Irland ist noch nicht aus dem Schneider...

Irland ist noch nicht aus dem Schneider...

Eigentlich hofft Irland darauf, bis zum Jahresende wieder vollen Zugang zu den internationalen Bondmärkten zu haben und will aus dem Rettungsprogramm aussteigen – gleichzeitig ist die Wirtschaft aber wieder in die Rezession gerutscht.

“Die anhaltenden Probleme für die Wirtschaft untergraben die Ansicht, dass Irland einen Fluchtweg gefunden hat, dem die anderen angeschlagenen Länder der Euro-Peripherie folgen können”, sagt Jonathan Loynes, Chefvolkswirt für Europa bei Capital Economics in London, “es ist noch zu früh für die Schlussfolgerung, dass Irland seinen Weg aus der Krise gefunden hat.”

In den vergangenen zwei Jahren sind die Kreditkosten rapide gesunken, nachdem die Regierung das Haushaltsdefizit und die Schuldenlast der Banken reduziert hat. Zehnjährige irische Staatsanleihen rentieren derzeit mit etwa 3,86 Prozent - verglichen mit mehr als neun Prozent, als Irland im November 2010 um Hilfe bat. Die Wirtschaft allerdings hat ihre Mühe zu wachsen, da sich die verschuldeten Verbraucher bei Ausgaben zurückhalten und die Exporte nachlassen.

“Wir sehen die ersten Anzeichen für eine Erholung im Inland, aber sie wird schleppend langsam sein”, erklärt John Reynolds, Konzernchef von KBC Bank Ireland in Dublin. “Es bestand niemals die Aussicht auf eine Erholung der Wirtschaft über Nacht”, stellte er fest.

Zerbrechliche Wirtschaft

Gegenüber Deutschland zahlt Irland derzeit einen Aufschlag von 2,18 Prozentpunkten bei der Geldaufnahme. Zum Vergleich: Bei Griechenland beträgt der Aufschlag 8,02 Prozentpunkte und bei Portugal 4,88 Punkte. Selbst Italien und Spanien, die nicht gerettet werden mussten, zahlen mehr als Irland, nämlich einen Aufschlag auf Bundesanleihen von 2,52 Prozentpunkten beziehungsweise 2,82 Punkten.

“Der Bond-Markt konzentriert sich meist auf weiter in die Zukunft blickende Indikatoren, wie Einkaufsmanager für Irland und die Eurozone”, sagt Rossa White, Chef-Volkswirt bei der National Treasury Management Agency, die die Schulden des Landes verwaltet. “Diese Zahlen deuten darauf hin, dass das Bild für den Rest des Jahres wohl besser aussieht als es die Zahlen für das erste Quartal andeuten.”

Die Wirtschaft bleibt jedoch zerbrechlich. Im ersten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,6 Prozent, sodass Irland erstmals seit 2009 wieder in eine Rezession zurückfiel. Der Einzelhandelsumsatz ging im Juni gegenüber dem Vormonat um 1,6 Prozent zurück und verzeichnete damit den stärksten Rückgang seit November, und auch das Verbrauchervertrauen trübte sich im vergangenen Monat ein. Marks & Spencer Plc kündigte in der vergangenen Woche an, vier Läden in Irland zu schließen und 180 Mitarbeiter zu entlassen. Die letzten paar Jahre hätten eine “große Herausforderung” dargestellt und der Ausblick habe sich nicht verbessert, hieß es.

Abgleiten in die Rezession?

Von Bloomberg befragte Volkswirte gehen davon aus, dass Irlands Wirtschaft in diesem Jahr um 0,8 Prozent wächst - bei einer Umfrage im Mai hatten sie noch mit 1,2 Prozent Zuwachs gerechnet. Loynes von Capital Economics ist allerdings deutlich pessimistischer und rechnet für 2013 mit einem BIP-Rückgang um 0,5 Prozent und für 2014 dann wieder mit einem Wachstum im gleichen Ausmaß.

Dem Ministerpräsidenten Enda Kenny stellt sich das Problem, dass sich ein schwächeres Wachstum in einer höheren Schuldenlast niederschlägt. Capital Economics sagt voraus, dass die irische Verschuldung - in die verfügbare Barmittel nicht eingerechnet sind - auf bis zu 140 Prozent des BIP klettern könnte. Das Finanzministerium hingegen erwartet, dass der Höhepunkt in diesem Jahr bei 123 Prozent erreicht wird.

Das könnte “die Märkte dazu veranlassen, die Kreditwürdigkeit Irlands neu zu bewerten, wodurch höhere Bond-Renditen drohen”, warnt Loynes. “Unserer Ansicht nach ist es voreilig, mit Sicherheit zu schließen, dass Irland jetzt sicher auf eigenen Beinen stehen kann.”

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