Investoren verschmähen deutsche Staatsanleihen

Investoren verschmähen deutsche Staatsanleihen

Die Versteigerung zehnjähriger Bonds spülte am Mittwoch nur 3,61 Milliarden Euro in die Staatskasse. Die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur hatte ein Volumen von fünf Milliarden Euro offeriert.

Die Gebote der Anleger summierten sich aber nur auf 3,93 Milliarden Euro. "Wir sehen eine starke Kaufzurückhaltung am Tag vor der EZB-Entscheidung", begründete ein Sprecher der Finanzagentur die Zurückhaltung der Investoren. Ein Risiko für den Etat von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gebe es aber nicht.

Die Anleger scheuten größere Investments vor der mit Spannung erwarteten Ratssitzung der Europäische Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag. EZB-Präsident Mario Draghi dürfte dann bekanntgeben, ob der umstrittene Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Staaten wie Spanien und Italien fortgesetzt wird, um so deren Zinskosten zu drücken. "Es wird darauf gewettet, dass Draghi Maßnahmen vorstellen wird, die den Peripherieländern helfen", sagte Rabobank-Analyst Richard McGuire. Das könne einen Verkauf deutscher Anleihen auslösen.

"Zinsen sind viel zu niedrig"

Auch das nach wie vor extrem niedrige Zinsniveau könnte Anleger abgeschreckt haben. Die Durchschnittsrendite lag wie bei der vorangegangenen Auktion im August bei 1,42 Prozent. "Dieses Niveau ist viel zu niedrig", sagte ING-Experte Alessandro Giansanti. Zum Vergleich: Zehnjährige französische Papiere werfen 2,3 Prozent ab.

Nach der Auktion kehrten Investoren an die Aktienmärkte zurück. Der Dax legte leicht zu, während der Bund-Future 26 Ticks auf 143,23 Punkte nachgab. "Wenn die Rentenmärkte schlecht laufen, sind Aktien eben wieder attraktiver", sagte ein Händler.

"Keinerlei Risiko"

Eine Gefahr für den Bundesetat sieht die Finanzagentur trotz der geringer als erwartet ausgefallenen Einnahme nicht. "Das Ergebnis bedeutet keinerlei Risiko für die Haushaltsfinanzierung", sagte der Sprecher. Die Finanzagentur behielt Anleihen im Wert von fast 1,4 Milliarden Euro ein, die sie zu einem späteren Zeitpunkt am Markt zu Geld machen kann. Das entspricht einer Marktpflegequote von 28 Prozent des angebotenen Volumens. Bislang lag sie in diesem Jahr für zehnjährige Bundesanleihen im Schnitt bei 18,4 Prozent.

Der Bund muss sich in diesem Jahr etwa 260 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen, um Altschulden zu tilgen und das Haushaltsloch zu schließen. Deutschland profitiert in der Schuldenkrise bislang von seinem Status als sicherer Hafen. Die Kreditwürdigkeit wird von den drei großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertete. Anleger sind deshalb bereit, bei der Rendite zurückzustecken.

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