"In spanische Anleihen zu investieren und falsch zu liegen, bedeutet das Ende der Karriere"

"In spanische Anleihen zu investieren und falsch zu liegen, bedeutet das Ende der Karriere"

Am Bondmarkt ist der Emissionskalender für diese Woche gut gefüllt. Eine Reihe von Euro-Ländern, darunter Spanien, planen Marktauftritte noch bevor Mario Draghi nach der EZB-Sitzung am 6. September Genaueres zu seinen Bondankaufsplänen verkünden wird.

Insgesamt sollen gut 20 Mrd. Euro beschafft werden, so viel wie seit zwei Monaten nicht mehr. Belgien, Österreich, Deutschland, Frankreich und Spanien wollen vor der EZB-Sitzung am Donnerstagnachmittag in Frankfurt den Kapitalmarkt anzapfen.

Damit wird die spanische Bondauktion nach Einschätzung von Peter Allwright, Leiter Zinsen und Währungen bei RWC Partners in London, unattraktiv.“Eine Auktion so dicht an der EZB-Sitzung ist zu riskant”, sagt er. “In spanische Anleihen zu investieren und falsch zu liegen, kann das Ende der Karriere bedeuten”.

Spanien will nur wenige Stunden vor Draghis Pressekonferenz Anleihen mit Laufzeit bis 2014 und 2016 am Markt unterbringen. Das Volumen soll laut einer Schätzung des Brokers Newedge bis zu 3 Mrd. Euro betragen. Die letzte spanische Bondauktion fand am 2. August statt, ebenfalls vor einer EZB-Sitzung. An dem Tag bewegte sich die Rendite der zehnjährigen Spanien-Bonds zwischen 6,61 Prozent und 7,17 Prozent, zum Schluss lag sie bei 7,17 Prozent. Die neuen Bonds im Volumen von
1,05 Mrd. Euro und Fälligkeit 2022 wurden mit einer durchschnittlichen Rendite von 6,647 Prozent zugeteilt. Am Montag rentierten die Zehnjährigen bei 6,78 Prozent.

Auch Frankreich plant für den 6. September einen Marktauftritt. Das Land will bis zu 8 Mrd. Euro beschaffen, die Bonds werden zwischen 2017 und 2027 fällig. Einen Tag vorher will Deutschland zehnjährige Bundesanleihen im Volumen von 5 Mrd. Euro an den Markt bringen. Österreich bietet am 4. September Anleihen mit fünf- und siebenjähriger Laufzeit im Umfang von 1,21 Mrd. Euro an. Den Anfang macht am heutigen Montag Belgien, das Papiere mit Fälligkeit zwischen 2019 und
2041 im Volumen von 3,2 Mrd. Euro anbietet.

Wenn alle Staaten bei ihren Auktionen am Kapitalmarkt das maximal angestrebte Volumen platzieren könne, sammeln sie insgesamt 20,41 Mrd. Euro ein.

Problemlose Auktionen für Deutschland, Österreich und Frankreich

“Die spanischen Anleihen werden am empfindlichsten auf die EZB-Sitzung reagieren”, sagt Alessandro Giansanti, Leitender Zinsstratege bei der ING Groep in Amsterdam. Er erwarte problemlose Auktionen für Deutschland, Österreich und Frankreich. Im Falle Belgiens würden die Bonds seiner Meinung nach mit einem zu engen Spread gehandelt, aber die Aktion dürfte von starker inländischer Nachfrage profitieren. Die Rendite der zehnjährigen Belgien-Bonds hat sich gegenüber dem Einjahresdurchschnitt von 3,61 Prozent auf 2,57 Prozent verringert.

Mit einer erhöhten Volatilität im Vorfeld der EZB-Sitzung rechnet Gianluca Ziglio, Zinsstratege bei der UBS in London. “Die größte Hürde ist die spanische Auktion so kurz vor der EZB-Sitzung. Wenn die EZB nicht liefert und wenn die ESM-Entscheidung ungünstig ausfällt, könnte es die letzte Auktion sein, die gut läuft”, sagte er. Das Potenzial für Enttäuschungen sei immer noch groß.

Draghi hatte am 2. August geäußert, es sei “nicht akzeptabel”, dass Investoren gegen die Zukunft des Euro wetteten, indem sie die Bond-Renditen hoch trieben. Dies könne die EZB veranlassen, kurzfristige Staatspapiere im Sekundärmarkt anzukaufen - allerdings nur zusammen mit direkten Käufen des Euro-Rettungsschirms, sagte er weiter. Das deutsche Bundesverfassungsgericht wird am 12. September über die Rechtmäßigkeit des permanenten Euro-Rettungsfonds ESM urteilen.

Als Reaktion auf die Draghi-Kommentare sind die Renditen der italienischen und spanischen Anleihen gesunken. Das brachte den Investoren zwischen dem 2. August und dem 30. August mit spanischen Anleihen Erträge von 2,6 Prozent ein und mit italienischen Bonds von 3,9 Prozent, während deutsche Bundesanleihen 0,5 Prozent verloren. Das zeigen Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS).

Kursfeuerwerk bei Peripherie-Bonds möglich

Peter Chatwell, Stratege für Festverzinsliche bei Crédit Agricole in London, hält es für möglich, dass die Peripherie-Renditen absacken, falls die EZB ein substanzielles Programm auflegt. Dann könnten sich die zweijährigen italienische Renditen bis auf 1,5 Prozent halbieren, sagte Chatwell in einem Interview mit Bloomberg Television am 29. August. Und umgekehrt, wenn die EZB enttäuscht, könnten die Renditen klettern, meint Giansanti von der ING. “Der Markt hat die Erwartung, dass die EZB Bonds kaufen wird. Jeder Schritt zurück von Draghi wird negativ aufgefasst werden und die spanischen Renditen werden zu den früheren Höchstwerten zurückkommen.”

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