistung (BIP) pro Kopf habe sich Österreich in der Krise sogar verbessert. Als Folge sei die Republik in den Bond-Indizes stärker gewichtet worden, was zu einer größeren Nachfrage geführt habe.

Während sich Deutschland aus dem Direktverkauf von Bundesschatzbriefen an Private zurückgezogen hat, wird Österreich seine Internet-Plattform bundesschatz.at beibehalten, sagte Oberndorfer. "Zum einen haben wir dabei 50.000 Kunden, die wir nicht verlieren wollen und andererseits ist es Teil der E-Government-Initiative der Regierung."