Nach Zins-Skandal: EZB bastelt an "Euribor 2.0"

Nach Zins-Skandal: EZB bastelt an "Euribor 2.0"

Den durch Manipulationen in Verruf geratenen europäischen Interbankenzins Euribor könnte es schon bald nicht mehr geben. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet Finanzkreisen zufolge zusammen mit einer Reihe von Großbanken an einer Alternative, die die Refinanzierungskosten der Geldhäuser authentischer abbildet und damit Tricksereien erschwert.

Im Idealfall könne ein "Euribor 2.0" geschaffen werden, der teilweise auf den freiwilligen Angaben der Kreditinstitute beruht, aber auch echte Marktpreise mit einbezieht, erläuterte ein Insider am Mittwoch. "Damit könnte man vielleicht schon im Herbst an den Start gehen." Anfang Juli sollten die Beratungen der EZB und der Banken in Brüssel konkretisiert werden, sagte ein anderer Eingeweihter.

Den Informationen zufolge dringt die EZB auf ein vorsichtiges Vorgehen, um Marktverwerfungen bei einer Umstellung zu vermeiden. Der Euribor ist Grundlage für Finanztransaktionen im Volumen von 250 Billionen Euro. Ähnlich wie der Londoner Interbankenzins Libor, der im Zentrum des Manipulationsskandals steht, beruht der Euribor bislang ausschließlich auf den - von außen nicht nachprüfbaren - Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Sie melden einmal täglich die Zinsen, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Auf dieser Basis wird dann der Euribor-Referenzzins ermittelt, an dem sich die Preise für viele Finanzprodukte wie Hypotheken oder Tagesgeld orientieren.

Banken aus Euribor-Festsetzung ausgestiegen

Viele Banken waren zuletzt aus der Euribor-Festsetzung ausgestiegen, weil ihnen die rechtlichen Risiken zu groß wurden. Dazu zählten neben der US-Bank Citigroup, der niederländischen Rabobank und der Schweizer UBS auch deutsche Landesbanken wie die LBBW und die Helaba. Damit verschärft sich das Problem allerdings: Denn je weniger Geldhäuser bei der Festsetzung mitmachen, desto einfacher ist es für einzelne Akteure, den Satz durch falsche Angaben zu verzerren. Auch dadurch ist der Druck gestiegen, den Euribor von Grund auf zu reformieren.

Für den Libor soll bis 2014 ein hochrangig besetztes Expertengremium Reformvorschläge unterbreiten, wie am Dienstag bekanntgeworden war. Auch hier geht es um die Frage, ob der Zins möglicherweise ganz ersetzt werden muss, um das Vertrauen der Märkte wiederherzustellen.

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