Monti warnt vor Inflationsgefahr in Deutschland

Kurz vor Beginn eines Arbeitsbesuchs bei der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der italienische Premierminister Mario Monti vor der Gefahr einer steigenden Inflation in Deutschland gewarnt. Die EZB an Bondkäufen zu hindern, wie es die Bundesbank tun will, könnte sich für die Deutschen als Eigentor erweisen, warnte Monti.

Monti warnt vor Inflationsgefahr in Deutschland

Die Situation mit den Risikoaufschlägen, den niedrigen Zinssätze, sowie dem Preisanstieg im Immobilienbereich würden ein Potenzial für eine wachsende Inflation in Deutschland darstellen. "Ich glaube, dass das weder den Wünschen der Europäischen Zentralbank (EZB), noch der deutschen Regierung entspricht", sagte Monti im Gespräch mit der Mailänder Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" am Mittwoch.

"Die EZB daran zu hindern, wie es die Bundesbank tun will, in den Markt der Staatspapiere einzugreifen, um Unausgewogenheiten zu mildern, könnte sich insbesondere aus deutscher Sicht als Eigentor mit paradoxen Auswirkungen erweisen", warnte Monti.

Der italienische Ministerpräsident warnte auch davor, dass die hohen Risikoaufschläge ein Problem für Europa seien. "Das ist ein Problem, nicht nur für die Staaten, sondern auch für Unternehmen, die sich in einem Land wie Italien mit zu hohen Kosten finanzieren müssen. Das ist ein Faktor, der auf gravierende Weise den internationalen Wettbewerb unter Unternehmen verzerrt", so Monti.

Der Premier war am Dienstagabend in Brüssel mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zusammengekommen. Bei dem kurzfristig angesetzten Treffen ging es um die wirtschaftliche Lage und die Euro-Krise, berichteten Diplomaten. Die beiden Spitzenpolitiker äußerten sich selbst nicht. Italien kämpft wie Spanien gegen hohe Zinsen für seine Staatsanleihen und hofft darauf, dass die Europäische Zentralbank zur Linderung des Drucks Ankäufe für diese Papiere beschließt. Die Notenbank wird am 6. September darüber beraten.