"Mit der EZB-Versicherung ist die Angst geschwunden"

Italien zieht auch in Erwägung, 2013 eine neue Benchmark-Anleihe mit 30-jähriger Laufzeit aufzulegen, sollte sich die Nachfrage weiter verbessern. Insgesamt werden nächstes Jahr Anleihen im Volumen von 115 Mrd. Euro fällig, 40 Mrd. Euro weniger als in diesem Jahr.

"Mit der EZB-Versicherung ist die Angst geschwunden"

Der Nettofinanzierungsbedarf von Italien wird 2013 um 20 Mrd. Euro sinken. Das teilte die Leiterin der italienischen Schuldenverwaltung, Maria Cannata, in einem Interview mit Bloomberg News in Rom mit. “Das kommende Jahr wird sicherlich weniger stressig als dieses, weil die Fälligkeiten sich besser auf das Jahr verteilen”, sagte Cannata.

Besorgnis der Investoren, ob Italien in der Lage ist, seine Staatsverschuldung in Höhe von 1,9 Billionen Euro zu bewältigen, hatte die Rendite zehnjähriger Italien-Anleihen vergangenes Jahr bis auf sieben Prozent getrieben. Italien hat die zweithöchste Staatsverschuldung innerhalb der Eurozone.

Zusicherungen von der Europäischer Union und Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäische Zentralbank, Staatsanleihen angeschlagener Länder wie Italien aufzukaufen, haben inzwischen dazu beigetragen, die italienische Rendite auf ein Niveau zu drücken, das Cannata als tragfähig bezeichnet.

“Der Draghi-Effekt wird noch eine Weile anhalten”, sagte Cannata, “dann müssen wir abwarten, wie sich die Situation auf europäischer Ebene entwickelt. Aber im Moment sehe ich keine großen Bewegungen am Horizont”.

Italienische Bonds haben am Mittwoch leichte Kursverluste verzeichnet, die Rendite stieg um einen Basispunkt auf 5,09 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber zehnjährigen deutschen Bundesanleihen lag bei 361 Basispunkten.

"Gefahrenzone"

Cannata zufolge war das Renditeniveau im vergangenen November mit über sieben Prozent im zehnjährigen Bereich und einer flacher werdenden Renditekurve eine “Gefahrenzone” für die Tragfähigkeit der Schulden.

Die relative Ruhe an den Bondmärkten in jüngster Zeit trägt dazu bei, dass Investoren zurück in den italienischen Anleihenmarkt kommen und könnte dem Finanzministerium ermöglichen, verstärkt längerfristige Anleihe aufzulegen, um die durchschnittliche Laufzeit der Schulden zu verlängern. Cannata zufolge wird die durchschnittliche Restlaufzeit der Anleihen Ende des Jahres wohl bei 6,7 Jahren liegen.

“Sobald wir eine Gelegenheit sehen, die durchschnittliche Laufzeit unserer Schulden zu verlängern, werden wir dies versuchen”, sagte Cannata. Dafür wäre eine neue 15-jährige Benchmarkanleihe erforderlich, selbst ein 30-jähriger Bond wäre möglich, sofern die entsprechende Nachfrage vorhanden sei, fügte sie an.

Im September hatte Italien eine Anleihe mit einer Laufzeit von 15 Jahren am Markt untergebracht - die erste in diesem Jahr in diesem Laufzeitenbereich.

80 Prozent des Finanzierungsbedarfs 2012 gedeckt

Cannata zufolge hat Italien 80 Prozent seines Finanzierungsbedarfs für dieses Jahr gedeckt. Anzeichen für eine Rückkehr ausländischer Investoren in den italienischen Markt lassen Cannata zuversichtlich einer für diesen Donnerstag geplante Auktion längerfristiger Anleihen entgegensehen.

“Bis Ende August haben wir viel Nachfrage bei zwei- und dreijährigen Anleihen gesehen”, berichtete Cannata. Im September sei die Nachfrage sehr rasch auf längere Laufzeiten übergesprungen, selbst auf Papiere mit 15-jähriger Laufzeit ergänzte sie.

“Mit der Versicherung in Form einer starken Präsenz der EZB sind viele der entstandenen Ängste geschwunden. Und jetzt schauen sich diejenigen nach Gelegenheiten um, die in Bunds oder anderen mit “AAA“-benoteten Anleihen, die so gut wie keine Erträge abliefern, geblieben sind”, sagte Cannata.

Die Rendite der zehnjährigen Italien-Bonds ist um mehr als 120 Basispunkte gesunken, seit Draghi erstmals am 2. August signalisierte, die EZB sei bereit, Anleihen der Euro-Länder zu kaufen, um deren Finanzierungskosten zu drücken. Draghis neues Bond-Kauf-Programm soll zusammen mit Anleihekäufen durch die Euro-Rettungsfonds erfolgen. Länder, die diese Hilfen beantragen, erhalten sie nur unter bestimmten Auflagen.

Die EZB hat erklärt, sie werde Anleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu drei Jahren ankaufen. Dies bedeute jedoch nicht, dass Italien nun bei seinen Emissionsplänen verstärkt diese Laufzeiten favorisieren werde, erklärte Cannata. “Das wäre wohl etwas kurzsichtig”, sagte sie. “Wir haben zwar die Emission in dem Laufzeitenbereich dieses Jahr erhöht, aber das lag an den Rückzahlungen, die wir abzudecken hatten”.

Kleinanleger überzeugen

Das Finanzministerium versucht auch, die italienischen Kleinanleger zu überzeugen, mehr Anleihen ihres Staates zu kaufen. Für die kleinen privaten Anleger wird in diesem Monat die dritte so genannte BTP Italia-Anleihe angeboten. Sie kann vom 15. Oktober bis 18. Oktober bei Banken und Postämtern gezeichnet werden.

Die bisherigen Emissionen kamen unterschiedlich gut an. Die erste Kleinanleger-Anleihe im März zog Zeichnungen im Volumen vor 7,3 Mrd. Euro an. Im Juni, bei der zweiten Emission, waren es lediglich 1,7 Mrd. Euro. Cannata führt dies unter anderem auf das Erdbeben in der Region Emilia-Romagna zurück. Das Papier sichert einen realen Mindestertrag zu, der Nominalwert ist bei Fälligkeit garantiert und Anleger, die bis Fälligkeit halten, erhalten eine Prämie. Für kommendes Jahr denkt Cannata an möglicherweise nur zwei Neuemissionen dieser Kategorie.