Investoren schichten um: Afrika statt Europa

Investoren schichten um: Afrika statt Europa

Doch mittlerweile wirken Anleihen selbst aus solchen Ländern sicherer als Papiere aus den Euro-Staaten Spanien oder Italien. Dollar-Bonds aus Gabun und Ghana werden derzeit mit 5,7 oder 4,3 Prozent verzinst. Dagegen muss Italien die Investoren aktuell mit einer Rendite von fast sechs Prozent ködern, Spanien berappt sogar rund sieben Prozent.

"Die Zinsen bei afrikanischen Staatsanleihen zeigen, dass sie als weniger riskant angesehen werden als Bonds aus manchen europäischen Ländern", sagt Ravi Bhatia, Anleihenanalyst bei Standard & Poor`s.

Das Beispiel verdeutlicht, wie sehr aus der Sicht von Finanzinvestoren die Schuldenkrise die Grenze zwischen Industriestaaten und Schwellenländern bereits verwischt hat. Spätestens seit ein unkontrolliertes Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone befürchtet wird, hat sich die Einschätzung des Risikos gehörig gewandelt.

Griechenland selbst ist das beste Beispiel dafür: Der Indexanbieter MSCI prüft, das schuldengeplagte Land künftig als Schwellenland einzustufen. Es wäre das erste Mal, dass sich bei MSCI ein Staat aus dem Kreis der Industrienationen verabschieden muss. Während viele Anleger um ihr Geld in Griechenland bangen, beginnen andere, in genau diesen Markt zu investieren. So empfiehlt Broker Exotic den Kauf von Bonds aus Athen. Broker Exotic ist übrigens Spezialist für Anleihen aus den Frontier Markets - in die sich bislang nur die ganz wagemutigen Investoren gewagt haben.

Investoren schichten um

Die veränderte Wahrnehmung sei derzeit ein wichtiger Treiber für die Schwellenmärkte, sagt Jerome Booth, Analyst bei Ashmore Investment Management, die sich auf Schwellenländer konzentrieren und 66 Milliarden Dollar verwalten. Seit der Finanzkrise habe sich dieser Trend beschleunigt und der Trend sei ein ständiges Thema für große institutionelle Investoren. Die ganz große Investitionswelle ist dabei nach Ansicht von Booth noch gar nicht gekommen: "Nach der Entscheidung (auf Schwellenmärkte zu setzen) kann es bis zum wirklichen Investment zwei Jahre dauern." Aber schon jetzt stammen seinen Angaben zufolge bei Ashmore 40 Prozent des verwalteten Vermögens von Zentralbanken und Rentenfonds.

Insgesamt flossen in die Anleihenmärkte der Schwellenländer in der ersten Jahreshälfte nach Angaben des Fondsanalysten EPFR 23 Milliarden Dollar. In Fonds, die auf die Aktienmärkte der sich entwickelnden Staaten fokussiert sind, pumpten die Investoren 14 Milliarden Dollar. Im gleichen Zeitraum zogen Anleger von den Aktienbörsen der europäischen Industrieländer 22 Milliarden Dollar ab. Bei Rentenfonds beträgt der Abfluss zwar nur eine Milliarde, allerdings verloren diese Fonds 2011 bereits 29 Milliarden Dollar.

Die neue Risikobewertung rückt auch die sogenannten Frontier Markets, also Märkte auf dem Weg zum Schwellenland, stärker in den Fokus. Nun riskieren selbst konservative Anleger einen Blick auf manche afrikanischen oder lateinamerikanischen Länder. Dabei sind Investitionen hier und auf Schwellenmärkten nach wie vor nicht unbedingt eine sichere Sache. In den größten Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China - den sogenannten BRICs - verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum und der MSCI-Index für Schwellenmärkte ist im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent eingebrochen. Die größte Gefahr geht nach Meinung von Experten aber auch hier von Europa aus: Wird dort die Schuldenkrise nicht eingedämmt, geraten auch viele der aufstrebenden Staaten rund um den Globus aus dem Lot.

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