Italien-Comeback geht weiter – Anleger reißen sich um Anleihen

Italien hat sich am Kapitalmarkt wieder etwas Luft verschafft und profitiert immer mehr vom langfristigen Vertrauen der Anleger.

Italien-Comeback geht weiter – Anleger reißen sich um Anleihen

Das Land sammelte am Mittwoch insgesamt 6,5 Milliarden Euro ein. Bei zehnjährigen Papieren begnügten sich Investoren mit der niedrigsten Rendite seit Oktober 2010. Sie fiel auf 4,17 Prozent, nach 4,48 Prozent bei der Emission im Dezember. "Das Interesse an italienischen Papieren bleibt hoch, die Nachfrage ist da", sagte Alessandro Giansanti, Analyst bei ING. Auch Chiara Cremonesi von UniCredit bezeichnete die Auktion als erfolgreich. Italien habe das Maximalvolumen am Markt untergebracht und die Renditen seien weiter heruntergegangen. Der positive Trend setze sich also fort.

In Italien wird Ende Februar eine neues Parlament gewählt. Das Lager von Regierungschef Mario Monti hinkt in Umfragen hinter einem Mitte-Links-Bündnis und einer Mitte-Rechts-Koalition um Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi hinterher. Viele Bürger sind mit Montis Sparkurs unzufrieden. Zudem ist das Land in der Rezession. Beobachter sorgen sich, dass mit einer neuen Regierung der Reformkurs erlahmen könnte.

Für Turbulenzen sorgte zuletzt auch die Affäre um die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, die mit umstrittenen Derivate- und Handelsgeschäften rund 720 Millionen Euro in den Sand setzte. Dies habe die Lage der übrigen italienischen Banken und die politische Situation insgesamt wieder ins Visier der Märkte gerückt, sagte Luca Jellinek von Credit Agricole CIB. "Trotzdem ist die Auktion wie schon die vergangenen gut gelaufen." Nach der Emission kletterte der Euro auf ein vorübergehendes Tageshoch von 1,3544 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 14 Monaten.

Für Deutschland sind paradiesische Zeiten vorbei

Während die Rendite für italienische Anleihen sinken, steigen sie für deutsche Papiere - allerdings auf niedrigem Niveau. Der Bund muss Investoren wieder höhere Zinsen bieten. Die Auktion einer 30-jährigen Bundesanleihe spülte ebenfalls am Mittwoch mehr als 1,6 Milliarden Euro in die Staatskasse. Dafür bekommen die Anleger eine durchschnittliche Rendite von 2,45 Prozent. Bei der vorigen Versteigerung im Oktober lag sie bei 2,34 Prozent, im Juli sogar nur bei 2,17 Prozent. Deutschland profitiert in der Schuldenkrise immer noch vom Ruf als sicherer Hafen, muss aber bei der Kreditaufnahme wieder Zinsen zahlen und kann nicht mehr wie zuletzt mit einer faktischen Prämie der Investoren rechnen. Denn inzwischen fassen Anleger wieder mehr Vertrauen in Krisenstaaten wie Italien und sind deshalb kaum noch bereit, bei anderen Anlagen auf Rendite zu verzichten.