"Mit der EZB-Zinssenkung sinkt die Hoffnung auf eine vernünftige Altersvorsorge"

"Mit der EZB-Zinssenkung sinkt die Hoffnung auf eine vernünftige Altersvorsorge"

Die Zinsentscheidung sei zwar vor dem Hintergrund einer niedrigen Inflation zu sehen, sagte der für Finanzpolitik zuständige stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Meister, der "Berliner Zeitung" (Online-Ausgabe). Allerdings sei schon jetzt zu viel Liquidität in den Kapitalmärkten.

"Die Gefahr von Vermögenspreisblasen existiert und wird durch diese Entscheidung nicht geringer", erklärte der CDU-Politiker.

Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider gab zu Bedenken, dass die EZB für den Fall einer Verschlechterung der immer noch fragilen Lage nun kaum noch Spielraum habe. "In Deutschland steigt das Risiko von kreditgetriebenen Vermögenspreisblasen bei Immobilien oder Aktien weiter", warnte Schneider zudem.

Geschäftsmodell der Lebensversicherer wird "final auf den Prüfstand gestellt"

Verbraucherschützer haben die Leitzinssenkung auf den historischen Tiefstand von 0,25 Prozent ebenfalls kritisiert. Damit sinke die "Hoffnung auf eine vernünftige Altersvorsorge", sagte der Vorstand des deutschen Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, dem Berliner "Tagesspiegel" (Freitagsausgabe). Auf diese Weise würden diejenigen bestraft, die für das Alter etwas ansparen wollten.

Kleinlein befürchtet dem Bericht zufolge, dass mit der Leitzinssenkung weitere Lebensversicherer aus dem aktiven Geschäft aussteigen werden. Das Geschäftsmodell der Branche werde damit "final auf den Prüfstand gestellt".

"Finanzielle Repression"

Die EZB macht nach Überzeugung des Ökonomen Michael Hüther nur noch Geldpolitik für die Krisenländer im Süden Europas. Dieser und der vorausgegangene Zinsschritt seien nicht für den gesamten Euroraum angemessen, sagte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Freitag der dpa in Frankfurt: "Es kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn man den Rest vergisst."

Hier sei Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gefordert, denn den Sparern würden erhebliche Probleme gebracht: "Was wir erleben, ist eine finanzielle Repression."

EZB-intern umstritten – Weidmann vs. Draghi

Die überraschende Zinssenkung der EZB auf 0,25 Prozent war nach Informationen einer mit den Beratungen vertrauten Person sehr stark umstritten. "Gut ein Viertel der 23 EZB-Ratsmitglieder hat sich gegen den Zinsschritt in diesem Monat ausgesprochen", sagte der Insider, der nicht namentlich genannt werden wollte, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann habe die Opposition gegen den Kurs von EZB-Chef Mario Draghi angeführt, die Mehrheit habe dann aber für einen frühen Zinsschritt votiert. Einige aus der Gruppe um Weidmann hätten sich eine Zinssenkung im Dezember vorstellen können, wenn die bis dann vorliegenden Teuerungsdaten auf Deflationsgefahren hingewiesen hätten.

Der EZB-Rat hat am Donnerstag überraschend den Leitzins für die 17 Staaten der Währungsgemeinschaft auf 0,25 Prozent herabgesetzt. Die Währungshüter begründeten ihre Entscheidung mit der extrem niedrigen Inflation. Zudem schloss EZB-Präsident Mario Draghi auch eine weitere Zinssenkung nicht aus.

Das Online-Portal Bondcube vermittelt Anleihenhändler untereinander. Die deutsche Börse sieht darin ein lukratives Geschäftsmodell.
 

Anleihen

Die Deutsche Börse beteiligt sich an einem Dating-Portal für Anleihenhändler

Die Diskontairline Ryanair will eine Anleihe zur Finanzierung neuer Flugzeuge ausgeben.
#Ryanair
 

Anleihen

Ryanair nimmt Kurs auf die Börse: Anleihe zur Finanzierung neuer Jets

Deutschlands zweitgrößte Airline hat eine Anleihe aufgestockt, um die Schrumpfkur bezahlen zu können
#Air Berlin
 

Anleihen

Air Berlin holt sich 75 Millionen