Niederlande: Geht das "AAA" verloren?

Niederlande: Geht das "AAA" verloren?

Mit einer steigenden Arbeitslosenrate, einer Inflation von über zwei Prozent, sinkenden Immobilienpreisen und einer schwachen Binnennachfrage driften die Niederlande nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) von anderen Ländern mit Top- Rating weg.

Die Rendite zehnjähriger niederländischer Staatsanleihen ist im Mai um rund 15 Basispunkte auf 1,73 Prozent gestiegen. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen hat sich von 18 Basispunkten zu Jahresbeginn auf 30 Basispunkte erhöht. Die Niederlande treten am Dienstag am Kapitalmarkt auf und bieten eine zehnjährige Anleihe an.

“Der IWF hat bei den Fundamentaldaten Abwärtsrisiken für die Volkswirtschaft ausgemacht”, sagt Peter Chatwell, Leitender Stratege für Festverzinsliche bei der Crédit Agricole Corporate & Investment Bank in London. “Im Kontext einer allgemein schwachen Euroraum-Volkswirtschaft besteht da ein Risiko, dass am Markt noch nicht voll eingepreist ist”, ergänzt er.

Dritte Rezession in vier Jahren

Die Niederlande befinden sich in der dritten Rezession innerhalb von vier Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt der fünftgrößten Volkswirtschaft der Eurozone ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres das dritte Quartal in Folge geschrumpft, und zwar um 0,1 Prozent. Gleichwohl erfreut sich das Land noch immer der viertniedrigsten Finanzierungskosten unter den 17 Mitgliedern der Europäischen Währungsunion.

Die Niederlande, Deutschland, Finnland und Luxemburg sind als “AAA“-Länder übriggeblieben, nachdem Frankreich und Österreich im vergangenen Jahr heruntergestuft wurden. Moody’s Investors Service, Standard & Poor’s sowie Fitch Ratings haben jedoch alle einen negativen Ausblick für die Bonitätsnote der Niederlande.

Chatwell empfiehlt Investoren, auf eine Ausweitung der Renditedifferenz zwischen beiden Ländern zu setzen und zehnjährige niederländische Bonds zu verkaufen und deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit zu kaufen.

Haushaltslücke soll verringert werden

Die Niederlande haben seit 2009 die für die Europäische Union geltende Defizitobergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschritten. Mit einem über vier Jahre laufenden Sparprogramm im Volumen von 16 Milliarden Euro, das die Regierung im Oktober ankündigte, soll die Haushaltslücke wieder verringert werden. Die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte will im weiteren Verlauf des Jahres über zusätzliche Maßnahmen im Umfang von 4,3 Milliarden Euro für 2014 entscheiden, die erforderlich wären, um die Ziele für kommendes Jahr zu erreichen.

“Der Unterschied zwischen Deutschland und den Niederlanden ist in Wahrheit viel größer als die Zahlen zeigen”, sagt Carsten Brzeski, Leitender Volkswirt bei ING in Brüssel. “Der deutsche Verbraucher gibt tatsächlich Geld aus und die Arbeitslosenrate ist stabil. Zudem steigt das reale Einkommen in Deutschland, während es in den Niederlanden sinkt”, fügt er an.

Entspricht das Rating auch den tatsächlichen volkswirtschaftlichen Indikatoren?

Die meisten volkswirtschaftlichen Indikatoren der Niederlande sind negativ: Die Verbraucherausgaben sind seit 20 Monaten rückläufig, die Anlageinvestitionen sanken im ersten Quartal um 11,6 Prozent, die Arbeitslosenrate stieg im April auf 8,2 Prozent, was 650.000 Arbeitslosen entspricht.

“Wir sind nicht sicher, ob diese Entwicklungen im Einklang stehen mit der erstklassigen Bonitätsnote der Niederlande”, sagt Chatwell.
Dijsselbloem hat einen optimistischen Ausblick. “Die Volkswirtschaft hat den Boden erreicht”, sagte er am 15. Mai. Die Regierung ergreife Maßnahmen, um die Erholung, die in der zweiten Jahreshälfte einsetzen werde, zu stützen, ergänzte er.

Die niederländischen Staatsanleihen haben sich in diesem Monat im Einklang mit den anderen “AAA“-Bonds entwickelt. Sie brachten den Investoren einen Verlust von 0,8 Prozent ein, wie Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) zeigen. Deutsche Bundesanleihen verloren 1,1 Prozent, finnische Papiere 0,7 Prozent.

“Als Investor sind die Niederlande für mich immer noch ein sicherer Hafen”, sagt Herbert Vroon, Vermögensverwalter bei Optimix Vermogensbeheer in Amsterdam. “Die zugrundeliegende Schuldenlage der Niederlande ist nicht so schlecht wie es den Anschein hat, weil die niederländischen Pensionsfonds über so viel Geld verfügen.”

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