Historische Bewegung an Anleihen- und Devisenmärkten

Historische Bewegung an Anleihen- und Devisenmärkten

Unerwartet trübe Signale vom US-Arbeitsmarkt und schwache Industriedaten aus der Euro-Zone haben die Devisen- und Rentenmärkte am Freitag durchgeschüttelt.

Staatsanleihen aus Deutschland und den USA waren einmal mehr gefragt, so dass der Bund-Future erneut auf ein Rekordhoch stieg und US-Bonds so niedrig rentierten wie nie zuvor. Am Devisenmarkt zogen Investoren ihr Geld zunächst aus dem Euro und schichteten in Yen und Schweizer Franken um. Nachdem aber Spekulationen über eine mögliche geldpolitische Lockerung durch die US-Notenbank aufkamen, zog der Euro wieder an und der Dollar geriet unter Druck. Zugleich kursierten Gerüchte, dass Japan am Devisenmarkt gegen den Höhenflug der eigenen Währung vorging.

Vor allem die US-Arbeitsmarktdaten trafen die ohnehin schon gebeutelten Finanzmärkte hart. Die amerikanische Wirtschaft schuf im Mai nur 69.000 neue Stellen - Analysten hatten im Schnitt mit 150.000 neuen Jobs gerechnet. "An dem Arbeitsmarktbericht kann man nichts schönreden", sagte Jana Meier, Analystin bei HSBC Trinkaus. "Die Zahlen sind desaströs". Solange der Arbeitsmarkt nicht in Schwung komme, bleibe auch der private Konsum - das zentrale Standbein der US-Konjunktur - schwach. "Alles in allem muss man aber sagen, dass sich die US-Wirtschaft im Vergleich zur Euro-Zone zumindest moderat nach oben entwickelt." Der US-Einkaufsmanagerindex fiel im Mai zwar unerwartet auf 53,5 Punkte, signalisierte damit aber weiter Wachstum für die US-Industrie.

Dagegen hatten die Industriedaten aus der Euro-Zone den Märkten den ersten Schlag des Tages verpasst. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Währungsraum fiel im Mai um 0,8 auf 45,1 Punkte. Das ist der schlechteste Wert seit Mitte 2009. Die Geschäfte liefen in Deutschland, Frankreich, Italien und vor allem Spanien deutlich schlechter als zuletzt. Auch die rekordhohen Arbeitslosenzahlen in der Euro-Zone bereiteten den Investoren Sorgen.

US-Bonds schreiben Geschichte

Am Rentenmarkt markierte der deutsche Bund-Future mit 146,89 Zählern einmal mehr ein Rekordhoch, lag am späten Nachmittag aber mit 146,15 Punkten nur knapp im Plus. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe verringerte sich auf bis zu 1,127 Prozent. Bei den zweijährigen Anleihen fiel die Rendite zeitweise auf minus 0,001 Prozent. Damit mussten Anleger noch Geld drauflegen mussten, um dem deutschen Staat Geld zu leihen.

Historisches tut sich bei US-Anleihen: Die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen fielen auf bis zu 1,442 Prozent - laut Reuters-Daten das niedrigste Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen im frühen 19. Jahrhundert.

In dieser Gemengelage geriet der Euro zunächst unter die Räder. Die Gemeinschaftswährung markierte mit 1,2286 Dollar den niedrigsten Stand seit Ende Juni 2010. Im Handelsverlauf ging der Euro-Kurs dann aber steil nach oben und kletterte bis auf 1,2456 Dollar. Einige Anleger spekulierten laut Händlern darauf, dass wegen der schwachen US-Wirtschaftsdaten die Federal Reserve zum dritten Mal die Geldschleusen öffnet (Quantitative Easing 3). Ein anderer Devisenhändler vermutete, dass Investoren auf die Marke von 1,23 Dollar gesetzt hätten und danach Gewinne eingestrichen hätten.

Während der Dollar zum Euro deutlich nachgab, machte er seine Verluste gegenüber dem Yen nahezu wett. Er fiel zunächst auf bis zu 77,65 Yen und notierte später bei 78,19 Yen. Händler begründeten die Erholung mit Gerüchten, dass Japan am Devisenmarkt eingegriffen habe, um den Höhenflug der heimischen Währung zu stoppen. Das japanische Finanzministerium wollte die Gerüchte nicht kommentieren. Zuvor hatte ein hochrangiger Mitarbeiter des Finanzministeriums in Tokio gesagt, es werde immer offensichtlichter, dass der Anstieg des Yen von Spekulanten getrieben sei. Japan werde gegebenenfalls dagegen vorgehen, auch ohne Mithilfe der Partner in den USA und Europa. Das Exportland Japan fürchtet wegen des starken Yen um seine Absatzmärkte im Ausland.

Reuters/hahn

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