Nach zwei Monaten ist der EZB-Effekt schon wieder Geschichte

Nach zwei Monaten ist der EZB-Effekt schon wieder Geschichte

Böse Zungen könnten behaupten, dass die Investoren das Vertrauen in den Erfolg der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) als Krisenbekämpfungsmittel wieder verlieren. Außerdem schwächelt die Euro-Kunjunktur immer mehr, selbst die deutsche Wirtschaft sah auch schon einmal besser aus.

Die Renditen der zweijährigen deutschen Staatsanleihen sind erstmals seit dem 6. September wieder unter die Marke von null Prozent gefallen. An diesem Tag hatte EZB-Präsident Mario Draghi seinen Bondkaufplan für in Schwierigkeiten geratene Euro-Mitglieder angekündigt. Dies trieb die Nachfrage nach höher rentierlichen Staatspapieren wieder an und ließ die Renditen der deutschen Anleihen auf den höchsten Stand seit Juli klettern.

Inzwischen haben jedoch Anzeichen für ein langsameres Wachstum und neuerliche Sorgen wegen eines möglichen Euro-Ausstiegs Griechenlands den Appetit der Investoren auf die als besonders sicher geltenden deutschen Papiere wieder geweckt. "Es gibt mehr Pessimismus hinsichtlich der Wirtschaft und einige Befürchtungen hinsichtlich Griechenlands", sagte David Kohl, stellvertretender Chefvolkswirt bei Julius Bär in Frankfurt. "Die Konjunktur schwächt sich sehr viel mehr ab als die EZB erwartet hat. Kapital fließt in deutsche Anleihen in einer Flucht in die Sicherheit."

Am Mittwoch im späten Handel lag die Rendite der zweijährigen Papiere bei minus 0,038 Prozent. Am 22. Oktober hatte sie bei 0,138 Prozent den höchsten Stand seit dem 2. Juli erreicht.

Am Dienstag veröffentlichte Zahlen zeigen, dass Dienstleistungssektor und verarbeitendes Gewerbe in der Eurozone im Oktober den neunten Monat in Folge geschrumpft sind - ein weiteres Anzeichen für einen flauen Konjunkturgang in der Eurozone. Die EU-Kommission nahm am Mittwoch ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone 2013 deutlich zurück und rechnet nunmehr nur noch mit einem Plus von 0,1 Prozent, während sie zuvor von einem Prozent ausgegangen war. Außerdem ist die Schuldenkrise nun endgültig auch in Deutschland angekommen, so sind etwa die Exporte im September zurückgegangen.

In der Nacht zum Donnerstag hat der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras in einer Parlaments-Abstimmung ausreichend Stimmen für einige geplante Sparmaßnahmen erhalten. Diese sind Voraussetzung für die Freigabe weiterer Mittel für das finanziell angeschlagene Land. In einer weiteren Abstimmung soll am 11. November über den Haushaltsplan für 2013 entschieden werden. Am 12. November beraten dann die Finanzminister der Eurozone, ob sie die nächste Hilfstranche im Volumen von 31 Mrd. Euro freigeben wollen. Sollte dies nicht geschehen, droht Griechenland der finanzielle Kollaps und möglicherweise der Austritt aus der Eurozone.

Zufriedenstellende Bond-Auktion Spaniens

Spanische Bond-Renditen sind am Donnerstag nach der Auktion neuer Staatsanleihen spürbar gestiegen. Händler sagten, die neuen Papiere müssten vom Markt erst einmal aufgenommen werden, deshalb gebe es verstärkte Verkäufe der bereits gehandelten. Die Rendite spanischer Zehnjähriger zog auf 5,86 Prozent an, nach 5,72 Prozent im späten Vortagesgeschäft. Das war der höchste Stand seit Mitte Oktober. Fünfjährige Titel warfen 4,7 (4,55) Prozent ab.

"Grundsätzlich ist die Auktion positiv zu werten, wenn auch mit Einschränkungen", sagte ein Händler. "Aber wenn man sich die aktuellen Renditen anschaut, da haben sie doch vor zwei Monaten von geträumt." Das südeuropäische Land hat für insgesamt 4,8 Milliarden Euro neue Anleihen ausgegeben und damit die Finanzierung für das Gesamtjahr erfolgreich abgeschlossen. Erstmals seit eineinhalb Jahren wurde auch wieder eine über 20 Jahre laufende Anleihe versteigert.

Spanien kann nun in den verbleibenden Auktionen im November und Dezember bereits für 2013 Gelder einsammeln. Die Anleger griffen auch bei den erstmals seit Mai 2011 wieder aufgelegten 20-jährigen Anleihen zu: Das Land brachte Papiere im Volumen von 732 Mio. Euro an den Mann. Die Nachfrage überstieg das Angebot um das 2,1-Fache, was als Vertrauensbeweis der Investoren gewertet wurde. "Die 20-jährige Anleihe war ein Erfolg", sagte Estefania Ponte von Cortal Consors. Allerdings musste das Land einen relativ hohen Zins von 6,328 Prozent für die langlaufenden Papiere bieten.

Freuen konnte sich Spanien hingegen über geringere Kosten bei den Anleihen mit Laufzeit bis 2015. Die Renditen sanken auf 3,66 nach 3,95 Prozent bei einer Auktion Anfang Oktober.

Im Schlepptau der spanischen Papiere gerieten auch italienische Anleihen unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Schuldverschreibungen stieg auf 4,99 Prozent von 4,92 Prozent im späten Vortagesgeschäft.

EZB-Sitzung wohl unspektakulär

Einen weiteren Rettungsnachschlag in der Eurokrise wird es von der EZB heute wohl nicht geben. Nach Einschätzung von Ökonomen wird die Notenbank auf ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag nämlich keine weiteren geldpolitischen Großtaten verkünden. Im Mittelpunkt der Pressekonferenz von Mario Draghi dürfte ganz das neue Anleihekaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions) stehen. Er sollte mit Blick auf die Schuldenkrise aber vor allem auf die Politik verweisen, die jetzt handeln müsse.

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

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