"Japan begeht Doppel-Selbstmord"

"Japan begeht Doppel-Selbstmord"

Die “riesige Wette” der Währungshüter, eine konjunkturelle Trendwende durch eine starke Ausweitung der quantitativen Lockerung (QE) zu erreichen, wird nicht funktionieren, so Fujimaki. Die QE-Ankündigung vom Chef der japanischen Notenbank, Haruhiko Kuroda, kommt einem Doppel-Selbstmord zusammen mit der Regierung gleich.

Die japanische Notenbank hat am 4. April angekündigt, die monatlichen Anleihekäufe auf 7,5 Billionen Yen (58,6 Mrd. Euro) zu verdoppeln. Das entspricht etwa 70 Prozent der geplanten Bondemissionen des weltweit am höchsten verschuldeten Landes. Gouverneur Haruhiko Kuroda will innerhalb von zwei Jahren ein Jahres-Inflationsziel von zwei Prozent erreichen, das auf Drängen von Ministerpräsident Shinzo Abe im Januar eingeführt wurde. Kuroda will bis Ende 2014 die monetäre Basis auf 270 Billionen Yen steigern.

“Durch eine Ausweitung der monetären Basis auf 270 Billionen Yen geht die japanische Notenbank eine riesige Wette ein, die sie meiner Meinung nach letztlich verlieren wird”, sagte Fujimaki am 11. April in einem Interview in Tokio. “Die QE-Ankündigung von Kuroda kommt einem Doppel-Selbstmord zusammen mit der Regierung gleich. Die japanischen Währungshüter werden das Schicksal des Landes teilen müssen und zusammen in den Zahlungsausfall gehen.”

Der japanische Notenbankgouverneur hat in der vergangenen Woche erklärt, er würde für die Lockerung keine zeitliche Beschränkung festsetzen und hätte derzeit alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um das Inflationsziel zu erreichen. Die von Kuroda angekündigten Schritte schickten Yen zum Dollar auf ein Vier-Jahres-Tief von 99,95 Yen und heizten die Volatilität am Staatsanleihemarkt an. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe sank am 5. April um bis zu 14 Basispunkte auf ein Rekordtief von 0,315 Prozent.

Erste Anzeichen für einen größeren Bond-Ausverkauf

“Die Volatilität am japanischen Anleihemarkt sowie die Tatsache, dass es starke Verkäufe gab, spiegeln die Besorgnis der Anleger wider”, erklärte der Präsident von Fujimaki Japan, einer Anlageberatung in Tokio. “Das sind erste Anzeichen für einen größeren Ausverkauf und wir sollten die Bewegungen bei langfristigen Bonds beobachten.”

Die japanischen Währungshüter werden auf die zunehmenden Preisschwankungen flexibel reagieren, erklärten Vertreter der Notenbank am 11. April in einer Sitzung mit Marktteilnehmern.

Fujimaki sagte, er habe vor kurzem Verkaufsoptionen auf japanische Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten erworben. Er hält weiterhin Immobilien in Japan und Optionen mit einer Laufzeit von weniger als fünf Jahren, die das Recht beinhalten, den Yen gegen den Dollar zu verkaufen.

Gewaltige Schulden

“Mit Japans Finanzen geht es steil bergab”, erklärte Fujimaki. “Wenn man so gewaltige Schulden hat, kann man einem Marktcrash in der Zukunft nicht entrinnen.”

Japans ausstehende Staatsanleihen, Schatzanweisungen und Ausleihungen stiegen Ende 2012 auf ein Rekordvolumen von 997,2 Billionen Yen, wie Daten des Finanzministeriums zeigen. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die Schulden in diesem Jahr auf 245 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt ansteigen und damit das sechste Jahr in Folge wachsen werden.

Der japanische Topix Index hat seit dem 15. November, als Abe einen Monat vor den Wahlen ein “unbegrenztes” Gelddrucken durch die Notenbank forderte, mehr als 50 Prozent zugelegt. “Die Dinge sehen derzeit vielleicht rosig aus, weil die Aktienkurse steigen. Aber sollte es eine Hyper-Inflation geben, wird die japanische Notenbank einen riesigen Ausverkauf erleben, was zu einem Crash am Aktienmarkt führen dürfte”, erklärt Fujimaki. Er habe “fast seine gesamten” japanischen Aktienpositionen vor einiger Zeit verkauft, fügt er hinzu.

Kurodas Vorgänger Masaaki Shirakawa hatte vor den Gefahren einer zu hohen Liquidität gewarnt. Auf seiner letzten Sitzung als Notenbankgouverneur sagte er, dass die Kosten und Risiken der Geldpolitik erst lange nach Ergreifen der Maßnahmen offensichtlich werden und die japanische Notenbank Disziplin halten müsse.

“Shirakawa hat mehr als nötig getan und hatte gute Gründe, nicht mehr zu unternehmen”, erläutert Fujimaki. “Es wird enorme Nebeneffekte aus den geldpolitischen Stützungsmaßnahmen geben. QE funktioniert nicht und es gibt keinen Ausstieg.”

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