"Ist es eine gute Idee, dass wir alle gegenseitig für unsere Staatsschulden haften?"

"Ist es eine gute Idee, dass wir alle gegenseitig für unsere Staatsschulden haften?"

"Die gegenwärtige Niedrigzinsphase darf kein Dauerzustand sein, und darauf sollte sich auch niemand verlassen. Das sollten auch all jene bedenken, die sich jetzt verschulden", sagte Weidmann der "Bild am Sonntag". Trotz positiver Nachrichten von den Märkten dürfe der Kampf gegen die Krise nicht nachlassen, forderte Weidmann.

Die Ratingagentur Fitch stufte derweil die Kreditwürdigkeit des angeschlagenen Euro-Landes Slowenien herab. Fitch begründete die Entscheidung am Freitagabend mit merklich verschlechterten Aussichten für das Wirtschaftswachstum und den Staatshaushalt des unter einer schweren Bankenkrise leidenden Landes. Slowenien gilt als nächster Kandidat für Staatshilfen der Euro-Partner. Noch versucht das Land, seine Banken ohne externe Hilfe zu sanieren.

Die Bonitätswächter senkten die Note von bisher "A-" auf "BBB+". Der Ausblick für das Rating bleibt demnach negativ - damit droht eine weitere Herabstufung. Die aktuelle Bewertung liegt drei Noten über dem sogenannten Ramschniveau.

Konkurrent Moody's hatte die Bonitätsnote sogar bereits in den Ramschbereich ("Ba1") gesenkt. Die dritte große Agentur, Standard & Poor's, bewertet Slowenien aber weiterhin mit "A-".

Je schlechter ein Rating ist, desto teurer und schwieriger kann die Aufnahme von Geld am Kapitalmarkt werden. Oder anders gesagt: Die Zinsen könnten steigen, was eine ohnehin angespannte Finanzlage weiter verschärfen könnte.

Die Lage im hoch verschuldeten Zypern bleibt laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) trotz eines Hilfsprogramms kritisch. Es sei möglich, dass die Inselrepublik mehr Geld benötige, sollte ihre Konjunktur stärker schrumpfen als erwartet, heißt es in einem am Freitag in Washington vorgelegten IWF-Bericht. "Angesichts der ungewissen Auswirkung der Bankenkrise und Haushaltskürzungen auf die ökonomische Aktivität, bleiben die volkswirtschaftlichen Risiken ungewöhnlich hoch."

Warnungen vor Nebenwirkungen

Auch vor diesem Hintergrund warnte Bundesbank-Präsident Weidmann vor nachlassendem Eifer bei der Krisen-Bekämpfung. "Ich habe die Sorge, dass die gute Entwicklung an den Finanzmärkten und insbesondere die niedrigen Zinsen auch für Staatsanleihen dazu führen, dass der Kampf gegen die Ursachen der Krise mit weniger Nachdruck geführt wird", sagte er der "Bild am Sonntag". Das gehöre zu den "Risiken und Nebenwirkungen der Medizin, die Zentralbanken weltweit mit der Politik des billigen Geldes gerade verabreichen".

Hintergrund ist die Kritik der deutschen Notenbank an der Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Vor allem die Staatsanleihenkäufe hätten die Währungshüter zu eng mit der Politik verwoben. Die Unabhängigkeit der EZB sei bedroht. Die Bundesbank fürchtet, dass das Ziel stabiler Preise hinter fiskalische Interessen von Schuldenstaaten zurückgedrängt werden könnte. Allerdings ist die Inflation in der Eurozone derzeit sehr niedrig.

Weidmann, der auch Mitglied im EZB-Rat ist, bekräftigte die Vorbehalte gegen den Kurs von EZB-Präsident Mario Draghi: "Ist es eine gute Idee, dass wir einfach alle gegenseitig für unsere Staatsschulden haften? Eigentlich geht es doch darum, dass wir auf dem Weg zu einer stabileren Währungsunion vorankommen."

Zudem wehrte sich der Bundesbank-Präsident gegen Vorwürfe, die Bundesbank verhalte sich eurofeindlich: "Kritik an der Ausgestaltung einzelner Rettungsmaßnahmen bedeutet doch nicht, dass man den Euro abschaffen will. Im Gegenteil: Für die Bundesbank gilt, dass wir den Euro erhalten wollen und zwar als stabile Währung."

Druck auf Frankreich

Weidmann hat Frankreich zudem erneut zu einem zügigen Defizitabbau ermahnt. Er halte es für bedenklich, dem Land mehr Zeit für die Erfüllung der Euro-Stabilitätskriterien einzuräumen. Frankreich habe wie Deutschland als Schwergewicht im Euro-Raum eine besondere Verantwortung dafür, dass die im vergangenen Jahr verschärften Regeln zum Defizitabbau ernst genommen würden. "Die Glaubwürdigkeit der neuen Regeln wird sicher nicht gestärkt, wenn man die darin enthaltene Flexibilität gleich zu Anfang maximal ausschöpft. Wir dürfen auf keinen Fall die Erwartung wecken, dass am Ende die Geldpolitik die Probleme schon lösen wird."

Die EU-Kommission hatte vor einigen Wochen entschieden, Frankreich zwei Jahre mehr Zeit zum Abbau seines Defizits zu geben. Die Regierung in Paris hat den Sparkurs gelockert, um das Wirtschaftswachstum nicht zu stark abzubremsen.

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