Hat Alpine Bau Anleger getäuscht?

Die angeschlagene Alpine Bau, die zur Stunde mit Verbindlichkeiten von rund 1 Mrd. Euro ringt und um Stundungen durch die Banken verhandelt, dürfte ihre 100 Mio. Euro schwere Anleihe im Mai trotz Kenntnis der problematischen finanziellen Situation als "solide" und "zukunftsorientiert" beworben haben.

Hat Alpine Bau Anleger getäuscht?

Zumindest habe der Kreditversicherer Prisma schon damals die Versicherungssumme für den Bauriesen mit Sitz in Salzburg herabgesetzt, berichtet das "WirtschaftsBlatt". Einem Geschäftspartner der Alpine flatterte dem Bericht zufolge bereits im Mai eine Polizzenänderung des Versicherers ins Haus, mit der die Haftungssumme für die Alpine reduziert wurde. Ein Alarmsignal.

Als Grund seien ein millionenschwerer Rechtsstreit in Polen, ein niedrigeres Eigenkapital und eine erhöhte Nettoverschuldung angeführt worden. Zudem habe sich die Bonität nicht so positiv wie erwartet entwickelt. Das Schreiben, das der Zeitung laut Eigenangaben vorliegt, sei mit dem 22. Mai datiert - dem Tag der Erstnotiz der Alpine-Anleihe.

Zu schön: "Gemeinsam bauen wir am Erfolg"

Damals sei auch bereits von Refinanzierungsproblemen der spanischen Konzernmutter FCC zu hören gewesen, die heuer Milliarden refinanzieren muss. Der Wirtschaftsprüfer der Alpine, Deloitte, habe der Bilanz des Baukonzerns zwar einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt, im Kleingedruckten aber auf Risiken in dreistelliger Millionenhöhe hingewiesen.

Im Werbeprospekt für die Alpine-Anleihe stand lediglich: "Entwicklungen der Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu", im Langprospekt finden der Zeitung zufolge nicht näher bezifferte Risiken Erwähnung. "Der Prospekt wurde von der luxemburgischen Aufsichtsbehörde CSSF gebilligt", sagte FMA-Sprecherin Annemarie Bauer zum "WirtschaftsBlatt".

Im Frühjahr wurde der Corporate Bond mit dem Slogan "Gemeinsam bauen wir am Erfolg" beworben, nun müssen Unternehmensteile verkauft werden -darunter auch die Alpine Energie, im Mai noch als "wesentliche strategische und wirtschaftliche Säule" bezeichnet.

Definitionsfrage

Freilich verwundert andererseits auch nicht, dass die Anleihe unter Heranziehung derartiger Slogans beworben wird. Die finden sich bei jeder Neuemission im Marketing-Prospekt. Wirklich bitter für die Bondgläubiger ist, dass auch ohne Bericht des "WirtschaftsBlatt" bereits zu vermuten war, dass der Konzern mit großer Wahrscheinlichkeit im Mai längst über die finanzielle Lage bescheid wusste. Schließlich soll ja schon Ende Juni das Eigenkapital negativ gewesen sein.

An den Bondmärkten zeigt sich indes jeden Tag das gleiche Bild. Die Unsicherheit hält freilich an, solange die Finanzierungsfragen nicht geklärt sind. Wenn die Banken einlenken und/oder FCC zuschießt (sofern die Spanier dazu in der Lage sind), gibt's eine Rally. Wenn nicht, dürften die Anleihen rasch auf 50 Prozent oder darunter absacken. Aktuell handelt das 2012 emittierte Papier (AT0000A0V834) bei 69 bzw. 70,5 Prozent (Geld/Brief), also wieder etwas leichter als noch gestern. Das folgende ist keine Handlungsaufforderung und dient nur zu Ihrer Information (schließlich wollen wir Ihnen nichts vorenthalten): Sofern Alpine 2017 in der Lage ist den Bond zurückzuzahlen und bis dahin nicht ein paar Kupons ausfallen, entspräche dies einer Rendite von 15,8 Prozent jährlich. Zum Vergleich: Noch ein paar Tage Rally bei den griechischen Staatsanleihen und die werfen in etwa dasselbe ab...

Zu hoffen bleibt jedenfalls, dass sich nicht noch mehr Alpine-Abgründe auftun.... den Gläubiger wünschen wir jedenfalls starke Nerven und einmal mehr der Alpine wohlgesonnene Banken...